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Brandenburg hat in Sachen Bildung nichts zu melden

Bildungsmonitor: Bundesländer im Vergleich Brandenburg hat in Sachen Bildung nichts zu melden

Geringe Chancengleichheit, eine Schwäche bei naturwissenschaftlich-technischen Fächern und zu wenig Geld für Forschung: Brandenburgs Bildungssystem fällt beim „Bildungsmonitor“ der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit aller Regelmäßigkeit durch. Dabei ist die Aussagekraft der alljährlichen Befunde höchst umstritten.

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Der „Bildungsmonitor 2015“ verteilt Brandenburgs Bildungssystem schlechte Noten.

Quelle: dpa

Berlin. Der Satz steht nicht im Redemanuskript, aber er erklärt ganz gut, worum es geht: „Wir als Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sind Fans des Wettbewerbs“, sagt Hubertus Pellengahr, der Geschäftsführer der arbeitgebernahen und potenten Denkfabrik, kurz INSM.

Am Donnerstag haben INSM und IW in Berlin den „Bildungsmonitor 2015“ vorgestellt. Brandenburg ist im Ländervergleich vom dritt- auf den vorletzten Rang abgerutscht, mit 43,2 von 100 möglichen Punkten. Ein schlechteres Zeugnis muss lediglich Berlin (41,6) einstecken. Am anderen Ende thronen wie gehabt die traditionellen Spitzenreiter Sachsen (69,6), Thüringen (63,8) und Bayern (60,9).

Bildungsmonitor: Umfangreich und umstritten

Einmal im Jahr gibt die Initiative beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die Studie „Bildungsmonitor“ in Auftrag, eine ebenso umfangreiche wie umstrittene vergleichende Analyse der Bildungssysteme in den Bundesländern – in der Brandenburg mit aller Regelmäßigkeit am unteren Ende der Rangliste zu suchen ist.

Für die Studie werden die Bildungssysteme der Bundesländer anhand von zwölf Handlungsfeldern und 93 Indikatoren untersucht, etwa zum Zustand der Infrastruktur, zu den Aufstiegschancen in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft und zu der Frage, wie gut die Absolventen auf das Arbeitsleben vorbereitet werden. Pellengahr, der erklärte Fan des Wettbewerbs, gibt als Ziel des „Bildungsmonitors“ aus, die Konkurrenz „der Bundesländer um die beste Bildungspolitik transparent zu machen“.

Bildungserfolg hängt in Brandenburg stark von sozialer Herkunft ab

Brandenburg attestiert die zwölfte Auflage der Studie einmal mehr großen Nachholebedarf. Es ist ausgerechnet das rot-rot regierte Land, das in der Kategorie„Integration“ auf dem 16. und letzten Platz abschneidet: Nirgendwo sonst ist demnach etwa der Bildungserfolg in Mathematik derart stark durch die soziale Herkunft definiert. Ausländische Schüler haben es beispielsweise besonders schwer, ein Fachabitur abzulegen, und auch beim klassischen Abitur sind Schüler mit Migrationshintergrund „leicht unterdurchschnittlich“ vertreten.

Kaum besser sieht es in den Kategorien „Forschungsorientierung“ und „Hochschule und MINT“, den technisch-naturwissenschaftlichen Fächern, aus – Brandenburg schneidet da nur auf Platz 15 ab, unter anderem wegen einer geringen Habiliations- und Promotionsquote, niedrigen Forschungsausgaben und zu wenigen Absolventen dualer Studiengänge und der Ingenieurswissenschaften. Grünen-Bildungspolitikerin Marie Luise von Halem erkennt darin „eine Quittung für eine verfehlte Hochschulpolitik“.

Lehrergewerkschaft will Studie nicht überbewerten

Die Detailfülle der Fakten und der klare Fokus der Studie weckt jedoch viel Misstrauen. So warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) davor, die Ergebnisse überzubewerten. Die Untersuchung halte wissenschaftlichen Standards nicht stand und ihr Erkenntnisgewinn sei gering. Landesbildungsminister Günter Baaske (SPD) widerspricht dem Vorwurf eines undurchlässigen Bildungssystem mit dem Gegenargument, dass Jugendliche aus sozial schwächeren Familien mit 100 Euro monatlich unterstützt würden. Sein Sprecher Florian Engels nennt den „Bildungsmonitor“ ein „nur bedingt brauchbares Produkt, das große zeitliche und finanzielle Ressourcen verbraucht“. Besonders die betont ökonomische Perspektive, sogar auf den Kita-Alltag, befremdet ihn. Schließlich ist entfesselter Wettbewerb kein Kinderspiel.

Mächtige wirtschaftsliberale Lobby

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wurde im Jahr 2000 von dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall gegründet. Unterstützt wird sie von verschiedenen ehrenamtlichen Kuratoren und Botschaftern um den früheren Bundeswirtschaftsminister und Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement.

Ziel der INSM it es nach eigener Darstellung, „das über Jahrzehnte bewährte Konzept der Sozialen Marktwirtschaft von Ludwig Erhard zu erhalten und zu erneuern, um die Prinzipien unternehmerische Freiheit, Eigeninitiative und Chancengerechtigkeit weiter befördern zu können“.

Kritiker werfen der INSM vor, Erhards politisches Vermächtnis unrechtmäßig zu vereinnahmen und im wirtschaftsliberalen Sinne umzudeuten. Immer wieder gibt es öffentlichkeitswirksame Kampagnen, wie 2012 gegen die Ökostromförderung, die zur Einführung der Strompreisbremse führte.

Von Bastian Pauly

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