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Brandenburg geht gegen „Landfraß“ vor

Neuer Regierungserlass Brandenburg geht gegen „Landfraß“ vor

Jedes Bauvorhaben, das die Natur beeinträchtigt, muss laut Gesetz an anderer Stelle ausgeglichen werden. Bauern sehen sich als doppelt geschädigt. Eine Neuregelung soll Abhilfe schaffen.

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Nabu-Landeschef Friedhalm Schmitz-Jersch

Quelle: foto: MAZ

Potsdam. Ein Waldrand für ein Industriegebiet, eine Streuobstwiese für eine Photovoltaikanlage: Wo der Mensch betoniert, baut und versiegelt, muss auch etwas an die Natur zurückgegeben werden. Von „Verschlechterungsverbot“ sprechen Juristen; „Landfraß“ klagen Bauern seit Jahren, denn für jedes Bauvorhaben ginge für sie gleich die doppelte Fläche an Agrarboden verloren.

Das will die Brandenburger Landesregierung nun ausbremsen. Zu diesem Zweck tritt am 1. Juni eine Neuregelung der Kompensationsmaßnahmen nach dem Bundesnaturschutzgesetz in Kraft, wie das Agrar- und Umweltministerium in Potsdam mitteilte. Der Ausgleich von Baumaßnahmen solle „zukünftig weniger zulasten landwirtschaftlich genutzter Flächen gehen“, hieß es. Stattdessen sollen die Agrarbetriebe bevorzugt selber zum Naturschutz beitragen. Dabei können die Landwirte etwa auf ökologischen Anbau umstellen oder Weideflächen und Streuobstwiesen anlegen.

Der Erlass sei „ein Schritt in die richtige Richtung, um absoluten Flächenfraß zu dezimieren und trotzdem einen Effekt für den Naturschutz zu haben“, sagte ein Referent des Umweltministeriums. Die Flächen bleiben förderfähig; dadurch, so die Hoffnung, wären Landwirte künftig auch eher gewillt, die im Zuge von Bauvorhaben dringend benötigten Flächen zur Verfügung zu stellen.

Der Brandenburger Vorsitzende des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), Friedhelm Schmitz-Jersch, kritisierte, im Agrar- und Umweltministerium dominiere die landwirtschaftliche Sicht. Die Neuregelung könnte zukünftig weniger profitabler Naturschutzmaßnahmen wie Waldrandbau und Gewässergestaltung verdrängen, so die Befürchtung. Im Ministerium hieß es dagegen, der sogenannte funktionale Zusammenhang bleibe weiterhin bestehen – wo ein Lebensraum verdrängt würde, müsse auch weiterhin ein entsprechender Ausgleich geschaffen werden.

Brandenburger Bauern begrüßten die Neuerungen. Die Getreideerträge beim Bio-Anbau betrügen zwar nur ein Drittel des Ertrags bei konventionellem Anbau, immerhin blieben dann aber wenigstens die Anbauflächen erhalten, sagte Holger Brantsch vom Landesbauernverband. „Wir hoffen, dass sich dadurch die Parteien wieder näher rücken und sowohl die Gräben zwischen den Parteien als auch der Flächenverbrauch geringer werden.“

„Landfraß“ vernichtet täglich sieben Fußballfelder Agrarland

„Landfraß“ bezeichnet den Verlust landwirtschaftlicher Flächen, sei es direkt durch Baumaßnahmen oder indirekt durch baubedingte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

56.000 Quadratmeter gehen auf diese Weise pro Tag verloren – das entspricht sieben Fußballfeldern, wie der Landesbauernverband vorrechnet.

Von Christina Peters

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