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Brandenburg Brandenburgs Händler bereiten sich auf Paketwahnsinn vor
Brandenburg Brandenburgs Händler bereiten sich auf Paketwahnsinn vor
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01:17 23.11.2018
Online-Handel und Logistik erwarten dieses Jahr einen erneuten Rekordumsatz an Weihnachten. Und haben sich unterschiedlich vorbereitet. Quelle: Bodo Marks
Potsdam

Mit Überstunden, Nachtschichten und zusätzlichem Personal wollen die Versandhändler und Paketdienste der Region das Weihnachtsgeschäft bewältigen.

Dabei erwartet die Branche in diesem Jahr Rekordumsätze. Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BIEK) geht davon aus, dass die Deutschen vor Weihnachten rund 330 Millionen Pakete versenden – so viele wie nie zuvor.

Bei Amazon in Brieselang (Havelland) haben die Weihnachtsvorbereitungen bereits vor drei Monaten begonnen. Zu den 650 Mitarbeitern wurden rund 100 Saisonarbeiter ab August eingestellt.

Weihnachten ist „wichtigste Zeit des Jahres“ für Online-Händler

„Das ist unsere wichtigste Zeit des Jahres“, sagt Unternehmenssprecher Stephan Eichenseher. Außerhalb der Weihnachtszeit sind in Brieselang rund 2,8 Millionen Artikel vorrätig.

Für die Weihnachtszeit wurde die Produktpalette auf 3,6 Millionen Artikel angehoben. „Damit haben wir derzeit eine Lagerauslastung von über 100 Prozent. Das stellt für uns eine Ausnahmesituation dar, die wir vermeiden wollen, aber in der Weihnachtszeit nicht vermeiden können“, sagt Standortleiterin Sylvia Reichardt.

Hochbetrieb herrscht auch im DHL-Verteilzentrum Börnicke (Havelland). Die Post erwartet in der Vorweihnachtszeit eine Menge von 550000 Sendungen täglich, das seien rund 20 Prozent mehr als üblich, wie Post-Sprecher Mattias Persson mitteilte.

Deutsche Post und Hermes bereiten sich auf Weihnachtszeit vor

Damit das gelingt, sind dort rund 100 zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz. Bundesweit hat die Deutsche Post etwa 10000 weitere Aushilfskräfte für die Weihnachtszeit eingestellt.

„Wir rechnen im Vergleich zum Vorjahr mit einem Anstieg an Sendungen um rund 10 Prozent und an den Tagen vor Heiligabend mit einer Rekordmenge von 11 Millionen Paketsendungen täglich“, sagte er.

Logistiker Hermes stockt am Standort Ketzin (Havelland) die Mitarbeiterzahl ab 1. Dezember auf insgesamt 214 Beschäftige auf. Damit arbeiten rund 15 Prozent mehr Mitarbeiter als üblich daran, die Weihnachtspakete auszuliefern.

Anzahl der Paketlieferungen in Deutschland von 2000 bis 2017 und prognostiziert bei 2020. Quelle: Detlev Scheerbarth

100.000 zusätzliche Sendungen bei Hermes in Ketzin

Zusätzlich wurde das Schichtsystem nahezu auf einen 24-Stunden-Betrieb ausgeweitet. Das Unternehmen erwartet bundesweit im November und Dezember 80 Millionen Sendungen.

Die enorme Zahl an Online-Bestellungen hatte im Dezember 2017 dazu geführt, dass Hermes in Rücksprache mit einigen Online-Händlern regionale Bestellgrenzen einführte.

„Nach derzeitigem Stand werden wir auf eine solche Mengendeckelung in diesem Jahr verzichten können“, sagt Matthias Plack, Hermes-Standortleiter Berlin. Am Standort Ketzin werden an Spitzentagen bis zu 250000 Sendungen erwartet – 100000 mehr als im Vorjahr, als sich das im Juni 2017 eröffnete Logistikzentrum noch im Aufbau befand.

Verdi kritisiert Arbeitsbedingungen bei Paketdiensten

Beim Modehändler Zalando in Brieselang sind 1200 Mitarbeiter mit dem Weihnachtsgeschäft beschäftigt. „Wir haben unsere Transportdienstleister bereits im Juni über das erwartete Bestellvolumen zum Weihnachtsgeschäft informiert, sodass diese ihre Kapazitäten frühzeitig planen konnten“, sagt Firmensprecherin Barbara Debowska.

Im vergangenen Jahr stellte das vierte Quartal mit mehr als 25,8 Millionen Bestellungen das umsatzstärkste Quartal dar. In diesem Jahr rechne man mit einer höheren Zahl.

Aus Sicht der Gewerkschaft Verdi herrschen bei vielen Paketdiensten schlechte Arbeitsbedingungen. Nur DHL und UPS würden als große Paketdienste in Deutschland überwiegend mit eigenen, fest angestellten Mitarbeitern arbeiten, während DPD, Hermes und GLS Mitarbeiter aus Subunternehmen anwerben würden, in denen die Arbeitsbedingungen laut Verdi „vielfach prekär“ seien.

„Knochenjob wird an Weihnachten noch härter“

Dort hätten sie mehrheitlich keine versicherungspflichtige Arbeitsplätze und würden auch nicht nach Tarif bezahlt. Ähnlich kritische Arbeitsbedingungen sieht Verdi auch im Online-Handel.

„Vor allem in der Weihnachtszeit stehen die Mitarbeiter von großen Online-Händlern unter enormem Druck und Stress. Für viele dürfte der Knochenjob damit noch härter werden“, sagt Günter Isemeyer, Sprecher vom Bundesverband Verdi.

Das habe teilweise in den letzten Jahren zu hohen Krankenständen von bis zu 20 Prozent geführt. Auch Zeitverträge sind der Gewerkschaft ein Dorn im Auge. „Online-Händler heuern und feuern teilweise Fachkräfte nach Belieben. Durch die Zeitarbeit können sie zudem keine Familienplanung betreiben, sind nicht kreditwürdig. Das darf einfach nicht sein“, betonte der Verdi-Sprecher. Von besinnlicher und ruhiger Weihnacht könne für die Mitarbeiter keine Rede sein.

Von Fabian Lamster

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