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Brandenburg Brandenburg laufen die Altenpfleger davon
Brandenburg Brandenburg laufen die Altenpfleger davon
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11:06 22.10.2013
Die Flucht von Pflegern aus Brandenburg kann nur mit vereinten Kräften gestoppt werden. Quelle: dpa
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Potsdam

„Der Einsatz in der Pflege wird einfach nicht gewürdigt“, klagt Michael Musall, Pflege-Experte der Gewerkschaft Verdi, gegenüber der MAZ. Die Folge: Die Fachkräfte aus Brandenburg wandern in westliche Bundesländer ab oder suchen sich eine Stelle in Berlin, wo höhere Löhne gezahlt werden. „Der Pflege-Notstand ist längst Realität“, sagte Musall.

Das bestätigen auch die Arbeitgeber. „Wir bilden theoretisch genügend Nachwuchskräfte aus“, sagte Anne Böttcher, Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Brandenburg. „Aber es wandern zu viele ab.“ In der Altenpflege sei es ähnlich wie im Kita-Bereich. „Viele gehen nach ihrer Ausbildung nach Berlin, weil dort besser bezahlt wird. Wer ungebunden ist, geht nach Westdeutschland“, so Böttcher. Während der Mindestlohn für Pflegehilfskräfte in den Ostbundesländern bei acht Euro liegt, gilt in Berlin der West-Mindestlohn von neun Euro.

Beobachter gehen davon aus, dass sich rund 40 Prozent der Absolventen außerhalb Brandenburgs bewerben. „Vor ein paar Jahren erhielten wir auf eine Stelle noch 25 Bewerber. Heute können wir froh sein, wenn sich einer meldet“, berichtet die AWO-Geschäftsführerin.

Rund 96.000 Brandenburger oder 3,8 Prozent der Bevölkerung sind derzeit pflegebedürftig. Im Jahr 2030 könnten es Prognosen zufolge über 160.000 sein – mehr als sieben Prozent. Die Zahl der Pflegerinnen und Pfleger müsste von rund 29.000 auf 54.000 steigen.

„Wir brauchen endlich eine vernünftige Bezahlung in der Branche“, fordert Dieter Pienkny, Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg. „Da hilft es auch nichts, wenn man Arbeitslose im Schnellverfahren zu Pflegekräften umschult.“

Das Problem: In Brandenburg gibt es einen regelrechten Flickenteppich an Haustarifverträgen. Ein Grund, warum es noch keinen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag gibt, den die Gewerkschaften fordern. „Wir scheitern an einer Vielzahl an Verbänden und Verhandlungspartnern“, so Verdi-Experte Musall. Derzeit sondieren Gewerkschaften und Arbeitgeber die Möglichkeit eines Tarifvertrags. „Das ist überfällig“, so AWO-Chefin Böttcher. „Das würde in den Verhandlungen mit den Pflegekassen um die Vergütung unsere Position deutlich stärken.“

Auch Sozialminister Günter Baaske (SPD) fordert den Tarifvertrag. Acht Euro Mindestlohn sei kein Anreiz, in der Pflege zu arbeiten, sagt er. Er lotet derzeit aus, wer sich unter der Vielzahl der Arbeitgeber einem Tarifvertrag anschließen würde. Denn nur, wenn die Vertragsparteien mindestens 50 Prozent der Beschäftigten vertreten, könnte er als allgemeinverbindlich festgeschrieben werden.

Der Druck muss steigen

Torsten Gellner glaubt, dass die Flucht von Pflegern aus Brandenburg nur mit vereinten Kräften gestoppt werden kann.

Sie werden gebraucht, händeringend, aber sie kehren dem Land oft den Rücken zu: Ausgebildete Pflegekräfte suchen ihr berufliches Glück anderswo. Wer könnte es ihnen verdenken? Die Pflege von alten, demenzkranken Menschen ist mehr als ein Broterwerb, es ist eine Berufung. Doch diese verantwortungsvolle Tätigkeit wird oft mies bezahlt. Wenn die Fachkräfteflucht aus Brandenburg gestoppt werden soll, führt an einer angemessenen Entlohnung also kein Weg vorbei.

Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont unserer alternden Gesellschaft: Die Arbeitgeber führen mit den Gewerkschaften endlich Gespräche über einen einheitlichen Tarifvertrag. Tarifverhandlungen sind das noch nicht, eher das, was man in der Politik als Sondierungsgespräche bezeichnet. Es sind trotzdem gute Nachrichten. Denn für einen gerechten Pflegelohn müssen die Kassen die Pflegesätze erhöhen. Dafür ist Druck nötig. Gesellschaftlicher und politischer Druck.

Doch solange den Pflegekassen ein bunter Haufen an Arbeitgebern – öffentlichen, kirchlichen und privaten – gegenübersteht, die alle ihr eigenes Haustarif-Süppchen kochen, wird der Druck nicht hoch genug sein.

Von Torsten Gellner

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