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Brandenburg schrumpft – nicht mehr so schnell

Studie zur Bevölkerungsentwicklung Brandenburg schrumpft – nicht mehr so schnell

Dass die Bevölkerung im Land kontinuierlich zurückgeht, zeigte bereits eine Studie des Statistischen Landesamtes 2012. Die Bertelsmann-Stiftung hat nun errechnet, dass der Schwund bis 2030 weniger rasant voranschreiten wird als bisher angenommen. Indes werden die Menschen immer älter und generieren einen hohen Pflegeaufwand für die Kommunen.

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Ein Blick in die Zukunft: Im Jahr 2030 soll die Hälfe aller Brandenburger über 53 Jahre alt sein, etwa fünf Jahre älter als noch 2012.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Leer gefegtes Land, her­unterkommende Häuserblocks und verlassene Dörfer – all das sind Zeichen des Bevölkerungsverlustes, mit dem Brandenburg besonders auf dem Land zu kämpfen hat. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung sagt voraus, dass in fünfzehn Jahren noch rund 2,36 Millionen Menschen in Brandenburg leben werden. Das bedeutet ein Minus von 3,5 Prozent im Vergleich zu 2012 (2,45 Millionen). Damit sieht die Bevölkerungsprognose aber positiver aus, als bisher angenommen. Das Statistische Landesamt rechnete zuvor 2012 in einer Studie mit einem Rückgang auf 2,25 Millionen.

Größere Städte gewinnen, kleine Gemeinden schrumpfen

Brandenburg soll bis zum Jahr 2030 nicht nur um rund 87 000 Einwohner schrumpfen, auch das Durchschnittsalter der Menschen steigt an. Die Hälfte aller Brandenburger wird laut Studie über 53 Jahre alt sein. Zudem werde sich die Kluft zwischen boomenden Städten rund um Berlin und vereinsamenden Kommunen im ländlichen Raum vergrößern. Städte wie Potsdam, Velten (Oberhavel) oder Teltow (Potsdam-Mittelmark) sollen zwischen 11 und 27 Prozent wachsen. Verlierer sind die Gemeinden Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) und Guben (Spree-Neiße), die über 24 Prozent ihrer Bewohner einbüßen.

Berlin-Nähe ist oft entscheidend

„Kommunen, die direkt an Berlin grenzen, profitieren sehr von der attraktiven Hauptstadt“, sagt Manuel Slupina, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Entlegene Regionen, wie Prignitz oder Uckermark, würden hingegen stark unter massiven Verlusten vor allem junger Menschen leiden. „Schulabgänger ziehen vom Land direkt in die Städte, um dort zu studieren und sie kommen nur selten zurück in ihre Heimat“, erklärt Slupina. Derzeit sei nicht davon auszugehen, dass sich dieser Trend umkehrt.

Die Folgen sind für die Kommunen vielschichtig. „Es wird immer schwieriger, eine gute Infrastruktur in den schrumpfenden und alternden Regionen zu gewährleisten“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Weil in Brandenburg und Sachsen-Anhalt 2030 die ältesten Menschen Deutschlands leben werden, erhöhe sich gleichzeitig der Pflegebedarf. Zu den „jüngsten“ Kommunen werden Potsdam (45,3 Jahre im Durchschnitt) und Schönefeld im Kreis Dahme-Spreewald (46,8) zählen. Die „ältesten“ Gemeinden sind Dahme/Mark in Teltow-Fläming (62,0) und Guben im Kreis Spree-Neiße (62,8). Letztere soll damit die zweitälteste Kommune Deutschlands werden, hinter Bad Füssing in Bayern.

Eine wesentliche Herausforderung sei es deshalb, Versorgungskonzepte an die Bedürfnisse der Regionen anzupassen, sagt Manuel Slupina. Er berichtet, dass einige Regionen bereits eigene Ideen umsetzen konnten. „Es gibt multifunktionale Dorfläden, die nicht nur Lebensmittel anbieten, sondern auch gleichzeitig sozialen und medizinischen Diensten einen Platz bieten.“ Mit sogenannten „Bürgerbussen“ decken ehrenamtliche Fahrer in Gransee (Oberhavel) oder Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) Strecken ab, die für Verkehrsunternehmen unwirtschaftlich sind und sichern so die Mobilität vieler älterer Menschen.

Die Zahl der Menschen über 80 Jahren soll laut Studie um 60,9 Prozent von 130 700 auf 210 400 ansteigen. Der höchste Zuwachs in dieser Altersgruppe stehe Dallgow-Döberitz (Havelland) bevor (plus 117,2 Prozent). In anderen Regionen wird für dieses Problem bereits an einer Lösung gefeilt: Kerstin Finger, Zahnärztin aus Templin (Uckermark) rollt regelmäßig mit ihrer mobilen Praxis zu Patienten nach Hause, die es aus eigener Kraft nicht mehr in die Stadt schaffen.

Von Luise Fröhlich

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