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Brandenburger Banken verstecken Dispozinssätze

Neues Gesetz für mehr Transparenz Brandenburger Banken verstecken Dispozinssätze

Dispo-Fallen lauern überall: Zur kurzfristigen Überbrückung von Finanzlücken nehmen viele Kunden teure Überziehungskredite in Anspruch. Aber während man fürs Sparguthaben mickrige Zinsen von 0,01 Prozent bekommt, schlagen die Überziehungszinsen mit 10 Prozent und mehr zu Buche. Mancher Bank ist das offenbar peinlich.

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Dispozinsen können teuer werden.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam.  Die Waschmaschine geht kaputt, der Werkstattbesuch fällt teurer aus als geplant – Dispo-Fallen lauern überall: Zur kurzfristigen Überbrückung von Finanzlücken nehmen viele Bankkunden teure Überziehungskredite in Anspruch. Mit Zinssätzen von oft mehr als zehn Prozent sind sie Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. Zumal Tagesgeld- und Girokonten derzeit so gut wie keine Zinsen bringen. Nun werden Banken verpflichtet, Kunden, die längere Zeit ihren Disporahmen in Anspruch nehmen, besser über Alternativen zum Dispo-Kredit aufzuklären. Der Bundestag stimmt am 18. Februar über ein entsprechendes Gesetz ab.

Ein Ratenkredit ist oft günstiger

Das sei überfällig, heißt es bei der Brandenburger Verbraucherzentrale. „Gerade Kunden mit niedrigem Geldeingang haben Probleme, aus der Schuldenfalle rauszukommen“, sagte Sylvia Schönke vom Beratungszentrum Potsdam. „Sie merken, dass das Minus immer größer wird. Vielen wird dann erst klar, dass sie sehr hohe Überziehungszinsen zahlen.“

Viele wären mit einer Umschuldung besser beraten. Ein Ratenkredit sei in der Regel deutlich günstiger als ein Dispokredit. „Man muss aber realistisch einschätzen, ob man die Raten auch bedienen kann“, so Verbraucherschützerin Schönke.

Transparenz? Bisweilen Fehlanzeige

Künftig sollen Banken außerdem dazu verpflichtet werden, den Dispo-Zinssatz auf ihrer Internetseite gut sichtbar zu veröffentlichen. Das ist auch in Brandenburg noch nicht bei jeder Bank der Fall. Beispiel Volks- und Raiffeisenbank Prignitz. Hier erfährt man den Dispozinssatz (10,3 Prozent) nur in der Filiale oder online, wenn man bereits Kunde ist.

Diese Art der Geheimniskrämerei ist für Ulrich Kelber (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, „schlicht ein Fall von unseriösem Geschäftsgebaren“. Auch Verbraucherschützerin Schönke bestätigt: „Man muss oft lange suchen oder findet die Zinssätze gar nicht.“ Mehr Transparenz, argumentiert sie, würde den Wettbewerb ankurbeln und niedrigere Zinssätze zur Folge haben.

Beim Genossenschaftsverband heißt es auf Anfrage: „Nach aktueller Rechtslage müssen Zinsen von Dispokrediten nur dann im Internet veröffentlicht werden, wenn dieses Zusatzprodukt zum normalen Girokonto auch über das Internet abgeschlossen werden kann. Dies ist je nach Vertriebsweg jedoch nicht bei allen Kreditinstituten der Fall.“

Keine Obergrenze für Zinssätze

Eine Deckelung der Dispozinsen, wie sie etwa die Linke fordert, sieht das Gesetz nicht vor. Verbraucherschützerin Sylvia Schönke ist deswegen enttäuscht. Helge Reiter, Sprecher der Sparkasse Prignitz, verweist auf die geltende Rechtslage: Die Politik habe beschlossen, den Dispositionszinssatz an einen Referenzzinssatz zu koppeln. „Daran halten wir uns.“

Laut einer Umfrage des Instituts Ipsos nimmt jeder Vierte seinen Dispo mindestens einmal im Jahr in Anspruch. Der Großteil der Kreditnehmer bleibt aber den eigenen Angaben zufolge unter der 500 Euro Marke. Fast zwei Drittel der Befragten fordern eine Obergrenze für Dispo-Sätze.

Von Torsten Gellner

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