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Brandenburg hat 1400 neue Lehrer

Weitere Seiteneinsteiger zur Unterstützung Brandenburg hat 1400 neue Lehrer

Mit Neueinstellung und der Entfristung vorhandener Stellen will Bildungsminister Günter Baaske (SPD) einem alten Problem Brandenburgs Herr werden: dem Unterrichtsausfall. Dabei sollen die Lehrer auch von Seiteneinsteigern unterstützt werden. Dass damit auch nicht klassisch ausgebildete Kandidaten unterrichten dürfen, finden nicht alle gut.

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Quelle: dpa

Potsdam. Mit 1400 neuen oder jetzt entfristet beschäftigten Lehrerinnen und Lehrern beginnt am Montag in Brandenburg das Schuljahr 2016/17. Den damit insgesamt 19 300 Lehrern öffentlicher Schulen stehen etwa 251 000 Schülerinnen und Schüler gegenüber. Das sind mehr als im vorigen Schuljahr. Eingeschult werden etwa 22 000 Mädchen und Jungen. Trotz des Nachschubs an frischen Lehrkräften bleiben Bildungsminister Günter Baaske (SPD) zwei Probleme: die Integration von rund 6000 geflüchteten Kindern ins märkische Schulsystem und das brandenburgische Dauerthema Unterrichtsausfall.

Brandenburgs begehrteste Schulen

Beim Übergang
in die 7. Klasse können Eltern und Schüler eine weiterführende Schule wählen – aber aus Platzgründen geht nicht jeder Wunsch in Erfüllung.

22 Landeschulen verzeichneten zum Schuljahr 2016/17 mehr Erstwünsche, als sie tatsächlich aufnehmen können – es folgt die vollständige Liste.

Schulamt Brandenburg/Havel: Gesamtschule „Peter Joseph Lenné“ Potsdam (Erstwünsche: 166/davon aufgenommen: 96), Humboldt-Gymnasium Potsdam (155/82), Voltaireschule Potsdam (150/80), Oberschule Brandenburg an der Havel (149/Aufnahme unbekannt, Kapazität: 102), Maxim-Gorki-Gesamtschule Kleinmachnow (144/94), Vicco-von-Bülow-Gymnasium Stahnsdorf (137/109), Kopernikus-Gymnasium Blankenfelde-Mahlow (134/117), Hermann-von-Helmholtz-Gymnasium Potsdam (107/77), Bertha-von-Suttner-Gymnasium Potsdam (101/66).

Schulamt Neuruppin: Gesamtschule „Immanuel Kant“ Falkensee (262/146), Gesamtschule „Bruno H. Bürgel“ Rathenow (154/105), Lise-Meitner-Gymnasium Falkensee (147/110), Gymnasium „Friedlieb Ferdinand Runge“ (116/84), Jean-Clermont-Oberschule Sachsenhausen Oranienburg (97/55), Regine-HIldebrandt-Gesamtschule Birkenwerder (Erstwünsche unbekannt/114).

Schulamt Cottbus: Friedrich-Schiller-Gymnasium Königs Wusterhausen (121/Aufnahme unbekannt, Kapazität: 84), Musikbetonte Gesamtschule Paul Dessau (133/101), Theodor-Fontane-Gesamtschule (158/96).

Schulamt Frankfurt (Oder): Einstein-Gymnasium Neuenhagen (165/133), Carl-Bechstein-Gymnasium Erkner (123/113), Rouanet-Gymnasium Beeskow (113/110), Oberschule „Philipp Hckert“ Prenzlau (108/55).

Für die Beschulung geflüchteter Kinder hat das Land eigens neue Stellen für Deutsch als Zweitsprache geschaffen. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren 600 Lehrer für Deutsch als Fremdsprache weitergebildet werden. Zur Einschulung der Flüchtlingskinder in Brandenburg sagte Baaske: „Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass wir Verzögerungen nicht hinnehmen.“ Sobald die Geflüchteten in bestimmten Landkreisen angekommen seien, müssten sie auch in den Unterricht einbezogen werden. „Es ist nicht leicht“, räumte Baaske ein. Zusätzliche Kollegen seien schwer zu finden, oft müssten die Schüler auch weitere Fahrtwege in Kauf nehmen.

„Ein Großteil der Flüchtlingskinder wird bei uns Fuß fassen“

Genauere Erfahrungen über das Gelingen der Integration gebe es bislang noch nicht, räumt der Minister ein. Er konnte aber von einem Schulbesuch berichten, wo er den Unterricht mit den geflüchteten Kindern als engagiert und freudig erlebt habe. „Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Flüchtlingskinder bei uns Fuß fassen und auch Arbeit bekommen wird“, so der Minister.

Ein Dauerthema bleibt auch im kommenden Schuljahr der Unterrichtsausfall. Baaske weiß von drei Lehrer-Krankmeldungen Anfang der Woche im Landkreis Märkisch-Oderland, zwei davon sind unbefristet. „Es ist klar, dass die Schulleiter da Kopf stehen.“ Vor Ort sei die Situation sehr schwierig, man sei dabei, Nachbarschulen zu kontaktieren. Insgesamt habe der Krankenstand der Lehrer eine Dimension erreicht, „die uns Sorge bereitet“. Rwesentlich gesunken.

1,9 Prozent der Unterrichtsstunden ausgefallen

Im ersten Halbjahr 2015/16 waren wegen fehlender Lehrer 1,9 Prozent der Unterrichtsstunden ausgefallen. Immerhin hatte es zum Ende des vergangenen Schuljahres keine Zeugnisse ohne Noten mehr gegeben. Im Januar 2015 waren noch an 31 märkischen Schulen Schüler in einigen Fächern ohne Zensuren in die Winterferien gegangen.

Die Landesregierung versucht den von Gewerkschaften und Elternverbänden immer wieder kritisierten Unterrichtsausfall auch mit der Einstellung sogenannter Seiteneinsteiger in Lehrerjobs zu minimieren. 225 Seiteneinsteiger werden im kommenden Schuljahr befristet beschäftigt. Ungefähr die Hälfte hat eine Hochschulausbildung. Nach einem Referendariat hätten die Seiteneinsteiger eine Lehrbefähigung. Baaske räumte ein, dass der Versuch mit den Seiteneinsteigern eine „Bewährungsprobe“ für das Land sei.

Seiteneinsteiger mit abgebrochenem Lehramtsstudium

Unter den Seiteneinsteigern befinden sich auch junge Leute, die ein Lehramtsstudium abgebrochen haben. Kritische Nachfragen, welchen Sinn ein Lehramtsstudium noch habe, wenn Studienabbrecher nachträglich doch noch Lehrer würden, konterte Baaske mit dem Hinweis, dass Quereinsteiger mit abgebrochenem Studium nicht die gleichen beruflichen Sicherheiten erwarten könnten wie ausgebildete Lehrer.

Der Bildungsexperte der oppositionellen CDU im Landtag, Gordon Hoffman, kritisiert die Seiteneinsteiger-Methode allerdings grundsätzlich als „unzureichende Personalplanung“ des Landes. Das Schulsystem brauche „viele gut ausgebildete Pädagogen“, um Herausforderungen wie inklusiven Unterricht oder die Integration von Flüchtlingen zu bewältigen.

Bildungsminister Baaske erklärte, dass das Land bei der Rekrutierung junger Lehrer in einem harten Konkurrenzkampf stehe. Insgesamt gab es mit Stand von gestern noch 81 offene Lehrerstellen für das kommende Schuljahr, 50 allein im Schulbezirk Frankfurt (Oder). Schulen in berlinfernen Regionen hätten es grundsätzlich schwer mit dem Personal. Hinzu komme in der Oderregion die Konkurrenz mit Mecklenburg-Vorpommern. Der nördliche Nachbar bezahlt besser. „Junge Lehrer orientieren sich dorthin“, räumte Baaske ein.

Von Rüdiger Braun

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