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Stromtankstellen sucht man vergebens

Elektromobilität in Brandenburg Stromtankstellen sucht man vergebens

Fahrer von Elektroautos suchen öffentliche Ladepunkte in der Mark meist vergebens: In keinem anderen Bundesland gibt es – bezogen auf Fläche – weniger Stromtankstellen als in Brandenburg. Dabei gilt eine gute Ladeinfrastruktur als wichtige Voraussetzung für den Durchbruch der Elektromobilität.

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An der E-Zapfsäule: Dieser Tesla fährt ausschließlich mit Strom. Entsprechende Tankstellen sind in Brandenburg eine Seltenheit.

Quelle: dpa

Potsdam. In den Weiten der Mark sind Stromtankstellen eine seltene Sehenswürdigkeit. In keinem anderen Bundesland gibt es bezogen auf die Fläche weniger Zapfsäulen für Elektroautos: 1,7 öffentlich zugängliche Ladepunkte zählt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) pro 1000 Quadratkilometer in Brandenburg.

Andere Flächenländer fahren längst auf der Überholspur. Im Vergleich bringt es Niedersachsen auf 9,8 Ladepunkte pro 1000 Quadratkilometer, Bayern auf 11,3 und Nordrhein-Westfalen sogar auf 36,8. Selbst die ähnlich dünn besiedelten Länder Sachsen-Anhalt (3,4) und Mecklenburg-Vorpommern (3,1) haben Brandenburg abgehängt.

Dabei gilt die Ladeinfrastruktur bundesweit als mangelhaft. Der Ausbau bleibt deutlich hinter den steigenden Verkäufen von Elektroautos zurück, die selbst mit der Umweltprämie nicht so stark wie erhofft in Gang kommen. Die eine Million E-Autos, die bis 2020 über Deutschlands Straßen rollen sollen, sind nur noch eine hehre Idee denn ein realistisches Ziel. Zu Jahresbeginn waren bundesweit gut 25.000 zugelassen, immerhin doppelt so viele wie 2014. Die Zahl der Ladepunkte hat im gleichen Zeitraum aber nur um ein knappes Drittel auf 5836 zugelegt.

„Die Infrastruktur ist und bleibt ein ganz wesentlicher Punkt bei der Verbreitung der Elektrofahrzeuge“, sagt Julian Affeldt von der Interessengemeinschaft (IG) Elektromobilität Berlin-Brandenburg. Der 47-Jährige aus Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) ist seit Jahren mit dem Elektroauto in der Region unterwegs. „In Brandenburg gibt es viel zu wenige Lademöglichkeiten, vor allem in kleinen Städten und Gemeinden.“ Und selbst in Berlin, wo immerhin 485,6 Ladepunkte auf 1000 Quadratkilometer kommen, vergeht ihm wegen teurer Zeittarife und zugeparkten Stromzapfsäulen nur zu schnell die Freude am elektrischen Fahren.

Als bislang einziger Autobauer hat sich Tesla Motors mit dem flächendeckenden Ausbau von Schnellladestationen hervorgetan., etwa in Herzsprung (Ostprignitz-Ruppin), Uckerfelde (Uckermark), Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) und Bersteland (Dahme-Spreewald). Die „Tesla Supercharger“ können kostenlos genutzt werden, allerdings ausschließlich von Kunden des US-Unternehmens.

Mit den Ladesäulen lässt sich schließlich kaum Geld verdienen, wie Julian Affeldt vorrechnet. 8000 bis 10.000 Euro kostet eine einfache Säule von der Planung bis zur Installation, bei einer Schnellladestation können es 30.000 Euro und mehr werden. Dass Stromversorger wie RWE – bundesweit mit 3100 Ladepunkten führend – trotzdem in die Infrastruktur investieren, dürfte in der Hoffnung auf rasant steigende Abnahmemengen begründet liegen, sobald sich Elektroautos durchgesetzt haben. In Praxistests kommt etwa der BMW i3 auf einen Verbrauch von 2000 Kilowattstunden auf 10.000 Kilometer.

Professor Markus Lienkamp vom Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München glaubt nicht, dass sich die Investitionen der Betreiber jemals amortisieren. „Deswegen muss die Infrastruktur für Schnellladung staatlich initiiert und finanziert werden. Ein Anreiz für die Elektromobilität wären sehr günstige Ladekosten unterhalb des Haushaltsstrompreises.“ Eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur sehen Experten als wirksames Argument gegen die weit verbreitete Reichweitenangst: die Sorge, mit leerem Akku in der Prärie liegenzubleiben.

Das Bundesverkehrsministerium hat neben der Kaufprämie auch den staatlich geförderten Ausbau der Ladeinfrastruktur beschlossen. Der Raststättenbetreiber Tank & Rast plant, bis 2018 mit 400 Schnellladesäulen das größte zusammenhängende Netz an deutschen Autobahnen aufzubauen – die Nutzung ist kostenfrei, zumindest vorerst. Brandenburgs Wirtschaftsministerium begrüßt die Ausbaupläne. „Wir wissen, dass wir nicht die Helden sind, was E-Mobilität angeht“, sagt Andrea Beyerlein. Laut der Sprecherin legen allerdings die Daten von Plattformen wie chargemap.com nahe, dass es in Brandenburg mehr als die 49 vom BDEW verzeichneten öffentlichen Ladepunkte gibt.

Bund fördert Ausbau der Ladeinfrastruktur

300 Millionen Euro stellt der Bund zur Verbesserung der Ladeinfrastruktur zur Verfügung, davon 200 Millionen Euro für Schnell- und 100 Millionen Euro für Normalladeinfrastruktur.

15.000 neue Ladesäulen bis 2020 sind das Ziel – 5000 Schnellladepunkte in Metropolen und an Fernstraßen und 10 000 Normalladepunkte. Unterstützt werden private und öffentliche Investoren.

Von Bastian Pauly

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