Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Brandenburg entsorgt Berlins gefährliche Abfälle
Brandenburg Brandenburg entsorgt Berlins gefährliche Abfälle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 26.08.2015
Millionen Abfälle werden in Brandenburg entsorgt oder bearbeitet. Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

Fast 60 Prozent der in Brandenburg entsorgten oder behandelten gefährlichen Abfälle kommen aus anderen Bundesländer oder Staaten. Laut dem Landesumweltministerium wurden im Jahr 2013 insgesamt gut 1,1 Millionen Tonnen gefährlicher Abfälle entsorgt oder behandelt. 649 000 Tonnen davon waren importiert worden. Die überwiegende Menge – 353 000 Tonnen und damit mehr als die Hälfte aller eingeführten gefährlichen Abfälle – kam aus Berlin. 222 000 Tonnen kamen aus anderen Bundesländern, vor allem aus Sachen-Anhalt. Immerhin 74 000 Tonnen wurden sogar aus anderen Staaten zur Entsorgung oder zum Recyceln in die Mark gebracht. Insgesamt mussten die öffentlichen Entsorger in Brandenburg gut eine Milliarde Tonnen Abfall bewältigen – Siedlungsabfälle, Wertstoffe, Abbruchabfälle und vieles andere mehr.

Böden häufig mit Chemikalien verseucht

Als gefährlich gelten alle Abfälle, die zu einem Schadstoffmobil oder einer kommunalen Schadstoffsammelstelle gebracht werden müssen. Das Umweltministerium nennt Altöle, Säuren und Laugen, aber auch alte Lacke und Farben sowie Pflanzenschutzmittel als Beispiele. „Eine große Gruppe gefährlicher Abfälle fallen bei der Altlastsanierung an“, teilt Sprecher Jens-Uwe Schade mit. Oft seien die Böden mit Chemikalien verseucht, in Bauschutt könnten sich gefährliche Holzschutzmittel befinden und in vielen Dachresten ist immer noch krebserregendes Asbest versteckt. Asbeststäube, die aus Gebäudesanierungen anfallen, zählt das Ministerium zu den gefährlichsten Abfallstoffen. Daneben gelten auch krebserregende organische Stoffe als sehr gefährlich.

Die Menge importierten Abfalls ist in den vergangenen Jahren sogar tendenziell gestiegen. 2009 hatte Brandenburg insgesamt nur 625 000 Tonnen Abfall importiert. Allerdings kam der meiste gefährliche Abfall schon im Jahr 2012 ins Land. Damals landeten 773 000 Tonnen gefährlicher Abfall in Brandenburgs Entsorgungsanlagen und Deponien. Bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle liegt Brandenburg bundesweit an achter Stelle. Damit ist das Land mit seinen 700 Anlagen und rund 68 Deponien eigentlich ein abfallarmes Land. Das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen musste zum Beispiel 2012 gut sechs Milliarden Tonnen gefährliche Abfälle entsorgen. Auch in Sachsen Anhalt und in Sachsen fielen mehr gefährliche Abfälle als in Brandenburg an, nämlich 1,7 Milliarden und 1,3 Milliarden Tonnen.

Brandenburg exportiert ebenfalls hochgefährliches Material

Carsten Preuß, Experte für Abfallwirtschaft beim BUND Brandenburg, findet den Import von Abfällen aus anderen Ländern nicht grundsätzlich verwerflich, zumal Brandenburg umgekehrt hochgefährliche Filterasche aus seinen Kraftwerken exportiere. „Es ist grundsätzlich akzeptabel, wenn alles sachgemäß verläuft“, sagt Preuß. Die Importe müssten richtig deklariert und die Entsorgungsanlagen zugelassen sein.

Der umweltpolitische Sprecher der oppositionellen Grünen, Benjamin Raschke, meint: „Uns geht es nicht so sehr um die Menge, als vielmehr darum, welche Stoffe es sind.“ Die Grünen prüften derzeit Hinweise, wonach in ehemaligen Tagebauen illegale Abfällen gelagert würden. Nach den Parlamentsferien wollen die Grünen die Regierung mit einer Anfrage zur Abfallwirtschaft konfrontieren.

Landesregierung nicht zufrieden mit der Situation

Die gefährlichsten Substanzen, die zum Beispiel von der Firma Remondis am Standort Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) entgegengenommen werden, sind Laborchemikalien. Sie werden dort allerdings nur verpackt und andernorts entsorgt. Durchschnittlich hat es die Firma dort mit 50 000 Tonnen gefährlichen Abfällen zu tun. Immerhin acht Prozent davon kommen aus Berlin. „In der langfristigen Betrachtung“ erkenne man „eine leicht steigende Entwicklung“, sagt Sprecherin Pia Rohlmann.

Allerdings ist selbst die Landesregierung mit der Situation nicht zufrieden, zumal die Entsorgung fremder Abfälle laut der Landesverfassung „nur in Ausnahmefällen“ zulässig sein soll. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreibt vor, Abfälle möglichst zu vermeiden. „Aus der Sicht des Ministeriums werden die vorhandenen Vermeidungs- und Verwertungsmöglichkeiten noch nicht vollständig realisiert“, räumt der Sprecher des Umweltministeriums, Schade, ein. Die öffentliche Hand könne die Abfallmenge zum Beispiel durch eine größere Nachfrage für Recyclingbaustoffe vermindern.

Was mit Abfällen geschieht

Die Stadtentsorgung Potsdam entsorgt aus privaten Haushalten kostenlos Altfarben, nicht ausgehärtete Lacke, Altöl, Auto- und Haushaltsbatterien, Medikamente, Düngemittelreste, Energiesparlampen, Fotochemikalien, Haushaltschemikalien, Holzschutzmittel, Insektenschutzmittel, Klebstoffreste, Lösemittelreste, Leuchtstoffröhren, Pflanzenschutzmittel und Thermometer als gefährliche Abfälle.

Ein Teil der gefährlichen Abfälle wird entweder verbrannt oder auf Deponien gelagert. Altholz mit gefährlichen Stoffen, Quecksilber, Spraydosen, Ölfilter, mit Säure gefüllte Bleiakkumulatoren, Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen und Batterien werden von speziellen Entsorgungsanlagen verwertet.

Von Rüdiger Braun

In der Anschaffung billig, in der Wirkung kräftig: Die Designerdroge Crystal Meth ist besonders im Süden Brandenburgs auf dem Vormarsch. Polizei und Suchtberatung schließen nicht aus, dass auch der Norden des Landes betroffen sein könnte. Die Nachfrage in den Beratungsstellen steigt schon jetzt. Bis die Fälle dort bekannt werden, können aber Jahre vergehen.

23.08.2015
Kultur Künstlerporträt Mathias Melchert - Potsdamer Künstler mit Nachwuchspreis geehrt

Der Potsdamer Künstler Mathias Melchert ist überzeugt, dass sich alle Lebensereignisse künstlerisch aufarbeiten lassen, ein Leben ohne die Kunst kann sich der 39-Jährige schon lange nicht mehr vorstellen. Im Juli wurde er mit dem Nachwuchsförderpreises für Bildende Kunst vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur geehrt.

23.08.2015

„Spargelstadt“, „Pferdestadt“ oder „Fliederstadt“: Zusatznamen sind in Brandenburg wenig beliebt. 2013 hatte das Land noch die Kommunalverfassung für die Namenserweiterung geändert. Doch jetzt traut sich niemand so recht ran. Seither sind nur 20 Gemeinden den Schritt gegangen und haben jetzt einen kurzen Titel.

23.08.2015
Anzeige