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Brandenburg hat nur eine HIV-Praxis

Welt-Aids-Tag Brandenburg hat nur eine HIV-Praxis

Die Ärztin Ines Liebold führt seit anderthalb Jahren die einzige HIV-Schwerpunktpraxis des Landes. Sie kämpft gegen die Stigmatisierung ihrer Patienten – und gegen das Vergessen. Ihr ältester Patient ist über 90. Denn auch in Brandenburg ist der gefährliche Aids-Erreger längst nicht von der Bildfläche verschwunden.

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Ines Liebold, Ärztin für Infektiologie, behandelt ihre Patienten in Blankenfelde.

Quelle: foto: Julian Stähle

Blankenfelde. Die Diagnose kam zu spät, wie ein Fall aus Brandenburg zeigt. Der junge Mann ist bereits seit 2008 schwer krank, leidet zunächst an einer Pilzinfektion im Mund, ist geschwächt und auch sein Blutbild hat sich verändert. Er sucht Hilfe bei verschiedenen Ärzten – ohne Erfolg. Denn auch Mediziner erkennen manchmal auf HIV hinweisende Symptome nicht, weiß Ines Liebold. Als Infektiologin ist die Brandenburgerin Spezialistin auf dem Gebiet und betreut auch Patienten, die an HIV erkrankt sind. Als der junge Mann in ihre Praxis kommt, leidet er an einer Lungentuberkulose und der Immundefekt ist bereits weit fortgeschritten. Heute liegt der 36-Jährige im Sterben. „Man hätte meinem Patienten helfen können“, sagt Liebold. Denn eine sofortige Therapie verlängert das Leben von HIV-Patienten, die mittlerweile mit dem Aidserreger immer älter werden können.

Der älteste Patient ist 92 Jahre

Die Patienten von Ines Liebold sind zwischen 18 und 92 Jahre alt. Ihre Praxis an der Karl-Liebknecht-Straße 19 in Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) ist die einzige HIV-Schwerpunktpraxis im Land Brandenburg. Rund 300 Patienten, die mit HIV, aber auch mit Hepatitis B oder C infiziert sind, suchen ihre Praxis auf. Viele kommen von weit her, aus Cottbus, Trebbin, Jüterbog, Nauen oder Brandenburg an der Havel. Aber auch 800 hausärztlich zu versorgende Patienten ohne Virus behandelt die Fachärztin für Innere Medizin.

Ines Liebold kämpft gegen eine Krankheit – und gegen ein Stigma

Ines Liebold kämpft gegen eine Krankheit – und gegen ein Stigma.

Quelle: Julian Stähle

Ihre Praxis liegt mitten im Wohngebiet von Mahlow, sie teilt sich die Räume gemeinsam mit anderen Hausärzten. Im Wartezimmer sitzen Menschen mit Bluthochdruck, Husten, Schnupfen, Magen-Darmvirus – oder eben HIV. Liebolds Patienten schätzen die Anonymität, weil mit der Krankheit ein großes Stigma verbunden ist. „Noch immer ist HIV leider für viele die Schwulenpest“, sagt Liebold. Dabei gehören zu ihren Patienten nicht nur homosexuelle Männer, sondern auch heterosexuelle Männer und Frauen. Viele der weiblichen Infizierten stammen aus afrikanischen oder osteuropäischen Ländern. „Meist ist die Infektionsrate in Ländern mit hoher Diskriminierung sehr hoch“, erklärt die HIV-Ärztin.

Ein Kampf gegen das Stigma

Liebold kämpft gegen das Stigma – und das Vergessen. Weil sich das Virus gut in Schach halten lässt, haben heute viele vergessen, wie gefährlich Aids noch immer ist. „Zu wenige machen sich Gedanken über sexuell übertragbare Krankheiten“, sagt Liebold. Zu mehr Aufklärung soll auch der Welt-Aids-Tag heutigen 1. Dezember beitragen. Denn auch in Brandenburg ist HIV längst nicht von der Bildfläche verschwunden.

Ines Liebold nimmt sich viel Zeit für ihre Patienten

Ines Liebold nimmt sich viel Zeit für ihre Patienten.

Quelle: Julian Stähle

Etwa 70 Personen haben sich im vergangenen Jahr in Brandenburg neu mit HIV infiziert. Das geht aus einer Schätzung des Robert Koch-Institut hervor. Im Jahr zuvor waren es 60 Menschen. Die Zahl ist gering. Doch Ines Liebold warnt, dass die Dunkelziffer viel höher ist. „Die Krankheit ist mit großen Schamgefühlen verbunden, weil sie unter die Gürtellinie geht.“

Zeit für die Patienten

Ines Liebold nimmt sich die Zeit, die Sorgen der Infizierten zu teilen. „Ihre Patienten schätzen an ihr, dass sie eine sehr einfühlsame Ärztin ist“, bestätigt Diana Adler. Als eine von drei Arzthelferinnen im Team der Infektiologin, hält sie ihrer Chefin den Rücken frei, vergibt Termine, druckt Rezepte aus und sorgt dafür, dass Impfstoffe vorhanden sind. Die Arzthelferin mag ihren Job, weil ihr Arbeitsplatz etwas Außergewöhnliches sei. „Wir betreten neues Terrain und zeigen, dass es eine HIV-Schwerpunktpraxis nicht nur in Großstädten wie Berlin oder Hamburg geben kann.“

Die Wege, die ihre Patienten auf sich nehmen, um nach Blankenfelde-Mahlow zu kommen, sind manchmal weit. Die Praxis ist verkehrstechnisch gut angebunden, sagt Liebold über den Standort im Süden des Landes. Die Mutter zweier Kinder hatte sich vor anderthalb Jahren entschieden, sich selbstständig zu machen. Zuvor arbeitete sie als Oberärztin an der Infektiologie des Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Die Brandenburgerin hat sich als Ärztin auf HIV und Infektionskrankheiten spezialisiert, weil es sich um ein spannendes Fachgebiet handele, in dem sich viel bewegt. „Das ist auch Detektivarbeit, weil ich den Patienten sehr gut zuhören muss. Denn wenn ich eine Infektion übersehe, können die HIV-Viren resistenter werden“, erklärt Liebold.

Wer sich wie sie auf die Behandlung von HIV-Patienten spezialisiert hat, muss zudem tiefgehende Kenntnisse über Medikamente und ihre Wirkung haben. Wer seine Medikamente regelmäßig nimmt und alle drei Monate in ihre Praxis kommt, um zu kontrollieren, ob die Medikation Wirkung zeigt, könne die Krankheit „gut managen“, habe eine gute Lebenserwartung und -qualität, sagt Liebold. Doch heilbar ist Aids trotzdem noch immer nicht.

Von Diana Bade

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