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Brandenburg buhlt um polnische Kunden

Wirtschaft Brandenburg buhlt um polnische Kunden

Polnische Arbeitskräfte sind fester Bestandteil der Brandenburger Wirtschaft. Immer stärker geraten die Polen auch als Kunden in den Blick. Unternehmen buhlen um die Konsumenten aus dem Nachbarland, stellen dafür mehrsprachige Mitarbeiter ein oder schalten Werbekampagnen. Zu den Lieblingskäufen der Polen in Deutschland gehört: Bier.

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Sparkassen buhlen mit polnischen Plakaten um neue Kunden.

Quelle: Degener

Potsdam/Poczdam. Als Saisonarbeiter auf dem Feld, als Bedienung im Restaurant oder als Handwerker: Polnische Arbeitskräfte sind fester Bestandteil der Brandenburger Wirtschaft. Doch immer stärker geraten die Polen auch als Kunden in den Blick. Unternehmen buhlen gezielt um die Konsumenten aus dem Nachbarland, stellen dafür mehrsprachige Mitarbeiter ein oder schalten Werbekampagnen.

Im Tourismus sind die Polen schon seit Längerem ein wichtiger Faktor. 2014 zählten die märkischen Hotels und Pensionen 165 000 Übernachtungen, die von Polen gebucht wurden. Die Zahlen haben sich seit 2006 verdreifacht. Unter den 912 000 Übernachtungen ausländischer Gäste haben sie damit die Niederländer mit 127 000 Nächtigungen überholt.

Girokonten für Polen

„Besonders dynamisch haben sich die Gäste- und Übernachtungszahlen aus dem polnischen Markt entwickelt“, sagte Dieter Hütte, Chef der Tourismus-Marketing Brandenburg. „Wir sehen hier weiterhin ein großes Potenzial.“ Die TMB wirbt in Polen auf Messen und Festen und hat eine Facebook-Seite auf polnisch geschaltet.

Ähnlich die Sparkassen. Im Sommer stellte der Ostdeutsche Sparkassenverband polnisch-sprachige Plakate auf. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) hat polnisch-sprachige Mitarbeiter in ihrer Auslandsabteilung und inzwischen eine „vierstellige Zahl“ an polnisch-stämmigen Kunden, die in Deutschland wohnen. Einige Kunden wohnen auch in Polen, führen ihr Konto aber auf deutscher Seite.

Studie enthüllt die Vorlieben der Polen

Vor allem in Grenznähe gibt es gezielte Wirtschaftsinitiativen. In der Niederlausitz begrüßen Geschäfte und Restaurants Kunden in drei Sprachen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus stellte Händlern, Gastronomen und Dienstleistern Willkommensaufkleber auf Deutsch, Polnisch und Englisch zur Verfügung.

Die IHK hat auch das polnische Konsumverhalten untersuchen lassen, um sich besser auf die östlichen Kunden einstimmen zu können. Dazu wurden unter anderem polnische Passanten in der Grenzregion befragt. Ergebnis: Drei Viertel der Befragten waren zum Einkaufen hier – ein großes Potenzial also. Allerdings ist die Kaufkraft selbst bei Polen mit Hochschulabschluss deutlich geringer als in Deutschland.

Geringes Einkommen, aber spendierfreudig

Im Schnitt verdient der polnische Kunde, der in Deutschland einkauft, 3000 Zloty im Monat – also etwa 710 Euro. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen haben dennoch den Eindruck, dass polnische Kunden im Vergleich zur deutschen Kundschaft mehr Geld ausgeben.

Das A 10-Center in Wildau (Dahme-Spreewald) ist seit Jahren bei polnischen Kunden beliebt, die über die gute Autobahnanbindung zum Shoppen kommen. Polnisch-sprachige Mitarbeiter sind in dem Einkaufscenter überall anzutreffen. Da viele Polen in Brandenburg arbeiten, sind sie auch für die Krankenversicherungen interessant geworden.

Die AOK-Nordost wirbt um sie und zählt inzwischen 28 900 polnische Mitglieder. Sie sind damit die zweitgrößte Gruppe ausländischer Versicherter nach den Türken. Mehrere Mitarbeiter sprechen polnisch, es gibt eine eigene Internetseite und Telefonhotline. „Dieses Beratungsangebot kommt bei den polnischen Versicherten sehr gut an“, sagte AOK-Sprecherin Gabriele Rähse.

Darum kaufen die Polen in Brandenburg ein

42,50 Euro geben polnische Tagesgäste bei einer Stippvisite in Brandenburg im Schnitt aus. Das ergab eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Die Polen schätzen nach eigenen Angaben die größere Auswahl und die Qualität der deutschen Produkte.

Die Mehrheit der polnischen Kunden erwerben Lebensmittel, Drogerieartikel oder Kleidung. Und: Das deutsche Bier steht bei den Polen hoch im Kurs. Die Qualität sei einfach besser, berichteten viele Passanten bei der IHK-Umfrage. Einen guten Ruf genießen bei den Polen auch Autowerkstätten und -häuser.

85 Prozent der befragten Einzelhändler und Dienstleister haben polnische Kunden. Gemessen an ihren übrigen Kunden machen Polen zwar nur einen geringen, aber nicht unerheblichen Anteil aus: Er liegt zwischen zehn und 25 Prozent.

Bemerkenswerter Ausreißer bei der Befragung: Bei der Post in Guben sind sogar 80 Prozent der Kunden Polen.

 

Von Torsten Gellner

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