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Brandenburg Sehnsucht nach Heimat: Land wirbt für Regionalität
Brandenburg Sehnsucht nach Heimat: Land wirbt für Regionalität
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09:43 05.01.2018
In der Confiserie Felicitas in Hornow (Spree-Neiße) gibt es nicht nur Schokolade in allen Variationen, die Firma plant für Klassen eine „Schule in der Scheune“ . Quelle: Gartenschläger
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Potsdam

Thomas Skorloff bietet im Berliner Prenzlauer Berg eine ganze Palette an Produkten ausschließlich aus Brandenburg an. „Und wir sind noch längst nicht am Ende“, sagt Skorloff, der vor gut einem Jahr seinen Hofladen, die „Brandenburgerie“, eröffnete. Es kämen immer neue Produkte hinzu, die zunehmend auch dem reinen Genuss dienten, wie Champagner. Die Zeiten seien jedenfalls vorbei, als Brandenburg lediglich mit einer Liedzeile von Rainald Grebe beschrieben wurde: „Nimm dir Essen mit, wir fahren nach Brandenburg.“ Dieses Thema sei „durch“. Den Berlinern müsste man jetzt nur noch näher bringen, dass Brandenburg und Berlin eine gemeinsame Region sei. Denn ihn erstaune schon, wie unwissend häufig Kunden seien, die zu ihm kämen, so Skorloff, dessen Familie aus der Nähe von Rheinsberg stammt.

Schokolade aus der Schokoladenmanufaktur Felicitas aus Hornow Quelle: Stähle

Seine Firma sieht sich selbst als „kulinarischen Botschafter der Mark Brandenburg“. Und passt damit gut in eine neue Offensive zum Regionalmarketing, die Staatskanzleichef Thomas Kralinski (SPD) am Donnerstag vorstellte. Anliegen ist es, regionale Produkte des Landes zu stärken und die Akteure besser miteinander zu vernetzen. Es gebe angesichts von Globalisierung und Internationalisierung „eine neue Sehnsucht nach Heimat“, sagt Kralinski, einen neuen Trend zur Regionalität. „Die Menschen suchen nach dem echten Leben und dazu gehörten regionale Produkte“, so der SPD-Politiker.

Hintergrund seiner Bemühungen zum Jahresbeginn ist es auch, das Land Brandenburg bekannter zu machen. Das ist auch bitter nötig, wie eine Image-Umfrage der Staatskanzlei im Sommer des vergangenen Jahres zeigte. Das Bundesland ist in der bundesweiten Wahrnehmung ohne Profil und „nahezu ein weißes Blatt“. Um das zu ändern, wurde die Berliner Werbeagentur „Scholz & Friends“ beauftragt, eine Kommunikationsstrategie zu erarbeiten, wie Kralinski sagte. Im Frühsommer soll über erste Ergebnisse diskutiert werden.

Tomaten von Werder Frucht GmbH in Groß Kreutz (Brandenburg) Quelle: dpa

Derweil wird für brandenburgische Firmen getrommelt, die besonders stark in der jeweiligen Region verwurzelt sind. Wie das Vorzeigeunternehmen Confiserie Felicitas aus dem Spremberger Ortsteil Hornow (Spree-Neiße). Die Schokoladerie, die mit einem 200 Gramm schweren süßen Lausitzer Wolf auf dem Markt ist, fühlt sich auch auf diese Weise mit der Region verbunden. Das aus Belgien stammende Unternehmerpaar Goedele Matthyssen und Peter Bienstman haben auch in diesem Jahr viel vor, wie sie Donnerstag berichteten. Sie planen zum neuen Schuljahr eine „Schule in der Scheune“ als Erlebnisort für Schulklassen. Dort sollen Schüler mehr über Schokolade erfahren, aber auch über gesunde Ernährung. Dazu ist eine Ernährungsberaterin engagiert worden. Gedacht ist, dass Klassen ihre Wandertage dorthin unternehmen könnten, sagte Mattyssen. Sie ist sich sicher, dass die Menschen in der Region für gute Angebote dankbar seien.

Auf Regionalität setzt auch die Neuzeller Klosterbrauerei im Kreis Oder-Spree, dessen Hauptprodukt der „Schwarze Abt“ ist. Geschäftsführer Stefan Fritsche meint, dass es wenig bringe, wenn man in der Region der einzig Erfolgreiche sei, „der Einäugige unter Blinden“. Der Gesamterfolg einer Region werde vom Erfolg aller bestimmt. „Und das steigert wiederum den eigenen Erfolg.“ Er erinnert sich an die schweren Anfänge für regionale Unternehmen in Brandenburg nach der „Wende“ 1989. Alles, was aus dem Osten kam, sei abgelehnt worden. „Es gab damals eine Anti-Regionalität.“ Die Verbraucher wollten die heimischen Produkte erst einmal nicht mehr. Firmen hätten enorme Probleme bekommen. Die Produktionsanlagen seien in einem schlechten Zustand gewesen. Viele Investitionen seien nötig gewesen.

In der Klosterbrauerei Neuzelle im gleichnamigen Ort in Brandenburg gibt es Kartoffelbier Quelle: dpa

Im Fall der Klosterbrauerei, das Staatskanzleichef Kralinski „das wohl älteste Unternehmen Brandenburgs“ nannte (Mönche begannen dort 1416 mit dem Bierbrauen), kam noch ein Erschwernis hinzu, an das Fritsche Donnerstag erinnerte. „Die eigene Landesregierung wollte verbieten, dass der Schwarze Abt sich Bier nennen darf.“ Der Rechtsstreit währte über zehn Jahre und endete erst 2005. Das Bundesverwaltungsgericht gab damals der Klage von Brauerei-Chef Helmut Fritsche statt, dem Vater des heutigen Geschäftsführers. Unter Berufung auf das deutsche Reinheitsgebot von 1516 wollte der damalige Landwirtschaftsminister Zimmermann die Bezeichnung „Bier“ für das dunkle Getränk untersagen lassen. Heute produziert die Firma 40 000 Hektoliter im Jahr und produziert exotische Sorten – von Badebier, über Spargelbier bis zu Anti-Aging-Bier.

Höhepunkt für die Firmen ist die Grüne Woche in zwei Wochen in Berlin. Mit dabei wird auch die Firma Werder Frucht sein, die Früchte und Gemüse anbaut. Sie vertreibt mit der Regionalmarke „Von hier“ Produkte aus Brandenburg und Berlin unter einem Markenzeichen, wie Sebastian Schornberg von der Geschäftsleitung betonte.

Der Chef der „Brandenburgerie“ in Berlin, Thomas Skorloff, sieht die Region insgesamt gut aufgestellt. Nur in einigen Bereichen gebe es eine Unterversorgung: „Was ich mir mehr wünschte, wäre mehr Käse und mehr Brennereien.“

Von Igor Göldner

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