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Brandenburg Boccaccios Possen in der Stadtbibliothek
Brandenburg Boccaccios Possen in der Stadtbibliothek
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00:37 05.03.2018
Der Schauspieler Christian Ballhaus in der Stadtbibliothek Potsdam. Quelle: Rüdiger Braun
Potsdam

Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich ein seit über 600 Jahre bekannter, längst kanonisch gewordener Text klingen kann. Man kann ihn souverän und lässig vortragen wie der alte Schauspielhase Christian Ballhaus, man kann ihn mit Ernst und Nachdruck lesen wie der Potsdamer Buchhändler Carsten Wist oder beinahe wütend wie der Lehrer und Theaterschiff-Darsteller Mathias Iffert. Wohl zwischen 1349 und 1353 hat der Italiener Giovanni Boccaccio seinen Erzählstrauß ab- und damit kursierende Novellen, Anekdoten und Fabeln aus dem südeuropäischen und nahöstlichen Raum zusammengefasst. Der Verein „ Freundeskreis Potsdam-Perugia“ wählte den Klassiker für seinen zweiten Lesemarathon aus und ließ markante Teile von sechs versierten Vorleserinnen und Vorlesern vortragen.

Listige Prostituierte und mannstolle Ehefrauen

Das menschlich Allzumenschliche und zuweilen auch boshaft Verspielte der Geschichten findet am Donnerstagabend im Veranstaltungssaal der Stadt- und Landesbibliothek unter den rund 50 Besuchern schnell Freunde. Wer würde nicht schmunzeln, wenn sich ein naiver Kaufmann von einer Prosituierten linken lässt und in der Kloake landet oder wenn ein braver Maurermeister in einem Fass hockend von seiner Frau instruiert wird, wie er dieses innen zu reinigen habe, während sie sich justamente von ihrem Liebhaber bespringen lässt? Nicht nur die verschiedenen Gattungen der vom Freundeskreis ausgesuchten Ausschnitte sind kurzweilig, es sind auch die Interpretationen der Vorleser. Einen eher suchenden Zugang zum nachdenklich stimmenden Text über den Adel des Geistes hat die Potsdamer Schauspielerin Andrea Brose, während Karen Schneeweiß-Voigt vom Theaterschiff sich mit italienischem Temperament in die Rolle der untreuen Ehefrau hineinsteigert.

Das zeitlos Menschliche

Natürlich kommen die Possen und maliziösen Scherze des Italieners vor allem wiegen ihres derben Humors und nicht zuletzt ihrer unverblümten Erotik wegen an. Sie wirken aber auch, weil Boccaccio in seinen Novellen grundlegende menschliche Verhaltensweisen und Notlagen aufdeckt. Das Liebesleid Federicos scheint uns auch sechs Jahrhunderte danach vertraut – und ihren geldwerten Vorteil suchen Menschen stets auf halsbrecherische Weise, ob sie nun als Handelsherr namens Landolfo Ruffolo im 14. Jahrhundert oder als CEO von Lehmann Brothers anno 2007 unterwegs sind. Dass Boccaccio darüber hinaus ein Sprachkunstwerk geschaffen hat, merkt auch der nicht italienisch Sprechende, wenn die ehemalige Präsidentin der Vereins Il Ponte, Maria-Luise Döring, einen kurzen Abschnitt im Original vorträgt. Es ist ganz gut, dass die Sprecherin der Stadtbibliothek, Sybille Weber, in Aussicht stellt, dass der Lesemarathon eine reguläre Veranstaltung werden könnte. Nicht nur das stille Lesen, sondern auch das aufmerksame Hören macht echte Bildung aus.

Von Rüdiger Braun

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