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Brandenburg und Berlin buhlen um neue Lehrer

Stipendien, Umzugshilfen und Landzulagen Brandenburg und Berlin buhlen um neue Lehrer

Bekommen Berlins Lehrer demnächst ein Mofa geschenkt? Ganz ernst gemeint ist diese jüngste Überlegung nicht. Doch der Konkurrenzkampf um dringend benötigte Lehrer wird immer schärfer und kreativer geführt. Berlin und Brandenburg liefern sich ein Wettrennen darum, wer mit Stipendien, Landprämien und Umzugshilfen der attraktivste Arbeitgeber wird.

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Lehrer sind gesucht wie nie.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Die Idee kam nicht überall gut an: Mit Gratis-Pfannkuchen und dem Spruch „Probier mal Berliner!“ umgarnte die Berliner Senatsverwaltung in den vergangenen Monaten Lehramtsstudenten in Städten wie Düsseldorf, Stuttgart oder Frankfurt (Main), um sie in den Staatsdienst der Hauptstadt zu locken. Doch damit zog Berlin den Zorn der anderen Bundesländer auf sich, die selbst genug damit zu tun haben, genügend Pädagogen zu finden. „Wir ziehen das zurück“, kündigte Berlins Bildungsstaatssekretär Max Rackles am Donnerstag im Brandenburger Landtag an, wo die Bildungsausschüsse der beiden Länder gemeinsam tagten. „Wir wollen den Konkurrenzkampf nicht auf die Spitze treiben.“

Dabei ist der Wettbewerb um angehende Pädagogen in der Hauptstadtregion so hart wie lange nicht. Das Buhlen um Lehrer gleicht inzwischen einem Überbietungswettbewerb. Stipendien, Umzugsbeihilfen, höhere Gehälter, Stundenabsenkungen – ein wenig gleicht das Ringen um die attraktivsten Arbeitsbedingungen inzwischen einem Rennen von Hase und Igel. Kaum legt ein Land vor, zieht das andere nach.

Jüngstes Beispiel: In langen Verhandlungen mit den Gewerkschaften hat sich Brandenburg auf ein Attraktivitätspaket für den öffentlichen Dienst geeinigt. Grundschullehrer – die werden besonders gesucht – werden künftig deutlich besser bezahlt, außerdem sollen Lehrkräfte mit einer Befähigung nach DDR-Recht bis 2020 besser gestellt werden. Berlin will nun nachziehen. „Wenn Brandenburg das hinbekommt, sind wir die ersten, die das aufnehmen werden“, sagte Staatssekretär Rackles.

Beide Länder müssen in den kommenden Jahren Tausende Lehrer einstellen. Mehr als 12 000 Pädagogen braucht Brandenburg bis zum Schuljahr 2029/30; das sind pro Jahr im Schnitt etwa 930. Mehr als 2000 neue Lehrer im Jahr muss Berlin als wachsende Stadt in der kommenden Zeit einstellen. Die eigenen Ausbildungskapazitäten, so viel ist klar, reichen hinten und vorne nicht. 809 angehende Pädagogen schlossen vergangenes Jahr ihr Studium an der Uni Potsdam ab, die einzige, die Lehrer in Brandenburg ausbildet.

Mehr Studienplätze und Seiteneinsteiger

Zur Deckung des künftigen Bedarfs müsste die Zahl der Lehramtsstudienplätze um 200 bis 300 erhöht werden, sagte Brandenburgs Bildungsstaatssekretär Thomas Drescher. Seit einiger Zeit laufen zwischen Land und Universität hierzu Verhandlungen. Die Materie sei komplex, hieß es gestern von Seiten der Uni. Es soll aber bald ein Ergebnis vorliegen.

Doch weil dieser Studienplatzausbau nicht reichen wird, setzen sowohl Berlin als auch Brandenburg immer mehr auf Seiteneinsteiger. Jeder fünfte neue märkische Lehrer hat inzwischen keinen klassischen Lehramts-Stallgeruch mehr. Deren Betreuung und Qualifizierung soll nun besser werden. Von 2019 an sollen sie vor dem Einsatz in einem dreimonatigen Seminar ausgebildet werden, kündigte Drescher an.

Berlin lockt mit Stipendium, Brandenburg mit Umzugshilfe

Nicht nur an Grundschulen ist der Bedarf wegen Flüchtlingskindern und gestiegener Geburtenzahlen groß. Auch in den sogenannten Mint-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – müssen Pädagogen gewonnen werden. Dafür spendiert das Land Berlin Master-Stundenten aus diesen Fächern ein Stipendium über 500 Euro pro Monat für die Dauer von zwei Jahren, wenn sie aufs Lehramt umsatteln.

Brandenburg will Lehrer gezielt aufs Land locken. Im Speckgürtel fällt die Lehrergewinnung relativ leicht, zumal Brandenburg im Gegensatz zu Berlin mit einer Verbeamtung punkten kann. Eine Zulage für Landlehrer allein reiche nicht aus, sagte Drescher. „Für 300 Euro plus geht kaum einer nach Wittenberge oder Forst.“ Dafür müsse das Land ein Willkommenpaket bieten, „mit Hilfe bei der Wohnungssuche und anderen unterstützenden Maßnahmen“, sagte er.

Diese Ankündigung weckte wiederum den Eifer auf Berliner Seite. „Wenn ich höre, dass Brandenburg jetzt auch bei der Wohnungssuche hilft, müssen wir noch eine Schippe drauflegen, vielleicht gibt’s noch ein Mofa dazu“, sagte Max Rackles. Es war als Scherz gemeint. Aber vielleicht bietet Berlin seinen neuen Arbeitskräften demnächst wirklich einen Elektroroller an. Der Kampf um die klugen Köpfe macht erfinderisch.

Von Torsten Gellner

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