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Brandenburg Brandenburg lässt seine klugen Köpfe zu leicht ziehen
Brandenburg Brandenburg lässt seine klugen Köpfe zu leicht ziehen
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00:31 01.06.2018
Das Hasso-Plattner-Institut gehört zu den wichtigsten Institutionen der Digitalbranche in Brandenburg. Quelle: dpa
Kleinmachnow

Brandenburg vernachlässigt laut einer Studie der Industrie- und Handelskammer Potsdam die immer wichtiger werdende Digitalwirtschaft. Neben dem vielerorts noch mäßigen Breitbandangebot und fehlender Gewerberäumen mangele es vor allem an einem gründerfreundlichen „Ökosystem“, wie Benjamin Körber, Präsidiumsmitglied der IHK Potsdam, am Montag sagte. „Ein Großteil der Studierenden, die wir so dringend benötigen, lebt und wohnt in Berlin. Zwei Drittel wollen das Bundesland nach ihrem Abschluss verlassen. Wir bilden sie aus, und wenn sie fertig sind, verlassen sie uns wieder.“

Talentflucht aus Brandenburg

Er sprach von einem digitalen Brain Drain – einer Talentflucht – zu Lasten Brandenburgs. „Schaut man sich zudem die Start-ups an, die aus Potsdam und Umgebung stammen, so haben etwa drei Viertel von diesen ihren Firmensitz heute außerhalb von Brandenburg“, sagte Körber. Die Kammer hatte für die Untersuchung das Prognos Institut beauftragt, um die Entwicklung der Digitalbranche in Westbrandenburg zu untersuchen. Hier setzt die Branche mit 7000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 1,1 Milliarde Euro um – Tendenz steigend. Das Jobwachstum beträgt im Schnitt 5,7 Prozent pro Jahr und ist damit bedeutend größer als das der Gesamtwirtschaft (plus 1,6 Prozent).

1,1 Millionen Beschäftigte

Bundesweit gesehen ist die Branche aus Softwareentwicklern, Internetshops und Netzwerkfirmen ein Job-Motor und inzwischen wichtiger als die Automobilbranche oder der Maschinenbau. Etwa 1,1 Millionen Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt in der Digitalwirtschaft, die immer mehr klassische Wirtschaftsbereiche durchdringt.

Die Voraussetzungen in Brandenburg sind prinzipiell gut, wie Olaf Arndt, Autor der Prognos-Studie, erklärt. Es gibt eine vielfältige Hochschullandschaft, diverse Netzwerke und Plattformen und mit dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam eine international angesehene Ideenschmiede. Allein, die meisten Unternehmen nutzen den Kontakt zu Forschung und Wissenschaft nicht, wie die Studie zeigt. Das liege auch an der Kleinteiligkeit der Unternehmen: 96 Prozent der IT-Firmen haben weniger als zehn Mitarbeiter. Da fehle häufig die Zeit, sich in Netzwerken zu engagieren oder Kontakte zu Forschungseinrichtungen zu pflegen, so Arndt.

Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum und attraktiven Gewerbeflächen

Die in Kleinmachnow (Potdsdam-Mittelmark) angesiedelte IT-Firma Netfox ist da in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Sie wurde Ende der 80er-Jahre in Berlin gegründet und verlegte ihren Sitz zehn Jahre später nach Brandenburg, um wachsen zu können. Mit rund 50 Mitarbeitern, die für die Kunden aus der Verwaltung und Wirtschaft IT-Netzwerke entwickelt und betreut, gehört sie zu den größten Unternehmen der Branche überhaupt im Land.

„Wir hatten in Berlin vor 20 Jahren ganz ähnliche Probleme. Es wurden viele Informatiker und Mathematiker ausgebildet, die dann nach München, Stuttgart oder Frankfurt verschwunden sind“, sagte Firmenchef Ortwin Wohlrab. „Wir müssen ein Umfeld aufbauen, in dem die Studenten sehen, dass sie dort später auch wohnen und arbeiten können.“ Dazu gehöre etwa bezahlbarer Wohnraum und Gewerbeflächen, wo sich die digitalen Gründer wohlfühlen.

Benjamin Körber sieht die Politik in der Pflicht, sich aktiver für den IT-Standort einzusetzen und die Bedingungen für Gründer zu erleichtern. „Die Wahrnehmung der Region als IT-Standort ist nur schwach ausgeprägt und geht in der Strahlkraft Berlins unter“, sagt er. Schließlich sei der digitale Wandel der „Garant der Beschäftigung in der gesamten Industrie Brandenburgs“.

Von Torsten Gellner

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