Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Schulschwänzer: Gespräche statt Sanktionen
Brandenburg Schulschwänzer: Gespräche statt Sanktionen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:14 24.03.2018
Ein Verstoß gegen die Schulpflicht ist eine Ordnungswidrigkeit, die unterschiedlich geahndet werden kann. Quelle: dpa
Potsdam

Brandenburgs Schulen und Schulämter reagieren bei Jugendlichen, die unentschuldigt dem Unterricht fernbleiben, selten mit Sanktionen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Wir können gegenüber den Eltern zwar ein Zwangsgeld androhen, der nachfolgende Prozess ist aber sehr aufwendig“, erklärt Hardy Schalitz vom staatlichen Schulamt in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin). Zunächst setzten die Schulen und Schulräte auf das Gespräch mit Schülern und Eltern, bevor weitere Maßnahmen folgen würden.

„Die Zwangsgelder treffen in der Regel die Elternhäuser, die ohnehin nicht viel Einkommen haben“, sagt der Schulamtsmitarbeiter. Als auffällig gelten Jugendliche laut Landesschulgesetz, wenn sie innerhalb von zwei Monaten sechs oder innerhalb eines halben Jahres mehr als zehn Fehlzeiten aufweisen würden. Führten Gespräche zu keinem Ergebnis, könne die Androhung eines Zwangsgeldes folgen. Die würde aber schon bei einigen Eltern ein Umdenken bewirken.

Wenn ein Schüler keine Lust mehr auf Unterricht hat, wird das zu einem ernsthaften Problem. Bleibt er der Schule fern, wird es ein riesiges Problem. Quelle: dpa

Manchmal hätten die Eltern jedoch gar keinen Einfluss mehr darauf, dass ihre Kinder regelmäßig zur Schule kommen. „Ich hatte schon Eltern, die heulend vor mir saßen, weil sie von ihren Kindern Prügel angedroht bekommen haben“, berichtet Schalitz aus seiner über 20 Jahre langen Tätigkeit als Schulrat. In solchen Fällen würden die Schulen und Behörden eng mit den Jugendämtern der Landkreise und kreisfreien Städte zusammenarbeiten.

Lesen Sie auch: Immer mehr Schulabgänger ohne Abschluss

Das bestätigt eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Die Schulhilfekonferenz, durch die bei Problemen zeitig alle Beteiligten von der Schule eingeladen würden, sei eine Form dieser Kooperation. Im Landkreis kommen die Schulverweigerer laut Jugendamt zumeist aus den Klassenstufen acht bis zehn und würden in alternativen Unterrichtsformen beschult.

Förder- und Oberschulen bilden oft den Schwerpunkt in Sachen Schulverweigerung, wie Frank Quella vom staatlichen Schulamt Brandenburg/Havel berichtet, das auch für Potsdam-Mittelmark zuständig ist. Genaue Zahlen dazu würden jedoch nicht erhoben. Auch landesweit existieren diesbezüglich keine Erhebungen, wie es aus dem Potsdamer Bildungsministerium heißt. „Das wäre auch ein sehr hoher Aufwand“, erklärte Schalitz. Wichtiger sei es hingegen, die Schüler zielgerichtet für den Unterricht zu begeistern.

„Es gibt im Land aber mittlerweile zahlreiche Schulverweigererprojekte“, schildert Quella. Diese seien ein guter Ansatz, dem Problem zu begegnen. „Es ist auch immer eine Frage, wie die Schule selbst strukturiert ist“, sagt Schalitz. Würde sie über genug Schulsozialarbeiter und Ganztagsangebote verfügen, könnten Probleme gut intern ohne das Amt geregelt werden. In Grundschulen beobachtet der Schulamtsmitarbeiter bislang weniger den Trend zum Schulschwänzen. „Da reicht noch der Muttizettel als Fingerzeig“, wie Schalitz meint. Trotzdem müsse auch dort bereits angesetzt werden, die Folgen von Unterrichtsverweigerung aufzuzeigen.

Lesen Sie auch: Schulverweigerer kosten viel Geld

Bei den weiterführenden Schulen sei eine enge Verzahnung mit Betrieben in Form von Praktika oft ein Garant dafür, dass sich Schüler anstrengen würden, um einen bestimmten Beruf erlangen zu können. In vielen Fällen geht die Schulverweigerung nach Schilderung von Quella aber nicht auf Unlust zurück, sondern vielmehr auf Angst vor Leistungsdruck oder Mobbing - auch an Gymnasien. „Darüber muss dann frühzeitig gesprochen werden“, so der Schulamtsmitarbeiter.

Von Christian Bark

Brandenburg MAZ-Serie Teil 9 - Die Krähenmutter

„Eine neue Windel ist wie ein neues Leben“ oder „No Rülps today“ – Der Text interessiert das Neugeborene oft nicht. Hauptsache die ist Melodie fröhlich und unterhaltsam ist und die Stimme der singenden Mutter oder des trällernden Vaters erträglich. Stimmt nicht ganz, findet MAZ-Autorin Saskia Kirf. Sie berichtet über das erste Jahr mit Baby.

24.03.2018

Die A10 zwischen Potsdam und Nuthetal wird auf acht Fahrspuren ausgebaut, dabei kommt es immer wieder zu Staus. Doch über Ostern sollen sollen alle drei Fahrstreifen zur Verfügung stehen. Da diese jedoch sehr eng sind, muss trotzdem mit starken Verzögerungen gerechnet werden.

24.03.2018

Soll Tegel auch nach Inbetriebnahme des BER geöffnet bleiben? Nur eine klare Antwort gibt es für den Verein „Brandenburg braucht Tegel“, der am Samstag eine Unterschriftenaktion gestartet hat. Das Ziel der Volksinitiative ist, wie schon zuvor in Berlin, ein Volksentscheid.

24.03.2018