Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Brandenburg: ein Land der Nichtschwimmer?
Brandenburg Brandenburg: ein Land der Nichtschwimmer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:25 08.06.2017
Für immer mehr Kinder wegen fehlender Übung eine gefährliche Angelegenheit: Schwimmen in freier Natur. Quelle: Kellerkind - stock.adobe.com
Anzeige
Potsdam

1413 der Zehn- und Elfjährigen in Brandenburg konnten 2015 nicht oder nicht richtig schwimmen. Das waren nicht weniger als 7,5 Prozent des gesamten Jahrganges. Jedenfalls ergab das die damalige Schuldatenerhebung in der 5. Jahrgangsstufe. Die Zahlen aus dem Bildungsministerium decken sich mit dem jüngsten Alarmruf der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Die DLRG teilte mit, mindestens jeder zweite Grundschüler könne nicht richtig schwimmen. Nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen besitzen laut einer aktuellen Forsa-Umfrage ein Jugendschwimmabzeichen in Bronze. Die Dunkelziffer dürfte höher sein.

Viele halten sich für gute Schwimmer – und ertrinken

„Es reicht nicht, sich über Wasser zu halten. Kinder sollten eine längere Strecke schwimmen können“, mahnt DLRG-Generalsekretär Ludger Schulte-Hülsmann. Die Erfahrung der Rettungsschwimmer, die vergangenes Jahr 1071 Menschen vor dem Ertrinken retten und dabei 39 mal sogar ihre eigenes Leben riskieren mussten, widerlegt in den Augen Schulte-Hülsmann die Selbsteinschätzung vieler Befragten. Knapp die Hälfte hielt sich für einen sehr guten oder guten Schwimmer, weitere 40 Prozent glaubten, zumindest durchschnittlich schwimmen zu können. Nur drei Prozent sagten, sie seien Nichtschwimmer. Die DLRG meint dagegen, dass ein Viertel der Erwachsenen Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer sind. Die Gründe liegen auch in der Kindheit.

Schwimmunterricht wird schwieriger

„Die Grundschulen haben den Auftrag, Schüler im Schwimmen auszubilden“, sagt Schulte-Hülsmann. Aber das umzusetzen, sei schwieriger geworden, weil viele Städte und Gemeinden in den vergangenen Jahren öffentliche Bäder geschlossen hätten. Auf dem Land müssten Schüler zudem oft weit fahren, bis sie am Bad ankämen, betont Schulte-Hülsmann. Kinder müssten nach dem Seepferdchen noch ein Bronze-Abzeichen erwerben, fordert er. Dabei müssen sie innerhalb von 15 Minuten mindestens 200 Meter schwimmen.

Das Bildungsministerium weist trotz hoher Nichtschwimmerzahlen unter den Zehnjährigen die Kritik des DLRG für Brandenburg zurück. „Wir gehen davon aus, dass am Ende der Jahrgangsstufe 6 der Nichtschwimmeranteil nur noch bei zwei bis drei Prozent liegt“, sagt Sprecher Ralph Kotsch. Das sei eine gute Zahl. Es gebe dann nur noch eine Minderheit von Kindern, die grundsätzlich Schwierigkeiten hätte.

Ministerium verweist auf verbindliche Regeln

Ansonsten würden die Vorwürfe des DLRG für Brandenburg nicht zutreffen. „Wir haben genügend Schwimmbäder und auch genügend gut ausgebildete Lehrer“, sagt Kotsch. Von der 3. bis zur 6. Jahrgangsstufe würde das Land 36 Stunden Schwimmunterricht empfehlen, von der 7. bis zur 10. noch einmal 15 Stunden. „Brandenburg ist das einzige Bundesland, das das so verbindlich regelt“, meint Kotsch. Das von der Forsa-Umfrage und der DLRG zugrunde gelegte Kriterium des Bronze-Abzeichens passe nicht zu den hiesigen Umständen. An märkischen Schulen werde aus Kostengründen oft auf den Erwerb des Abzeichens verzichtet. „Die Zahl der Schwimmabzeichen macht keine Aussage darüber, ob jemand schwimmen kann oder nicht.“

DLRG-Sprecher Achim Wiese widerspricht entschieden. „Ich halte das für eine Ausrede“, sagt er. „Wenn Schwimmunterricht erteilt wurde, dann ist das Schwimmabzeichen auch die Disziplin, die erreicht werden muss.“ Dafür spräche nicht nur die gestiegene Zahl der Badeunfälle. Ergänzend zur Umfrage habe man in einem Schwimmbad in Baden-Württemberg auch eine Stichprobe gemacht. Entgegen der Einschätzung der Eltern konnten 80 Prozent der Grundschüler nicht sicher 200 Meter schwimmen.

Die Abzeichen und ihre Anforderungen

Frühschwimmer
(Seepferdchen):

– Sprung vom Beckenrand und 25 Meter Schwimmen
– Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser
– Absolventen 2016 (in Deutschland): 49.343

Bronze (Freischwimmer):

– Sprung vom Beckenrand und mindestens 200 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten
– einmal etwa 2 Meter Tieftauchen mit Heraufholen eines Gegenstandes
– Sprung aus 1 Meter Höhe oder Startsprung
– Kenntnis der Baderegeln
– Absolventen 2016: 38.377

Silber
(früher Fahrtenschwimmer):

– Startsprung und mindestens 400 Meter Schwimmen in höchstens 25 Minuten, davon 300 Meter in Bauch- und 100 m in Rückenlage
– zweimal etwa 2 Meter Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen je eines Gegenstandes
– 10 Meter Streckentauchen
– Sprung aus 3 Metern Höhe
– Kenntnis der Baderegeln und der Selbstrettung
– Absolventen 2016: 25.854

Gold
(früher Jugendschwimmschein):

– Mindestalter 9 Jahre
– 600 Meter Schwimmen in höchstens 24 Minuten
– 50 Meter Brustschwimmen in höchstens 1:10 Minuten
– 25 Meter Kraulschwimmen
– 50 Meter Rückenschwimmen mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit oder 50 Meter Rückenkraulschwimmen
– 15 Meter Streckentauchen
-Tieftauchen von der Wasseroberfläche mit Heraufholen von drei Tauchringen aus einer Wassertiefe von etwa 2 Metern innerhalb von 3 Minuten in höchstens 3 Tauchversuchen
– Sprung aus 3 Metern Höhe
– 50 Meter Transportschwimmen: Schieben oder Ziehen
– Kenntnis der Baderegeln
– Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen (Selbst- und einfache Fremdrettung)
– Absolventen 2016: 15.477

Von Rüdiger Braun

Bernd Ihlefeldt ist unheilbar an Krebs erkrankt, hat aber einen letzten Wunsch: Er will mit seiner Frau noch einmal enge Freunde im Frankenwald besuchen. Möglich macht diese Tour das Ehrenamtsprojekt „Wünschewagen“ aus Brandenburg. Ein TV-Team hat die emotionale Fahrt des todkranken Brandenburgers begleitet.

07.06.2017

Unscharf, verwackelt – und trotzdem geliebt: Private Schmalfilme aus DDR-Zeiten zeigen das Leben im real existierenden Sozialismus ohne Filter. In Potsdam sichten Historiker tausende 8-mm-Streifen für das Projekt „Open Memory Box“. Sie sollen als zeitgeschichtliche Sammlung ins Internet gestellt werden.

12.06.2017
Brandenburg 327 Opfer an innerdeutscher Grenze - Erschossen, ertrunken, zerfetzt

Mit Mauern, Stacheldraht und Schießbefehl wollte das SED-Regime die Flucht von DDR-Bürgern in den Westen verhindern. Eine umfassende Studie beleuchtet das Schicksal von 327 Opfern der innerdeutschen Grenze.

07.06.2017
Anzeige