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Brandenburg: Weniger Angriffe auf Minderheiten

Gewalt und Pöbeleien gegen Schwule, Behinderte, Obdachlose Brandenburg: Weniger Angriffe auf Minderheiten

Die Zahl der Straftaten gegen Schwule, Lesben, Behinderte und Obdachlose ist zurück gegangen im Land Brandenburg – so meldet es das Innenministerium. Die Tendenz ist nicht selbstverständlich, denn bundesweit nehmen die Fälle zum Teil zu.

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Quelle: dpa

Potsdam. In Brandenburg sind laut Innenministerium 2016 deutlich weniger Straftaten gegen Homo- und Transsexuelle sowie Behinderte und Obdachlose angezeigt worden als im Jahr zuvor. Danach wurden im vergangenen Jahr vier Übergriffe auf Menschen mit anderer sexueller Orientierung erfasst, halb so viele wie 2015. Die Zahl der registrierten Straftaten gegen Obdachlose und Behinderte verringerte sich von acht auf zwei. Die Linken-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige hatte die Zahlen angefordert.

Bundesweit waren dagegen schon in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 205 Straftaten zum Thema „sexuelle Orientierung“ gemeldet worden - 34 mehr als im gleichen Zeitraum 2015. Auch in Berlin gab es von Januar bis Oktober 2016 mit 113 Übergriffen sechs mehr als im Vorjahreszeitraum. Da viele Opfer solche Vorfälle aus Scham nicht anzeigen, wird eine deutlich höhere Dunkelziffer vermutet.

Schmähparolen gehen oft nur als Sachbeschädigung durch

Auch nach Angaben der Brandenburger Landesverbands Andersartig spiegelt die polizeiliche Statistik nicht das tatsächliche Ausmaß der Gewalt gegen Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung wider. „Häufig mangelt es Polizei- und Justizbediensteten an der Sensibilität für vorurteilsmotivierte Straftaten“, klagt Verbandschef Lars Bergmann. So würden Schmierereien wie „Geht Sterben, ihr Schwulen“ als reine Sachbeschädigung verzeichnet, ein körperlicher Angriff auf ein Lesbenpaar als Tätlichkeit.

Um solchen Vorbehalten zu begegnen, ist im Potsdamer Polizeipräsidium die Stelle eines Ansprechpartners für gleichgeschlechtliche Lebensweisen geschaffen worden, wie es in der Antwort an die Linksfraktion heißt. Damit soll es Opfern von Gewalttaten auch erleichtert werden, Strafanzeigen zu stellen.

Ein Drittel der Angriffe auf Homosexuelle wurde nicht geklärt

Laut Innenministerium sind in Brandenburg seit 2001 insgesamt 61 Übergriffe auf Menschen mit schwuler, lesbischer, bi-, trans-, oder intersexueller Orientierung registriert worden. Mehr als ein Drittel der Fälle ist bis heute nicht geklärt.

In den vergangenen 16 Jahren registrierte die Polizei auch 28 Delikte in der Kriminalrubrik „gesellschaftlicher Status“, darunter zwei grausame Mordfälle. 2001 quälten fünf Jugendliche einen 61-jährigen Obdachlosen zu Tode, den sie aus Dahlewitz (Teltow-Fläming) vertreiben wollten. Sie schlugen ihn, drückten Zigaretten in seinem Gesicht aus und rammten ihn einen Finger ins Auge. Als der Mann starb, waren seine Rippen zersplittert, der Schädel gebrochen.

Mord an Obdachlosem erschüttert das Land vor rund zehn Jahren

Sieben Jahre später brachten zwei junge Rechtsradikale einen 55 Jahre alten arbeitslosen Alkoholkranken in Templin (Uckermark) um, den sie als Sozialhilfeempfänger verachteten. Der Haupttäter hatte seinem Opfer mehr als 30 Mal gegen Körper und Gesicht getreten, bis es zertrümmert war. Laut Gerichtsmedizin war der Tod durch verschlucktes Blut und Luft im Herzen eingetreten.

Auch in diesem Kriminalitätsbereich wird eine hohe Dunkelziffer angenommen. Nach Informationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe kommt es nur in seltenen Fälle vor, das Obdachlose Übergriffe bei der Polizei anzeigen. „Das tatsächliche Ausmaß der Gewalt übertrifft die bekannt gewordenen Fälle um ein Vielfaches“, sagt Paul Neupert von der Wohnungslosenhilfe.

20 Straftaten gegen Behinderte seit 2001 registriert

Dies gilt vermutlich auch für die 20 Straftaten gegen Behinderte, die seit 2001 in Brandenburg registriert wurden. In dem meisten Fällen ermittelten die Behörden wegen Volksverhetzung, Körperverletzung und schwere Körperverletzung. Jeder vierte Vorfall ist noch nicht geklärt.

Die Delikte gegen gesellschaftliche Minderheiten werden in der Polizeistatistik als politisch motivierte Hasskriminalität geführt. Dabei handelte es sich in der Mehrzahl um Straftaten wie Volksverhetzungen, Körperverletzungen, Bedrohungen und Beleidigungen.

Von MAZ-online

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