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Bossing findet „zu wenig Beachtung“

Lehrerin des Jahres im Interview Bossing findet „zu wenig Beachtung“

Die Luckenwalder Lehrerin Ines Weghenkel wurde als „Lehrerin des Jahres“ ausgezeichnet. Seit September, nach der Verleihung, unterrichtet sie nicht mehr an ihrer Schule. Ihre Schüler sprechen von Mobbing. Wir haben Ines Weghenkel getroffen und nach den Beweggründen gefragt.

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Ines Weghenkel.

Luckenwalde. Ines Weghenkel wurde als Lehrerin des Jahres ausgezeichnet. Doch sie unterrichtet derzeit nicht. Die MAZ fragte nach den Gründen.

Seit Ihnen der Deutsche Lehrerpreis verliehen wurde, haben Sie nicht mehr unterrichtet. Ihre Schüler sprechen von Mobbing und nun heißt es, Sie kehren nicht mehr an die Schule zurück. Ist das richtig?

Seit Anfang September bin ich krankgeschrieben, das hat allerdings ursächlich nichts mit der Verleihung des Deutschen Lehrerpreises zu tun. Den Lehrerpreis habe ich nicht erhalten, weil ich die „beste“ Lehrerin bin, sondern weil Schüler Danke sagen wollten. Auch in Betracht ziehend, was darauf gefolgt ist, war das eine großartige Erfahrung, nicht nur für mich, sondern auch für die mich begleitenden Schüler. Ich kenne sehr viele gute Lehrer und ich wünschte, dass auch diesen ein solch positives Feedback gegeben würde. Gerade in unserer Zeit, in der es leichter scheint, Menschen zu be- und verurteilen, anstatt ihnen zu danken.

Aber es gibt offenbar große Probleme an der Schule, über die Sie sich als Beamtin bisher nicht äußern wollten. Hat sich die Lage geändert?

Nach wie vor befinde ich mich in einer schwierigen Konfliktsituation. Aber die entscheidende Frage ist nicht, wie diese entstanden ist, sondern wie sie geklärt wird. Konflikte sind völlig normal im Zusammenleben von Menschen. Sie sind die Basis für Entwicklung und Veränderung – wenn sie gehört und geklärt werden. Auch Fehler zu machen ist normal und menschlich. Allerdings sollten die, die Fehler machen, sich ihrer Verantwortung stellen und zu einer aktiven Klärung beitragen.

Sie sind Fach- und Schulberaterin. Hat Sie das, was Ihnen widerfahren ist, überrascht?

Mobbing oder Bossing, als spezielle Form des Mobbings durch Vorgesetzte, ist ein Thema, das zu wenig Beachtung findet. Das betrifft keinesfalls nur Lehrer, sondern viele Menschen, die in hierarchischen Strukturen arbeiten. Hier ist Handlungsbedarf, wie mir die unzähligen Mails und Rückmeldungen beweisen, die ich bekommen habe und die mich entsetzen. Beamte sind insofern besonders betroffen, als sie durch Dienstrecht und Dienstweg kaum Handlungsspielraum haben.

Schüler und Eltern haben da mehr Möglichkeiten. Aber sind die Schwierigkeiten mit Stundenausfall und Benotung jetzt aus der Welt?

Soviel ich weiß, hat bisher niemand mit den Schülern oder Eltern gesprochen. Ich habe immer meine Schüler ermutigt, Dinge zu hinterfragen und unbequem zu sein. Das ist ihr demokratisches Recht. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der junge Menschen auf ihre Plätze verwiesen werden, nur weil sie jung sind und andere sich ihnen überlegen fühlen. Ich ziehe den Hut vor meinen Schülern, die den Mut hatten und haben, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.

Bleibt es dabei, dass Sie nicht mehr an die Schule zurückkehren? Wie sehen Gegenwart und Zukunft für eine ausgezeichnete Lehrerin aus?

Wenn eine Tür zuschlägt, dann öffnet sich ein Fenster. Ich habe diese schwierige Zeit vor allem deshalb überstanden, weil ich Zuspruch und Unterstützung von den unterschiedlichsten Menschen erhalten habe. Ein Dankeschön an all jene, die mir geholfen und mich unterstützt haben, die mir Mut zugesprochen haben und die sich für mich eingesetzt haben. Auch das war eine unerwartete und großartige Erfahrung.

Wenn es für Sie eine Lösung gibt, was ist mit jenen, die sich nicht so laut wehren wollen oder können?

Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem das Recht des Lauteren oder Stärkeren gilt. Keine Chance dem Trumpismus in Deutschland. Wir brauchen eine neue Konflikt- und Streitkultur. Wir brauchen Dialog statt Beleidigung und Herabsetzung, Transparenz und Offenheit statt Anmaßung und festgefahrenen Strukturen. Wir brauchen Kommunikation und Verständnis statt Wut und Hass. Dafür werde ich mich auch weiterhin einsetzen, genau wie viele andere das tagtäglich tun.

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Von Martina Burghardt

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