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Brandenburg Brand entfacht Debatte um Windräder im Wald
Brandenburg Brand entfacht Debatte um Windräder im Wald
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00:20 23.06.2018
Klein Zehdenick. Schwarzer Rauch zieht aus einem Windrad ab, dessen Rotor nach einem Blitzschlag während eines Gewitters Feuer fing und abbrannte. Quelle: dpa
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Potsdam

Der Windrad-Brand in Altlüdersdorf (Oberhavel) von Mitte Juni hat eine Debatte über die Gefährlichkeit von Windkraftanlagen ausgelöst. „Wald und Flur sind knochentrocken und brennende Teile werden bis zu hundert Meter weit durch die Gegend geschleudert“, sagte der Landtagsabgeordnete Christoph Schulze (fraktionslos) am Sonntag.

Ein Brand zerstört am 28.03.2013 bei Groß Bisdorf (Mecklenburg-Vorpommern) das Maschinenhaus einer Windkraftanlage. Die Brandursache ist noch ungeklärt. Quelle: dpa

Mindestens sieben Windrad-Brände haben sich zwischen 2011 und 2015 in Brandenburg ereignet – der aus Oberhavel wäre Nummer acht. Allerdings gebe es keine Meldepflicht für solche Vorfälle, so die Landesregierung in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage Schulzes. Der Abgeordnete nennt das einen „Offenbarungseid“. Die Landesregierung verschließe die Augen, obwohl es Landesbehörden seien, die für die Genehmigung von Windkraftanlagen zuständig seien. Gut 3000 Windräder stehen in Brandenburg, etwa ein Zehntel davon in Waldstücken.

Der Sprecher der Anti-Windrad-Initiative „Waldkleeblatt“ in Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark), Winfried Ludwig, begreift den jüngsten Brand als weiteres Argument gegen eine „Verspargelung“ der märkischen Wälder. Gondelbrände seien praktisch „nicht löschbar“. Auf dem platten Land sei das noch zu beherrschen, im Wald aber brauche es „mehr als 300 Feuerwehrleute“, um den von der Feuerwehr definierten Sicherheitsradius von 500 Metern um die Brandstelle zu sichern. „Da lacht sich doch jeder Brandmeister unserer Freiwilligen Feuerwehren kaputt“, so Ludwig.

In einem Windpark in Rüting bei Grömitz (Kreis Ostholstein) brennt am 24.Januar 2006 ein Windrad. Quelle: dpa

Landesbranddirektor Heinz Rudolph, Chef der Landesfeuerwehrschule, hält es dagegen „für verfehlt, die Windkraft mittels Brandschutz-Erwägungen zu verteufeln.“ Zu selten und unbedeutend seien Vorfälle. „Das Restrisiko ist gering“, so Rudolph. Windparks im Wald seien eher günstig für die Bekämpfung von Bränden. Die breiten Schneisen zu den Anlagen, befestigte Wege und Löschwasserversorgung erleichterten die Arbeit der Wehren. Rudolphs Fazit: „Windparks machen den Wald eher sicherer.“

Immer mehr Windradgondeln seien mittlerweile mit Löschautomatik ausgestattet, sagt Jan Hinrich Glahr vom Bundesverband Windenergie. Ein erhöhtes Waldbrandrisiko geht nach Auffassung des Verbands nicht von den Turbinentürmen im Wald aus. Vielmehr leiteten Windräder zahlreiche Blitze ab, die ansonsten in Waldbäume einschlagen würden, so Glahr. Er frage sich, so der Vertreter der Windenergiewirtschaft, ob es sich bei der Aufregung um die Brandgefahr nicht um „Sticheleien handelt, um gegen Windkraft im Wald zu punkten“.

In Gaildorf (Baden-Württemberg entsteht zur Zeit die größte Windkraftanlage der Welt. Die Anlage erreicht eine Nabenhöhe von 178 Metern und eine Gesamthöhe von 246,5 Metern. Quelle: MAZ

Im Landtag übten am Dienstag mehrere Bürgerinitiativen Kritik am geplanten Ausbau der Windkraft im Land, vor allem in Waldgebieten. Der fraktionslose Abgeordnete Peter Vida von den Freien Wählern sagte, in Brandenburg werde die Hälfte der neuen Anlagen im Wald geplant. Er forderte einen geänderten Landesentwicklungsplan und wird kommende Woche einen Antrag in das Landtagsplenum einbringen. Danach sollen Waldgebiete für die Windkraftnutzung ausgeschlossen werden.

Die Freien Wähler fordern nach mehreren Havarien durch Brände und Blitze, aber auch durch das Auslaufen von Öl eine Überwachungspflicht für Windkraftanlagen. Es müssten strengere Kontrollen geben. In Brandenburg sei das Problem, dass die Anlagen immer älter und anfälliger würden.

Von Ulrich Wangemann und Igor Göldner

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