Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Bauernbund bezeichnet Insektensterben als „Agrarlüge“
Brandenburg Bauernbund bezeichnet Insektensterben als „Agrarlüge“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:44 25.03.2019
Naturschützer warnen vor einem Insektensterben. Der Bauernbund spricht von einer Lüge. Quelle: dpa
Potsdam

Landwirte tragen aus Sicht des Brandenburger Bauernbunds gar keine Mitschuld am Insektensterben. „Die Behauptung des Nabu, in den letzten 25 Jahren sei die Masse der Insekten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen, können wir nicht nachvollziehen“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel. „Fest steht allerdings, dass sich auf landwirtschaftlicher Seite die Lebensbedingungen für Insekten in den letzten 25 Jahren nicht verschlechtert haben.“

Aus Sicht des Bauernbundes haben sich die Lebensbedingungen für Insekten in Brandenburg sogar in den vergangenen 25 Jahren verbessert. „Der Anteil der Kulturen, wo Insektenbekämpfungsmittel eingesetzt werden, liegt nach wie vor unter fünf Prozent der Landesfläche und die Mittel sind bienenschonender geworden, der Anteil des artenreichen Dauergrünlandes hat sich sogar erhöht und seine Nutzung ist deutlich extensiver geworden, der Anteil des ökologischen Landbaus hat sich verdoppelt und der Naturschutzgebiete vervierfacht“, sagte Kiesel unter Berufung von Agrardaten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg.

Kritik am Insektengipfel von Vogelsänger

Allerdings bezieht sich der Bauernbund in seiner Auflistung explizit auf Insektizide, die beim Raps-, Kartoffel-, Obst- und Gemüseanbau zum Einsatz kommen, und deren Anbaufläche sich nicht nennenswert verändert hat. Naturschutzverbände sehen aber auch in der weit verbreiteten Nutzung von Herbiziden wie Glyphosat eine Ursache für das Insektensterben.

Am Montag findet in Potsdam auf Einladung von Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) ein Insektengipfel statt. Im Vorfeld hatte der Naturschutzbund Nabu vor einer reinen Showveranstaltung gewarnt. Der Nabu und der BUND bereiten derzeit eine Volksinitiative gegen Artensterben vor, die zu Ostern starten soll.

Jung beklagt Heuchelei

Der Naturschutzbund beruft sich unter anderem auf die die sogenannte Krefelder Studie, die einen dramatischen Rückgang von Fluginsekten zwischen 1989 und 2016 um 76 Prozent dokumentiert. Dazu hatten sie in 63 deutschen Schutzgebieten, darunter auch in Brandenburg, den Inhalt von Insektenfallen gewogen. Die Studie steht allerdings auch wegen systematischer Fehler in der Kritik.

Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung sprach am Wochenende sogar von einer Insektenlüge: „Die Insektenlüge ist die größte Agrarlüge seit BSE“, sagte er als Gast der Hauptversammlung des Brandenburger Imkerverbands. „Das Schlimmste aber ist die Heuchelei der selbst ernannten Bienenfreunde, die mit ihren kommerziellen Hetzkampagnen gegen uns Bauern das gute Gefühl verkaufen, etwas für die Umwelt getan zu haben.“

Von Torsten Gellner

„April, April, der macht was er will“: Diese alte Bauernregel trifft am Montag auf das Wetter in Brandenburg und Berlin zu. Von Graupelschauern bis Sonnenschein ist alles dabei.

25.03.2019

Attacke mit spitzem Schnabel wie im Horrorfilm „Die Vögel“: Kolkraben bereiten Schäfern in Sachsen und Brandenburg Sorge. Vor allem im Frühjahr, wenn die Lämmer geboren werden, lauern die Vögel.

25.03.2019

Brandenburgs Agrarminister lädt zum Insektengipfel. Offenbar ist Jörg Vogelsänger (SPD) aufgeschreckt. Viel wird dabei wohl nicht herauskommen, deswegen ist die Skepsis der Umweltverbände auch gerechtfertigt, meint MAZ-Redakteur Torsten Gellner.

24.03.2019