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Brandenburg Mindestlohn: Jeder zweite Azubi würde profitieren
Brandenburg Mindestlohn: Jeder zweite Azubi würde profitieren
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15:15 26.02.2018
Lehrling in Luckau (Brandenburg) in Konditorei.  Quelle: dpa
Potsdam

 Von der geplanten Mindestvergütung für Auszubildende könnte in Brandenburg etwa jeder zweite Lehrling profitieren. Das geht aus einer ersten Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Berlin-Brandenburg hervor. „In Ostdeutschland wird in vielen Berufen eine geringere Vergütung gezahlt als in Westdeutschland“, sagte Daniel Wucherpfennig, Abteilungsleiter Bildungspolitik, auf MAZ-Anfrage.

Ab dem 1. Januar 2020 soll es eine Mindestvergütung für Auszubildende geben. Darauf haben sich Union und SPD bei den Koalitionsverhandlungen geeinigt.

 Der Entwurf des Koalitionsvertrags lässt allerdings offen, wie hoch die Vergütung ausfallen soll. Laut einer Empfehlung des DGB soll der Mindestlohn bei 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung des jeweiligen Lehrjahrs liegen. Im ersten Jahr wären das 635 Euro. Das ist laut DGB deutlich mehr, als in vielen Branchen in der Region Berlin-Brandenburg gezahlt wird.

Dozentin Romy Budach (r.) von der Handwerkskammer in Frankfurt (Oder) (Brandenburg) betreut am 18.05.2017 die polnische Auszubildende Paulina bei ihrer Lehre zur Friseurin. Quelle: dpa-Zentralbild

So verdienen Auszubildende im Fleischerhandwerk weniger als 635 Euro, auch Bäcker oder Köche liegen unter dieser Marke, wie aus der Tarifdatenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung hervorgeht. Gerade das Bäckerhandwerk leidet unter Nachwuchsmangel. „Es gibt horrende Unterschiede in der Vergütung“, erklärte Wucherpfennig. „Dabei werden Azubis in bestimmten Branchen oft wie Arbeitskräfte eingesetzt.“

Handwerkerschaft ist skeptisch – Geld sei nicht entscheidend

In der Brandenburger Handwerkerschaft sieht man die Pläne des Bundes skeptisch. „Das Problem der vielen unbesetzten Lehrstellen im Handwerk wird nicht allein durch die Höhe der Ausbildungsvergütung bestimmt. Im Vordergrund steht bei den Jugendlichen das Inter­esse am Beruf“, sagte Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam. Die Qualität der Ausbildung, die Übernahme-Chancen oder das Betriebsklima seien wichtiger, als die Höhe der Ausbildungsvergütung. Es sei im internationalen Vergleich keineswegs selbstverständlich, dass für eine Lehre überhaupt etwas gezahlt werde.

„In vielen Ländern muss der Lebensunterhalt während der Ausbildung anderweitig finanziert werden“, so Bührig. In einigen Berufen würden Azubis bereits im dritten Lehrjahr mehr als 1110 Euro erhalten. „Sollten Handwerksbetriebe durch Mindestausbildungsvergütungen überfordert werden, besteht die Gefahr, dass das hohe Ausbildungsengagement zurückgeht“, warnte er. Es drohe der Verlust der Ausbildungsvielfalt im Handwerk.

IHK kritisiert Einkommensschere zwischen Ost und West

Ähnlich argumentierte Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam. „Es ist wichtig, dass wir alles dafür tun, um die duale Ausbildung weiter zu stärken“, sagte er. Entscheidend sei aber nicht so sehr, ob ein Lehrling 100 Euro mehr oder weniger erhalte. „Studenten bekommen auch kein Geld“, so Tobias. Gleichwohl habe die Studierneigung in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen – zu Lasten der Ausbildungsbetriebe. Das sei von der Politik forciert worden.

Eine Ausbildungsvergütung sei kein Lohn, betonte Wolfgang Krüger, Chef der IHK Cottbus. Allerdings sei es auch ein „Relikt der Vergangenheit“, dass die Ausbildungsvergütung im Osten zum Teil 20 Prozent unter dem Westdurchschnitt liegen könne.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Beitrags stand unter Berufung auf die Tarifdatenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung, Fleischer in Brandenburg würden im ersten Lehrjahr 310 Euro pro Monat verdienen. Martin Stock, Geschäftsführer der Fleischerinnung, weist darauf hin, dass es seit rund drei Jahren eine Verbandsempfehlung gibt, die im ersten Ausbildungsjahr 500 Euro vorsieht. Diese Werte seien Mindestvergütungen, in vielen Betrieben werde aber mehr gezahlt.

Von Torsten Gellner

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