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Brandenburg fährt bei E-Autos hinterher

Nur 426 zugelassene Fahrzeuge Brandenburg fährt bei E-Autos hinterher

Die Kaufprämie kommt, aber ob sie den Elektroautos zum Durchbruch verhilft, ist offen. Brandenburg hätte das bitter nötig. Gerade einmal 426 E-Mobile surren derzeit über märkische Straßen, und die öffentliche Ladeinfrastruktur ist löchrig. Experten fordern: Vor allem Kommunen und Unternehmen sollen jetzt die Elektromobilität voranbringen.

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Elektromobiles Entwicklungsland: Neben E-Autos fehlt es auch an der Ladeinfrastruktur.

Quelle: dpa

Potsdam. Barabara Hendricks (SPD) hat sich schon mal festgelegt. „Das wird unser Leben ändern“, sagt die Bundesumweltministerin – und schwärmt von der Elektromobilität und deren vielfältigster Anwendungsgebiete. Jetzt muss sie nur noch in Gang kommen. Ob die sogenannte Umweltprämie hilft, mit der die schwarz-rote Bundesregierung die vergleichsweise teure und ineffiziente Technik in den Verbrauchermarkt drücken will, ist umstritten – zumal hierzulande.

Brandenburg ist elektromobiles Entwicklungsland. Überschaubare 426 E-Autos registrierte das Kraftfahrtbundesamt zu Jahresbeginn, bei insgesamt 1,37 Millionen Pkw. Macht eine kaum noch messbare Quote von 0,03 Prozent. Wenigstens sieht’s im Rest der Republik kaum besser aus, auf 45 Millionen Autos kommen 25.502 mit Elektroantrieb (0,06 Prozent). Als märkische Zukunftsorte tun sich mit Potsdam und Cottbus die größten Städte des Landes hervor. Durch die Landeshauptstadt surren 57 Stromer, doppelt so viele wie im Vorjahr, und in Cottbus sind neben 21 privaten auch 45 E-Autos der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) und weitere unterwegs, weitere zwei Fahrzeuge halten die örtlichen Stadtwerke für ihre Mitarbeiter vor.

Experten sehen genau darin einen Motor für die schadstoffreie Antriebstechnik: Der öffentliche Sektor und auch Unternehmen der freien Wirtschaft müssten ihre Fahrzeugflotten elektrifizieren , um mit gutem Beispiel voranzugehen. So lautet eine der Handlungsempfehlungen des Instituts für Betriebliche Bildungsforschung (IBBF), die kürzlich im Rahmen des Zukunftsforums „E-mobiles Brandenburg – erneuerbar elektrisch“ eine Studie vorgelegt hat. Auf der Veranstaltung vergangene Woche in der Landesvertretung in Berlin war zu spüren, dass Politik, Wirtschaft und Wissenschaft noch auf der Suche nach dem besten Weg in eine elektromobile Zukunft sind. Handlungsempfehlungen wie Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit und die Einrichtung eines landeseigenen Kompetenzzentrum für E-Mobilität scheinen doch eher in der Theorie steckenzubleiben.

Dabei gibt es sie längst, die praktischen Vorreiter. Paketdienste, Abfallentsorger und Flughäfen etwa setzen längst auf E-Fahrzeuge, auch in Brandenburg. Die kommunale Verkehrsgesellschaft Cottbusverkehr hat bereits E-Busse erprobt, Anfang Juni beginnt ein weiterer Testlauf. Die Politik müsste das stärker fördern und die Kommunen finanziell besser ausstatten, meint Anita Tack. Die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Landtag hält die Kaufprämie für einen Fehler. Das Modell setze keine zukunftsfähigen Anreize und nehme die Automobilindustrie zu wenig in die Pflicht. „Solange gute Geschäfte mit teuren SUVs gemacht werden, haben Konzerne keine Lust, ins Risiko zu gehen und Verantwortung für den Klimaschutz zu übernehmen“, sagt Tack.

Die Potsdamer Industrie- und Handelskammer (IHK), die seit einem Jahr auch elektrisch unterwegs ist, hält verteidigt dagegen die Kaufanreize. „Wir haben auch in anderen Bereichen gesehen, dass Förderungen als Türöffner bei der Durchsetzung neuer Technologien wirken können“, sagt Torsten Stehr, der für Innovation und Umwelt zuständig ist. „Will Deutschland seine energiepolitischen Ziele erreichen, wird es Zeit, die Energiewende auf die Straße zu bringen.“ Und dafür reicht es nicht allein, die Anschaffung von Autos zu fördern, heißt es bei der IHK, die es begrüßt, dass der Bund zusätzliches Geld für den Ausbau der Ladeinfrastruktur bereitstellen will.

Wie das konkret aussehen soll, ist laut Brandenburger Wirtschaftsministerium noch offen. Aber der Bedarf ist groß. Schließlich belegt Brandenburg laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bei der Anzahl öffentlicher Ladepunkte gemessen an der Bevölkerungszahl im Ländervergleich den vorletzten Platz.

Kaufen und laden


1,2 Milliarden Euro stehen bis Ende Juni 2019 als Fördersumme zur Anschaffung von reinen E-Autos (4000 Euro pro Wagen) und Hybridfahrzeugen (3000 Euro) bereit – finanziert je zur Hälfte vom Bund und der Autoindustrie. Förderfähig sind Autos mit einem Listenpreis von bis zu 60 000 Euro in der Basisversion. Als Referenz gelten die Netto-Listenpreise vom 31. Dezember 2015.

Die Abwicklung soll schnell, voll elektronisch und sicher erfolgen, wie der Präsident des zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa), Arnold Wallraff, verspricht. Anträge werden über eine Webseite gestellt, notwendige Dokumente (Kaufvertrag, Fahrzeugschein, Fahrzeugbrief) können als Kopie hochgeladen werden. Derzeit können noch keine Anträge bearbeitet werden. Wann das Portal startet, ist noch unklar. Die Autos müssen nach dem 18. Mai gekauft worden sind.

300 Millionen Euro sollen zusätzlich in ein Programm für einen Ausbau der Ladeinfrastruktur fließen. Davon entfallen 200 Millionen Euro auf Schnell- und 100 Millionen Euro auf Normalladepunkte.

49 öffentliche Ladepunkte zählt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Brandenburg - weniger als etwa in Sachsen-Anhalt (69), Mecklenburg-Vorpommern (71) und Berlin (433).

Von Bastian Pauly

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