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Bombardier streicht in Deutschland 1430 Jobs

Zittern in Hennigsdorf Bombardier streicht in Deutschland 1430 Jobs

Der Zug- und Flugzeugbauer Bombardier streicht in den nächsten zwei Jahren weltweit 7000 Arbeitsplätze, davon allein 3200 bei der Zugsparte. In Deutschland sollen 1430 Jobs abgebaut werden. Damit muss auch die Belegschaft des Werks in Hennigsdorf (Oberhavel) zittern. Es ist mit 2850 Beschäftigten der größte Bombardier-Standort in Deutschland.

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Das Bombardier-Werk in Hennigsdorf (Oberhavel) ist das größte des kanadischen Konzerns in Deutschland.

Quelle: dpa

Montreal/Berlin/Hennigsdorf. Der Zughersteller Bombardier streicht in den nächsten zwei Jahren 1430 Arbeitsplätze in Deutschland. Inwiefern das bundesweit größte Werk in Hennigsdorf von dem Stellenabbau betroffen ist, lässt der kanadische Konzern vorerst offen. Die Hälfte der Betroffenen seien Leiharbeiter, deren Verträge nicht verlängert werden, hieß es. Werksschließungen seien nicht geplant.

Stellenabbau trotz guter Auftragslage

„Wir formen Bombardier Transportation für die Zukunft“, sagte Präsident Laurent Troger am Mittwoch. Zwar sei die Finanzlage solide und der Auftragsbestand gut. Es gehe aber darum, Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen und profitabler zu werden. Der Stellenabbau in Deutschland ist Teil eines weltweiten Streichprogramms von 7000 Arbeitsplätzen bei dem Konzern, der auch Flugzeuge baut. Allein in der Zugsparte sollen 3200 Jobs wegfallen. Die in Deutschland ansässige Zugsparte Bombardier Transportation hatte 2014 weltweit 39.700 Beschäftigte.

Betriebsrat: Verunsicherung ist groß

„In der Belegschaft ist die Verunsicherung groß“, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Wobst am Mittwochnachmittag. Um den Standort Hennigsdorf hatte es seit Monaten Spekulationen über Sparmaßnahmen gegeben. „Mit drastischem Personalabbau lassen sich vielleicht die Aktienmärkte beeindrucken. Bestehende Probleme werden dadurch jedoch eher verschärft als gelöst“, mahnte Wobst.

IG Metall verurteilt Sparpläne

Die Gewerkschaft IG Metall sieht das angekündigte Sparprogramm als Folge von Fehlern in der Konzernführung. „Wir verurteilen die Pläne, Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Beschäftigten bei Bombardier auszutragen“, sagte Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Jetzt werden Folgen von Fehlentscheidungen sichtbar, vor denen wir schon 2014 gewarnt haben.“ Die Gewerkschaft habe das Management bereits in den vergangenen beiden Jahren dazu aufgefordert, Prozesse zu verbessern, die Projektabwicklung zu Optimierungen und die Niedrigkostenstrategie zu beenden, statt Arbeitsplätze zu vernichten, hieß es.

Belegschaft kündigt Widerstand an

„Die Management-Fehler sollten nicht Anlass sein, die Zukunft von Menschen und ihren Familien zu gefährden“, sagte Höbel weiter. „Gegen die Gefährdung von Arbeitsplätzen und Standorten wird das Management auf den deutlichen Widerstand der Belegschaften treffen. Ab jetzt ist Unruhe in den Betrieben angesagt.“

Verfehlter S-Bahn-Zuschlag dämpft Auftragslage

Der Betriebsrat des Hennigsdorfer Werks und die IG Metall warnen schon seit langem vor geplanten Entlassungen am Standort in Oberhavel. 1000 Jobs seien in dem Werk bedroht, hieß es im vergangenen Jahr. Hintergrund ist die gescheiterte Bewerbung um den Großauftrag für den Bau neuer Züge für den Berliner S-Bahn-Ring. Den Zuschlag hatte ein Konsortium aus Siemens und Stadler erhalten.

Größtes Bombardier-Werk Deutschlands

In Deutschland entwickelt und baut Bombardier in Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen, Braunschweig, Kassel, Mannheim und Siegen Züge, Straßenbahnen und Lokomotiven. Wie stark die deutschen Standorte vom Stellenabbau betroffen sind, wollte ein Sprecher nicht sagen. Im Werk in Hennigsdorf arbeiten 2850 Menschen, darunter 200 Leiharbeiter. Es ist das größte Werk in Deutschland.

Neuer Bombardier-Chef seit Dezember 2015

Seit Dezember 2015 leitet der Franzose Laurent Troger die Zugsparte von Bombardier. Troger hatte angekündigt, vorausschauender in den Markt zu gehen und schneller zu reagieren. „Wir waren sehr reaktiv und wir werden proaktiver werden.“ Was das für die 2850 Beschäftigten im größten deutschen Bombardier-Werk in Hennigsdorf bedeutet, ließ Troger damals offen. Sein Vorgänger hatte dort einen Arbeitsplatzabbau in Aussicht gestellt und Näheres für den Sommer 2016 angekündigt.

Umsätze gehen zurück

Der Umsatz der Zugsparte schrumpfte nach Angaben vom Mittwoch im vergangenen Jahr von 9,6 Milliarden auf 8,3 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank leicht von 469 Millionen Dollar auf 465 Millionen Dollar. Der Konzern hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder Stellen gestrichen.

Von Bastian Pauly (mit dpa)

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