Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Brandenburg will besser für Feuerwehrleute sorgen

Nach Unfalltod auf A2 (Potsdam-Mittelmark) Brandenburg will besser für Feuerwehrleute sorgen

Freiwillige Feuerwehrleute in Brandenburg sind im Vergleich mit ihren verbeamteten, hauptamtlichen Berufskollegen bislang schlechter gestellt, wenn sie verunglücken. Das soll sich ändern – eine Konsequenz aus dem tödlichen Unfall vom Dienstag.

Voriger Artikel
Merkel in Finsterwalde mit Hitler-Gruß begrüßt
Nächster Artikel
Wo die wenigsten Bürger zur Wahl gingen

Feuerwehrleute auf der Autobahn.

Quelle: Julian Stähle (Symbolbild)

Potsdam. Ehrenamtliche Feuerwehrleute und ihre Angehörigen sollen gegen die Folgen von schweren Dienstunfällen finanziell besser abgesichert werden. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) will als Reaktion auf den Lastwagenunfall vom Dienstag, bei dem zwei Feuerwehrleute auf der A 2 starben, „eine Gleichbehandlung von Haupt- und Ehrenamtlern bei der Versorgung sicherstellen“, wie sein Sprecher Ingo Decker am Mittwoch sagte. Eine Gesetzesänderung werde geprüft.

Die beiden Getöteten – 28 und 38 Jahre alt – waren zum Zeitpunkt des Autobahnunglücks für die Freiwillige Feuerwehr Lehnin (Potsdam-Mittelmark) im Einsatz. Ein Lastwagen war in eine gesicherte Unfallstelle gerast, wo die Feuerwehr gerade einen Verletzten barg.

33405a50-91fd-11e7-b43f-c74475f9103b

Zwei Feuerwehrmänner bei Einsatz auf der A 2 tödlich verunglückt: Am 5. September 2017 erkannte ein Lkw-Fahrer eine Unfallstelle zu spät, erfasste ein Polizeiauto, geriet ins Schleudern und prallte gegen ein Feuerwehrauto. Dieses kippte und fiel auf die Einsatzkräfte vor Ort.

Zur Bildergalerie

Ehrenamtliche Wehrleute sind zwar bei der Feuerwehr-Unfallkasse angemeldet, Beamte und deren Familien erhalten aber wesentlich höhere Leistungen im Fall von Invalidität, Berufsunfähigkeit oder Tod. „Angehörige von Beamten erhalten im Todesfall weiter Ruhestandsbezüge, was bei Kameraden der freiwilligen Wehren nicht der Fall ist – dabei machen sie dieselbe Arbeit“, sagt Potsdam-Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig (SPD). Eine Ausweitung der Versorgungsansprüche auf die freiwilligen Wehren sei deshalb dringend erforderlich. Nicht selten seien es gerade die Ehrenamtler, die besonders oft zu gefährlichen Einsätzen ausrückten.

„Die Lehniner Wehr ist fast jeden zweiten Tag auf der Autobahn“, sagte Blasig. Allgemein würden die riskanten Autobahneinsätze im Land Brandenburg meist von Ehrenamtlern abgedeckt. Das Unglück von Dienstag habe exemplarisch aufgezeigt, wie ungerecht die derzeitige Versorgungsregelung sei, so Blasig.

Einer der Getöteten, der Leiter der ehrenamtlichen Ortswehr, gehörte hauptberuflich jedoch der Berufsfeuerwehr Potsdam an. In Brandenburg gibt es etwas mehr als 600 hauptberufliche Feuerwehrleute – vor allem in den großen Städten. Daneben sind 38 000 freiwillige Feuerwehrleute gemeldet, aber ihre Zahl sinkt seit Jahren deutlich.

Feuerwehrverband fordert weitere Konsequenzen

Während Kriminaltechniker und Fahrzeugexperten nach der genauen Unfallursache suchen, hat der Feuerwehrverband weitere Konsequenzen aus dem Unglück geforner-Siegwart Schippel. Lastwagen müssten mit Abstandswarngeräten ausgestattet werden. „Die Technik existiert. Sie warnt den Fahrer auch, wenn er aus der Spur fährt“, erläuterte Schippel. „Die Spediteure müssen nun verpflichtet werden, ihre Fahrzeuge nachzurüsten.“

Werner-Siegwart Schippel

Werner-Siegwart Schippel.

Quelle: dpa

Immer wieder sei zu beobachten, dass viele Fernfahrer in den Lastwagen-Konvois viel zu dicht auffahren. Verstöße müssten hier schärfer geahndet werden, forderte Schippel. Generell müsse man angesichts einer prognostizierten Zunahme des Schwerlastverkehrs über Tempolimits auf weiteren Autobahnabschnitten nachdenken.

Nach Einschätzung von Heinz Rudolph, Leiter der Feuerwehrschule Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), sind Lastwagenunfälle auf den Straßen des Landes mittlerweile „auf der Tagesordnung“. Gerade der Einsatz auf den Autobahnen sei besonders gefährlich. Für konkrete Schlussfolgerungen aus dem aktuellen Unglück sei es aber noch zu früh, so Rudolph.

Lesen Sie auch:

Spendenkonto für Familien der getöteten Kameraden

Bundesweite Anteilnahme am Tod von Feuerwehrleuten

Fußballer trauern um tödlich verunglückten Kameraden

Von Ulrich Wangemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Die SPD will mit CDU/CSU über eine Große Koalition verhandeln – war das die richtige Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg