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Brandenburger Firmen im Visier von Hackern

IT-Sicherheit Brandenburger Firmen im Visier von Hackern

Sie sind innovativ und erfolgreich am Markt, aber sind nur unzureichend gegen Cyber-Attacken geschützt: Brandenburger Firmen stehen zunehmend im Visier ausländischer Nachrichtendienste. Die Hacker im Staatsauftrag wollen sensible Informationen abgreifen. Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

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Besonders die Netzwerke mittelständischer Unternehmen sind Angriffsziel von Wirtschaftsspionen.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Spitzel, Spione und Saboteure: Brandenburger Unternehmen geraten nach Einschätzung von Sicherheitsexperten zusehends ins Visier ausländischer Nachrichtendienste – die Angreifer kommen vorwiegend aus Russland, China, Iran und Pakistan. 2016 verzeichnete der Brandenburger Verfassungsschutz bereits 14 Verdachtsfälle, wie Mario Faßbender, im Innenministerium zuständig für Wirtschaftsschutz, der MAZ am Montag am Rande einer Fachtagung bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) in Potsdam sagte. Laut ILB-Chef Tillmann Stenger entsteht der deutschen Wirtschaft jährlich durch Cyber-Angriffe ein Schaden von 46 Milliarden Euro. Das entspreche 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Für Hacker im Auftrag fremder Staaten gilt der maßgeblich durch kleine und mittlere Unternehmen geprägte deutsche Wirtschaftsraum als attraktives Ziel. Mittelständische Unternehmen verfügen im Gegensatz zu Großkonzernen üblicherweise nicht über eine ausgeklügelte IT-Sicherheitsarchitektur, um sich gegen die Attacken zu schützen. „Die Angriffsfläche wächst insbesondere mit der Industrie 4.0“, sagte Bundesverfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen unter Verweis auf die fortschreitende Digitalisierung von Produktionsprozessen. „Wir wissen, dass einzelne Dienste Einkaufslisten haben, die teilweise von der Regierung zusammengestellt sind.“ Es sei auch wahrscheinlich, dass Unternehmen etwa aus den USA in Deutschland gezielt Industriespionage betrieben, sagte Maaßen.

Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sieht vor allem mittelgroße Unternehmen im Fadenkreuz, die in ihrem Bereich zu den Marktführern von internationaler Bedeutung zählen. Unter deutschlandweit 1600 sogenannten „Hidden Champions“ seien drei aus Brandenburg: der Spezialfolienhersteller Orafol in Oranienburg (Oberhavel), der Papierproduzent Leipa in Schwedt/Oder (Uckermark) und der Schneidwerkzeugspezialist BE Maschinenmesser in Spreenhagen (Oder-Spree). Schröter warb um mehr Sensibilität für Cyber-Gefahren. Unternehmen müssten ihr Know-how – ihre „Kronjuwelen“ – schützen, sagte der Innenminister. „Wirtschaftsschutz ist eine ureigene Aufgabe der Unternehmen selbst.“

Erst vor wenigen Wochen wurde der Sanitärausstatter Franke Aquarotter in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) Opfer eines sogenannten Spoofing-Versuchs. Kriminelle fingierten eine E-Mail eines angeblichen Vorgesetzten mit einer Zahlungsaufforderung in beträchtlicher Höhe. Geschäftsführer Oliver D. Gessert wurde skeptisch. Seine kritische Nachfrage bei der Schweizer Mutter vereitelte einen erfolgreichen Betrug.

Laut Innenminister Schröter ist Cyber-Kriminalität allgemein ein wachsender Phänomenbereich. Das Brandenburger Landeskriminalamt (LKA) zählte im vergangenen Jahr 837 Fälle. Offiziell entstand 2015 ein Schaden von 230.000 Euro. Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Opfer wenden sich offenbar aus Scham nicht an die Sicherheitsbehörden. Besonders Unternehmen fürchten wohl um einen Image-Verlust.

Polizei und Verfassungsschutz wollen diese Sorgen zerstreuen. Die Tagung am Montag war laut Bundesverfassungsschutz-Chef Maaßen Auftakt einer bundesweiten „Roadshow“. In Brandenburg folgen drei Regionalveranstaltungen.

Wie sich Unternehmen gegen Cyber-Angriffe wappnen

Mehr IT-Sicherheit erreichen Unternehmen durch technische (Einsatz von Schutz- und Verschlüsselungssoftware), organisatorische (Umsetzung von Datenzugriffs-Regelungen), personelle (Mitarbeiterschulungen) und Zertifizierungsmaßnahmen, wie der Digitalverband Bitkom rät.

Die Initiative Wirtschaftsschutz – gemeinsam initiiert von Staat und Wirtschaft – informiert im Internet unter www.wirtschaftsschutz.info über
Cyber-Sicherheit.

Polizei und Verfassungsschutz in Brandenburg beraten Firmen zu Fragen der IT-Sicherheit. Bei der Investitionsbank des Land Brandenburg (ILB) gibt es Infos zu Fördermöglichkeiten.

Regionale Info-Veranstaltungen finden in Schwedt/Oder (13.09.2016), Wildau (15.09.2016) und Cottbus (16.09.2016) statt.

Von Bastian Pauly

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