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Brandenburg Brandenburg stehen „fontastische Zeiten“ bevor
Brandenburg Brandenburg stehen „fontastische Zeiten“ bevor
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02:15 03.02.2018
Alles Fontane? Der Fontane-Döner in Neuruppin. Quelle: Luise Fröhlich
Berlin

„Die Welt wird fontanisiert.“ „Das wird absolut fontastisch!“ Mit solchen Formulierungen stimmten am Donnerstag Brandenburgs Kultur- und Marketingexperten auf das Fontane-Jahr 2019 ein. 14 Monate vor dem Start der „Gesamtkampagne“ am 30. März 2019 schaltete die Kultur-Staatssekretärin Ulrike Gutheil in der Berliner Landesvertretung eine Webseite frei. Auf ihr werden schon erste Ausstellungen, Workshops, Lesungen und Vorführungen angekündigt, die sich dann über neun Monate bis zum 200. Geburtstag des Schriftstellers am 30. Dezember 2019 hinziehen.

Das Land Berlin wird stattdessen 100 Jahre Bauhaus feiern. „Für Brandenburg ist das die große Chance, in die Vollen zu gehen“, meinte Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte. Nachdem 1998 – im 100. Jahr nach Fontanes Tod – vor allem dessen Berlin-Romane gewürdigt wurden, soll dieses Mal der unermüdliche Journalist, Brandenburg-Entdecker und Erfinder der historischen Kulturlandschaft in den Vordergrund rücken.

Deutsche Literatur gerät ins Hintertreffen

Peer Trilcke, Leiter des Fontane-Archivs, weiß als Professor der Potsdamer Universität, dass sich Studenten heute besser mit amerikanischen Fernsehserien auskennen als mit deutscher Literatur. So gesehen ist das Fontane-Jahr sicher auch der Versuch, verlorenen Boden zurückzugewinnen. „Da die Angebote oft zielgruppenspezifisch zugeschnitten werden, habe ich nicht die Befürchtung, dass die Kampagne ins Leere läuft oder für Überdruss sorgt“, sagte Trilcke. Es werde ein plurales und differenziertes Fontane-Bild entstehen.

Er selbst wird die germanistische Fachwelt Mitte Juni 2019 zu einem wissenschaftlichen Kongress nach Potsdam einladen. Die Vorträge widmen sich hier dem prekär lebenden „Medienarbeiter“ Fontane, der darauf angewiesen war, seine Stoffe, Themen und Texte mehrfach zu verwerten, um zu überleben. Digitale Technik ermöglicht heute einen neuartigen Abgleich von journalistischen Beiträgen, Notizbüchern, Briefen, Gedichten und Romanen. Fontane-Datensätzen lassen sich logarithmisch aufbereiten.

Auch die „Leitausstellung“ im Museum Neuruppin, das 2015 mit sieben Millionen Euro runderneuert wurde, soll ganz neue Seiten aufschlagen. Hier ist es nicht die Zielstellung, Leben und Werk konventionell nachzuerzählen. Für Modernität und eine effektvolle Präsentation steht allein schon der Name der Kuratorin: Heike Gfrereis wurde vom Literaturarchiv Marbach gewonnen.

Fontane als Computerspiel

Fontane habe „alle modernen Kommunikationsmittel seiner Zeit genutzt“, auch wenn er „noch im prädigitalen Zeitalter wirkte“. Mit solchen Worten wird für das Jugendprojekt „Word & Play!“ geworben. In zwei zehntägigen Workshops sollen je 50 Jugendliche ein Game (Computerspiel) entwickeln, das irgendwie etwas mit Fontane zu tun hat. Heute würde Fontane bloggen oder twittern, so die These, auch wenn sich seine Romane nicht in 140 Zeichen pressen ließen.

Fontane ist nicht nur seiner Zeit verhaftet“, beteuerte Christiane Barz, die das Großprojekt „fontane.200“ inhaltlich verantwortet. Themen wie Ehebruch, Selbstmord oder Mord bezeichnete sie als „anthropologische Konstante“. Auch der Wortschöpfer Fontane, der gern Anglizismen verwendet hat, könne heute noch faszinieren. In seiner„etwas bräsigen Art“ sei er „ein grundsympathischer Autor, der sich selbst nie als arrivierter Großschriftsteller wahrgenommen hat“. Seine Schattenseiten, sein Antisemitismus und auch seinen politischen Opportunismus, umschrieb sie mit dem Satz: „Er eignet sich nicht zur Heroisierung“. Barz wird im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam den Wanderer durch die Mark Brandenburg vorstellen. In der Schau werden sicher Kirchenbücher zu sehen sein und Fotos von Landpastoren, die Fontane unterwegs gern konsultiert hat.

Marx statt Fontane

Die Brandenburg-Karte auf der Internet-Seite zeigt zwar schon einige Fähnchen, etwa in Ketzin, Falkensee und Brandenburg an der Havel, doch das Gros der Veranstaltungen steht noch gar nicht fest. Dafür konnte Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde am Donnerstag bereits von 18 Projekten berichten, die am Dienstag vom Kulturausschuss der Stadt beschlossen wurden.

Doch wie wird Golde den Touristen erklären, die hoffentlich zahlreich nach Neuruppin pilgern, warum die Hauptstraße nicht nach dem großen Sohn der Stadt benannt ist, sondern nach Karl Marx, der nie in Neuruppin war? „Das ist ein weites Feld“, antwortet der Vertreter der Wählergemeinschaft „Pro Ruppin“. Es gebe eine kleine Fontanestraße. „Da dort früher die Stasi residiert hat, besitzt sie immer noch einen dunklen Klang“, so Golde. Vor seinem Antritt als Bürgermeister 2005 sei eine Umbenennung diskutiert worden. Damals war in Neuruppin die Begeisterung für Marx offenbar noch größer als für Fontane.

» Mehr Informationen unter https://fontane-200.de

Von Karim Saab

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