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Brandenburg Brandenburg spart beim Wasser
Brandenburg Brandenburg spart beim Wasser
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18:50 26.03.2015
Der Wasserverbrauch hat seit der Wiedervereinigung abgenommen.  Quelle: Christel Köster
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Potsdam

 In Brandenburg wird so wenig Wasser verbraucht wie in kaum einem anderen Bundesland. 104,8 Liter laufen pro Kopf und Tag in einem durchschnittlichen Haushalt durch die Leitungen – noch sparsamer sind die Verbraucher allein in Sachsen-Anhalt (90,9 Liter), Thüringen (88,6) und Sachsen (84,2).

Die Ostdeutschen sind deutsche Meister beim Wassersparen, lautet der Befund von Deutschlands Wasserverbrauchs-Atlas, der jetzt anlässlich des Internationalen Weltwassertags am 22. März vorgestellt wurde. Während in den ostdeutschen Ländern ohne Berlin im Durchschnitt 93 Liter pro Einwohner am Tag verbraucht werden, sind es in den westdeutschen Flächenländern 126 Liter. Besonders verschwenderisch ist man in Schleswig-Holstein (133,5 Liter), Hamburg (134,4) und Nordrhein-Westfalen (134,5).

Die Daten hat der Nachhaltigkeitsexperte Stefan Gössling, Professor an der schwedischen Universität Lund, im Auftrag einer Marke für Naturkosmetik zusammengetragen. Grundlage sind Angaben der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus dem Jahr 2010. Die regionalen Unterschiede sind mitunter beträchtlich: So verbrauchen die Einwohner in Brandenburg an der Havel lediglich 88 Liter pro Kopf und Tag, in der Landeshauptstadt Potsdam sind es 119 Liter. Der Durchschnittsdeutsche lässt vor allem im Badezimmer das Wasser laufen. 33 Liter spült er täglich die Toilette hinunter, weitere 43 Liter braucht es für die Körperpflege, wie es im Wasserverbrauchs-Atlas heißt.

Das Wassersparen liegt im langfristigen Trend. Seit der Wiedervereinigung hat der Verbrauch auf beiden Seiten der früheren deutsch-deutschen Grenze deutlich abgenommen. Beförderten die Rohrleitungen einst 147 Liter pro Kopf und Tag, sind es heute nur noch 121 Liter. Doch das gestiegene Bewusstsein für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen bringt vielerorts neue Probleme mit sich – auch in Brandenburg.

„Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem man durch zusätzliches Wassersparen keine positiven ökologischen oder wirtschaftlichen Effekte mehr erzielt“, sagt Jan Ulland vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Denn mit jedem Liter, den der Verbraucher einspart, steigen jene Kosten, die zunächst unbemerkt bleiben – etwa für die Reinigung der Rohre und Kanäle. Zwar würden die Trink- und Abwasserverbände kaum so weit gehen, öffentlich zur Wasserverschwendung aufzurufen. Aber der Infrastruktur täte mehr Durchfluss durchaus gut.

Ulland erklärt es so: Weil Trinkwasser ein verderbliches Lebensmittel ist, kann es nicht auf ewig in den Leitungen zwischengelagert werden, sondern muss regelmäßig durch frisches Wasser ersetzt werden. Das gilt auch fürs Abwasser. Fließt zu wenig nach, können chemische Verbindungen entstehen, die den Rohren an die Substanz gehen. Muss die Infrastruktur erneuert werden, bekommen das auch die Verbraucher zu spüren.

Wasserverbrauch in Deutschland

104,8 Liter Wasser pro Kopf und Tag verbrauchen Haushalte und Kleingewerbe durchschnittlich in Brandenburg. Sparsamer sind die Verbraucher nur in Sachsen-Anhalt (90,9 Liter), Thüringen (88,6 Liter) und Sachsen (84,2 Liter).

Im Bundesschnitt werden 121 Liter verbraucht. Zwischen Ost (93 Liter, ohne Berlin) und West (126 Liter, ohne Bremen und Hamburg) gibt es ein deutliches Gefälle. Besonders großzügig gehen die Einwohner in Schleswig-Holstein (133,5 Liter), Hamburg (134,4) und Nordrhein-Westfalen (134,5 Liter) mit Wasser um.

Sparsamste Großstadt ist Leipzig mit 88 Litern. Genauso sparsam sind auch die Einwohner in Brandenburg an der Havel. Unter den Landeshauptstädten verbraucht Schwerin mit 93 Litern am wenigsten, Dresden kommt auf 98 und Magdeburg auf 109 Liter.

Düsseldorf ist unter den Landeshauptstädten das Zentrum der Wassergroßverbraucher. Die Stadt in Nordrhein-Westfalen meldet 176 Liter, gefolgt von München (153 Liter) und Mainz (143). In Potsdam sind es nur 119 Liter.

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder

In Brandenburg sind viele Trink- und Abwasserverbände in wirtschaftlicher Schieflage. Das hat auch mit dem sinkenden Wasserverbrauch zu tun, der in manchen Landstrichen durch den Bevölkerungsrückgang weiter begünstigt wird. In den vergangenen fünf Jahren erhielten nahezu 30 Landkreise und Gemeinden Hilfen für verschuldete Wasserverbände. So flossen allein 2,8 Millionen Euro für den Wasserver- und Abwasserentsorgungs-Zweckverband Region Ludwigsfelde (Teltow-Fläming)*. Insgesamt zahlte das Land zwischen 1995 und 2012 gut 227 Millionen Euro über einen Ausgleichsfonds. Nach der Wende waren vielerorts große, aber bis heute nicht ausgelastete Klärwerke gebaut worden, die nicht genügend Einnahmen für die fälligen Kreditrückzahlungen erzielen.

Einige Wasserversorger sind bestrebt, die Verbraucher stärker an den Fixkosten für die vorgehaltene Infrastruktur zu beteiligen. Denn normalerweise stellen die Versorger den Verbrauch nach Kubikmeter in Rechnung – während im Gegenzug die Kosten für die Infrastruktur sogar steigen. Die Sparsamkeit kann die Verbraucher also teuer zu stehen kommen.

Von Bastian Pauly

*Nachtrag
Korrigiert: Daten der Landesregierung waren falsch
Anders als in unserem Beitrag „Brandenburg spart beim Wasser“ vom 18. März 2015 auf Grundlage von Daten der Brandenburger Landesregierung berichtet, hat der Wasser- und Abwasserentsorgungs-Zweckverband Region Ludwigsfelde (WARL) keine finanzielle Hilfe aus dem Ausgleichsfonds erhalten, mit dem das Land finanziell notleidenden Kommunen hilft. Laut Mitteilung des WARL waren die unserer Berichterstattung zugrundeliegenden Daten in der Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Landtagesfraktion nicht korrekt. Wie der Verbandsvorsteher des WARL, Hans-Reiner Aethner, sagte, sei zu vermuten, dass sich die Hilfe in Höhe von etwa 2,8 Millionen Euro auf den Eigenbetrieb der Stadt Trebbin beziehen könnte. Ihm sei eine solche Zahlung bekannt. Im Jahr 2011 sei dieser Eigenbetrieb dem WARL beigetreten. Die Redaktion“

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