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Brandenburg Wann bekommt Brandenburg den schnellen Mobilfunk?
Brandenburg Wann bekommt Brandenburg den schnellen Mobilfunk?
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00:28 18.11.2018
Wann kommt das schnelle Mobilfunknetz in die Mark? Quelle: dpa
Potsdam

 Wird der neue Mobilfunkstandard 5G zur Schicksalsfrage für Brandenburg? Wenn es nach dem CDU-Wirtschaftsexperten Dierk Homeyer geht, gewiss: „Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Existenz der ländlichen Räume“, sagte er am Donnerstag im Brandenburger Landtag. Munter diskutierten dort die Abgeordneten über das neue Hochgeschwindigkeitsnetz, das ab 2020 in Deutschland ausgerollt werden soll.

Der mobile Datenaustausch sei entscheidend für die Wirtschaft des Landes, so Homeyer. „Deshalb dürfen wir es nicht zulassen, dass Mittelständler oder Landwirtschaftsbetriebe von dieser Entwicklung abgekoppelt werden.“ Ziel müsse daher eine 100prozentige Abdeckung mit 5G sein. „Die Verfügbarkeit wird in wenigen Jahren darüber entscheiden, ob die Menschen auf dem Land bleiben oder nicht“, so das Fazit des CDU-Mannes.

Kanzlerin: 5G für alle gibt es nicht

Doch dann funkte die Kanzlerin dazwischen. Denn zeitgleich zur Landtagsdebatte ging am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut die Digitalklausur der Bundesregierung zu Ende, bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Forderungen nach 5G für alle und überall eine deutliche Absage erteilte. „Wir wollen eine flächendeckende Internetversorgung, die kann aber natürlich nicht für alle 5G umfassen“, sagte sie.

Das sehen auch die die Mobilfunkanbieter selbst so. „Es wird nicht auf jeder kleinen Straße, in jedem Waldstück und in jeder Anwohnersackgasse 5G geben. Dafür müssten wir mehrere Hunderttausend Antennen bauen. Das ist weder wertstiftend noch finanzierbar“, sagte Markus Haas, Chef von Telefonica Deutschland, unlängst der „Süddeutschen Zeitung“.

Betreiber warnen vor Desaster

In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnen führende Manager der Telekom, von Vodafone und Telefónica nun vor einer „extensiven Ausweitung von Versorgungsauflagen“, also der Pflicht zur 100prozentigen Abdeckung. Das stehe in keinem Verhältnis zu den immensen Kosten.

Gleichwohl soll die Brandenburger Landesregierung beim Bund Druck machen, dass es eben zu dieser flächendeckenden Versorgung kommt. In einem Entschließungsantrag wurde die Koalition aus SPD und Linke aufgefordert, sich beim Bund für die ländlichen Regionen stark zu machen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, Abgeordnete der AfD enthielten sich. Auf die Tagesordnung gesetzt hatte das Thema die CDU. Sie forderte, dass das Land selbst Geld in die Hand nimmt, um dort für schnelles Internet zu sorgen, wenn die Mobilfunkanbieter von sich aus keine neuen Masten aufstellen werden.

Versteigerung der Frequenzen ist umstritten

5G ermöglicht eine deutlich höhere Datengeschwindigkeit und viel schnellere Reaktionszeiten im Netz. Es ist deswegen nicht nur für Privatkunden interessant, die Filme und Serien in hoher Auflösung streamen wollen. Vor allem die Wirtschaft setzt darauf, um Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren, die Industrie 4.0 oder die Telemedizin nutzen zu können. Im kommenden Frühjahr sollen die neuen Frequenzen versteigert werden.

Mehrere Abgeordnete warnten vor dieser Form der Vergabe. Deutschland habe europaweit die höchsten Mobilfunkpreise, sagte Peter Vida (Freie Wähler). „Das hat seine Ursache im System der Frequenzversteigerungen. Die Unternehmen überbieten sich gegenseitig und legen die Kosten auf die Preise um“, erklärte er. Dadurch werde ein flächendeckender Ausbau letztlich verhindert. Für die Linken brachte der Abgeordnete Matthias Loehr den Ankauf von Telekom-Aktien ins Gespräch, um eine staatliche Netzinfrastrukturgesellschaft zu gründen. „Ich bin dagegen, dass wir mit staatlichem Geld private Betreiber füttern“, sagte er.

320 Masten – oder 27.000?

Völlig offen ist, wie viele neue Antennen und Funkmasten in Brandenburg aufgestellt werden müssten. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hält die Investitionen für überschaubar. Etwa 320 neue Antennen sollten für die Mark ausreichen, erklärte er.

Ob das jedoch ausreicht, ist zweifelhaft. 5G-Masten haben eine geringer Reichweite als die Antennen für das derzeit schnellste Mobilfunknetz 4G (LTE). Die Telekomtochter Deutsche Funkturm betreibt nach eigenen Angaben 50 Mobilfunkstationen allein in Potsdam.

Klar ist: Bevor die Masten das schnelle Internet in die Welt funken können, müssen sie an Glasfasernetze angeschlossen werden – die nächste ungelöste Baustelle.

Von Torsten Gellner

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