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Brandenburg bildet Wasserortungshunde aus

Hilfsorganisationen Brandenburg bildet Wasserortungshunde aus

Personenspürhunde unterschiedlichster Art gibt es sowohl bei der Polizei als auch bei Hilfsorganisationen. In Brandenburg werden jetzt Wasserortungshunde ausgebildet. Sie können vom Boot aus Ertrunkene wittern und Rettungstauchern die Orientierung erleichtern.

Hundeführer Christian Arlt vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist mit seinem Wasserortungshund Oscar während einer Übung auf dem Helenesee unterwegs.

Quelle: dpa

Frankfurt (Oder). Sobald Otis in das Boot der Wasserwacht gesprungen ist, beginnt er aufgeregt zu bellen. Der fünf Jahre alte Hund, ein Landseer, trägt eine leuchtend orangefarbene Schwimmweste, ebenso wie seine menschlichen Begleiter. Hundeführerin Nicole Adam versucht, ihren riesigen Vierbeiner zu beruhigen. Denn bellen soll Otis eigentlich nicht. Das schwarz-weiße Tier muss sich darauf konzentrieren, vom Boot aus möglichen Leichengeruch im Wasser des Frankfurter Helenesees zu riechen. Da hilft nur intensives Training, meint Adam seufzend.

„Otis ist einer unserer besten Flächensuchhunde“, sagt Ingrid Fritzemeier, Leiterin der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) beim Kreisverband Märkisch-Oderland-Ost. Und weil das Tier bei der Suche vermisster Menschen beispielsweise in weitläufigen Waldstücken so gute Arbeit leistet, soll es nun in einer weiteren Spezialisierung zum Wasserortungshund ausgebildet werden – als einer der ersten im Land Brandenburg.

Der angehende Wasserortungshund Otis mit Bootsführer Tino Schrader

Der angehende Wasserortungshund Otis mit Bootsführer Tino Schrader.

Quelle: dpa

„Wir sind das wasserreichste Bundesland. Da gibt es immer wieder auch Vermisste in einem See oder Fluss“, erklärt Fritzemeier die Beweggründe für die Spezialausbildung. Erstes Ziel der Staffel aus 20 ehrenamtlichen Mitgliedern ist die Rettung von Menschen. Wenn es um Vermisste im Wasser geht, kommt jedoch meist jede Hilfe zu spät. „Doch die Angehörigen Ertrunkener wollen Gewissheit haben und sie wollen ihr totes Familienmitglied auch beerdigen können“, erklärt die hauptberufliche Justizangestellte Adam. Sie hat mit Otis vor gut zwei Jahren die schwierige Ausbildung zum Wasserortungshund in Angriff genommen. Der Knackpunkt dabei: Als Flächensuchhund ist er auf den Geruch lebendiger Menschen trainiert. Nun muss Otis den Leichengeruch kennen- und auch unter Wasser riechen lernen. Der Geruch wird aus der Plazenta von Müttern nach der Entbindung gewonnen.

Zunächst hat Adam mit Otis an Land trainiert, den Geruch aus einem Gläschen auf das Spielzeug des Hundes gebracht, den Gegenstand am Ufer oder in einem eingegrabenen Eimer mit Wasser versteckt. Später ging es damit ins flache Wasser und dann weiter in die Tiefe.

„Es braucht für diesen Einsatz erfahrene Hunde- und auch Bootsführer. Denn der Hund kommt ja an die Leiche im tiefen Wasser nicht heran“, macht Fritzemeier deutlich. Der Tod gehöre zur Arbeit der Rettungshundestaffel dazu, sagt sie. „Wir sind immer darauf vorbereitet, Gesuchte nur noch tot zu finden. Aber besser, wir finden sie gezielt, als gänzlich Unbeteiligte eher zufällig“, meint sie. Wasserortungshunde sind beim DRK in der Mark noch Neuland, komplettieren jedoch die Einsatzpalette der Hundestaffel. Hundeführerin Adam soll ihre Erfahrungen später als Ausbilderin weitergeben.

Umso wichtiger sei es, dass die Ausbildung von Otis klappt. Wann der große Landseer prüfungsreif sein wird, lässt sich jedoch nur schwer sagen. Der Hund müsse regelmäßig trainieren, um eine feinere Nase zu bekommen, beschreibt Fritzemeier. „Das wichtigste ist die Nase des Hundes, völlig unabhängig von der Rasse“, sagt Adam und weist auf den braunen Mischlingshund eines Kollegen, der ebenfalls Wasserortung trainiert und dabei schon weiter ist: Wenn er Leichengeruch vom Boot aus wahrnimmt, beginnt er eifrig zu scharren. Dann ist die Sache für den Hundeführer eindeutig.

Otis hingegen muss erst noch das Bellen lassen, weil er dabei schnell seine eigentliche Aufgabe vergisst. „Ich als Hundeführer muss mein Tier bei der Wasserortung sozusagen lesen können und ihm vertrauen“, sagt Adam. Ganz genau lasse sich der Auffindeort eines Ertrunkenen ohnehin nicht ausmachen. „Aber wir können das Terrain für die Rettungstaucher mit Hilfe der Hunde zumindest eingrenzen“, sagt die erfahrene Hundeführerin.

Von Jeanette Bederke

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