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Brandenburger Händler halten an Kleingeld fest

Ein- und Zwei-Cent-Münzen Brandenburger Händler halten an Kleingeld fest

Im nordrhein-westfälischen Kleve probt man einen kleinen geldpolitischen Aufstand: Die Händler wollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus der Stadt verbannen. Beim Handelsverband Berlin-Brandenburg ruft der Feldversuch nach niederländischem Vorbild Skepsis hervor – auch wenn sich mancher für die Idee begeistern kann.

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Vergessene Spareinlage: Jeder Deutsche hortet laut Bundesbank durchschnittlich 208 Münzen zum Wert von einem und zwei Cent.

Quelle: dpa

Potsdam. „Moment, ich hab’s passend“ – dieser gut gemeinte Zuruf ans Kassenpersonal kann am anderen Ende der Warteschlange leicht als Drohung verstanden werden. Scheinbar endloses Kramen im Portemonnaie nach Kupfergeld ist schließlich auch Händlern ein Grauen. „Das hält den ganzen Betrieb auf“, sagt Wolfgang Cornelius. Lange Jahre führte er eine Parfümerie auf Potsdams Prachtmeile in der Brandenburger Straße, als Ruheständler ist der nunmehr 80-Jährige Chef des Vereins AG Innenstadt Potsdam geblieben. Der Branchenvertreter blickt hinüber ins ferne Kleve, unweit der niederländischen Grenze, und meint: „Die Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus dem Verkehr zu ziehen, wäre für alle eine Erleichterung.“

Kleve schafft Ein- und Zwei-Cent-Münzen ab

In der nordrhein-westfälischen Kleinstadt machen sie neuerdings ihre eigene Geldpolitik. Die unliebsamen Ein- und Zwei-Cent-Stücke haben abgewirtschaftet, zumindest wenn es nach dem Klever City Netzwerk geht. Per Rundschreiben appellierte der Händlerklub an die gut 800 Vertreter der Stadt, ganz auf das unwirtschaftliche Kleinstgeld zu verzichten und stattdessen auf Fünf-Cent-Beträge auf- oder abzurunden – wie man es in der benachbarten Niederlande schon lange macht. Die Teilnahme ist für Händler wie Kunden freiwillig, doch die Aktion ist erfolgreich angelaufen.

Die märkischen Kollegen beäugen den Feldversuch überwiegend skeptisch, wie Günter Päts aus Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin), Vize-Chef des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Er verweist auf die Lebensmittelbranche. Dort herrsche ein hoher Wettbewerb, die Margen seien gering, die Masse bestimme über volle oder leere Kassen. „Im Lebensmittelhandel können Cent-Beträge entscheidend sein“, sagt Päts. Und der Kunde verfolge genau, ob die Tüte Milch 52 oder 58 Cent koste. „Das ist ein wichtiger Werbeeffekt.“

Vorteile für Händler und Kunden

Gleichwohl steht es Händlern frei, ihre Preise so zu kalkulieren, dass an der Kasse keine krummen Beträge fällig werden. Die Branche aber scheut sich davor, die 99-Cent-Schwellenpreise auf den vollen Euro aufzurunden – aus Angst, die Kunden könnten ausbleiben. Das Klever Modell wäre eine Kompromissformel, da erst am Ende der Rechnung auf- oder abgerundet wird.

Das würde beiden Seiten einiges sparen: Die Kunden dürften sich über leichtere Portemonnaies freuen. Und die Händler könnten sich nicht mehr darüber beklagen, dass Banken für die Abnahme von Münzrollen bis zu einem Euro verlangen.

Europäische Zentralbank muss Milliarden Münzen nachpressen

Die Lebensweisheit „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ scheint ohnehin zusehends an Bedeutung zu verlieren. Laut Umfragen sind die meisten Deutschen der Ein- und Zwei-Cent-Stücke überdrüssig. Überall im Euro-Raum müssen Milliarden Münzen ein vergessenen Dasein in Gurkengläsern, Sofaritzen oder Staubsaugerbeuteln fristen. Weil das Kupfergeld flüchtig ist, musste die Europäische Zentralbank (EZB) seit der Euro-Einführung 2002 die Menge ausgegebener Zwei-Cent-Münzen auf 24 Milliarden vervierfachen, die der Ein-Cent-Münzen auf 31 Milliarden sogar verfünffachen. Die Bundesbank hat errechnet, dass jeder Deutsche 208 Münzen dieser Stückelungen hortet. Nur ein Bruchteil davon, jede vierte Zwei- und jede fünfte Ein-Cent-Münze, verbleibt im täglichen Zahlungsverkehr.

Drogeriemarkt-Kette setzt von sich aus auf runde Preise

Neben der Niederlande versuchen es auch Belgien, Finnland, Irland und Ungarn, den Zahlungsverkehr mit Auf- und Abrunden an der Ladenkasse effizienter abzuwickeln. In Deutschland ist es die Drogeriemarkt-Kette dm, die ausschließlich Preise anbietet, die auf 0 oder 5 Cent enden.

Auch Wolfgang Cornelius von der AG Innenstadt Potsdam kann mit allzu penibler Preispolitik nichts anfangen. „Was nützt es, dass Händler messerscharf kalkulieren, wenn die Preise auf dem Markt nicht durchzusetzen sind?“ Entscheidend sei vielmehr der Wettbewerb. Der einstige Parfümerie-Inhaber ist überzeugt: Wenn es darum geht, Produkte zu verkaufen, kommt es auf einen oder zwei Cent nicht an.

Von Bastian Pauly

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