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Brandenburger Kliniken auf dem Prüfstand

AOK-Krankenhaus-Report-2017 Brandenburger Kliniken auf dem Prüfstand

Übung macht den Meister – auch im OP? Die AOK fordert, dass Krankenhäuser Mindestmengen an Operationen durchführen, damit sie diese weiter anbieten dürfen. Die Pläne würden viele der 53 Kliniken im Land Brandenburg treffen, vor allem Entbindungsstationen.

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Krankenkassen plädieren für mehr Routine bei den Operationen – hier Chirurgen bei einem Eingriff.

Quelle: Foto: Jochen Tack

Potsdam. Viele Krankenhäuser in Deutschland verfügen nach Darstellung der AOK-Krankenkassen bei bestimmten Eingriffen über zu wenig Erfahrung. Je häufiger Eingriffe vorgenommen würden, desto besser seien die Behandlungsergebnisse und desto geringer das Risiko für Patienten, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des aktuellen Krankenhaus-Reports 2017.

Die AOK fordert, dass die Kliniken Mindestmengen an Operationen durchführen, um mehr Routine zu gewinnen. Bislang gilt die gesetzliche Mindestmengenregelung für nur sieben komplexe Leistungsbereiche. Dazu zählen Nierentransplantationen, Kniegelenkersatz-OPs sowie die Versorgung von Frühchen. Eine Mindestmengenregelung bedeutet, dass die Kliniken eine bestimmte Anzahl an Operationen durchführen müssen, damit sie diese weiter anbieten dürfen. Dadurch sollen die Ärzte mehr Routine gewinnen.

Krankenhausgesellschaft warnt vor weitreichenden Folgen

Die Regelungen sollen verschärft werden, wenn es nach der Kasse geht. Mindestmengen soll es nach Vorstellungen der AOK auch beim Hüftgelenkersatz, bei Schilddrüsen- und Brustkrebsoperationen oder bei der Geburtshilfe geben.

Die Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg (LKB) warnte vor den Folgen:„Was die AOK hier fordert, läuft auf tiefgreifende und dazu noch ungesteuerte Strukturveränderungen der stationären Gesundheitsvorsorge hinaus“, sagt LKB-Geschäftsführer Jens-Uwe Schreck.

Denn die AOK-Pläne treffen viele der 53 Kliniken im Land Brandenburg, vor allem Entbindungsstationen: So fordert die AOK etwa, dass eine Klinik mindesten 500 Geburten im Jahr nachweisen muss. „Nur so kann sichergestellt werden, dass 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ein Facharzt präsent ist“, sagt Litsch. Dies sei wichtig, weil in der Geburtshilfe jederzeit eine komplizierte Situation auftreten kann.

Versorgungsprobleme in ländlichen Regionen

Allerdings können viele Brandenburger Krankenhäuser dieses Mindestmaß nicht erfüllen. So vermeldete die Lausitz Klinik Forst im vergangenen Jahr 475 Geburten – und liegt damit unter der geforderten Mindestmenge von 500 Geburten.

Sinkende Geburtenzahlen und entsprechend weniger Fachpersonal hatten bereits dazu geführt, dass die Geburtstation im Bad-Belziger Ernst-von-Bergmann-Klinikum im Jahr 2015 geschlossen wurde. Die nächste Geburtsstation ist knapp 40 Kilometer entfernt, in Brandenburg an der Havel. „Wenn, wie von der AOK gefordert, in einem Krankenhaus eine Untergrenze von 500 Geburten pro Klinik eingehalten werden soll, würden die Standorte im Land weiter ausgedünnt. Gerade in einem Flächenland wie Brandenburg muss aber die Versorgung gesichert sein“, fordert Schreck. Es würde einen Unterschied machen, ob ein Patient eine Hüftoperation mit Termin plant oder eine Hochschwangere entbindet. „Eine wohnortnahe Versorgung muss gewährleistet sein.“

„Der Patient wird verunsichert“

Trotzdem lehnt die LKG mehr Mindestmengen bestimmter Behandlungen nicht grundsätzlich ab. Voraussetzung sei aber, dass dadurch nachweislich die Behandlungsqualität steigt und dies nicht das alleinige Kriterium ist. „Der Patient wird verunsichert, denn wie oft eine bestimmte Behandlung in einer Klinik durchgeführt wird, ist kein alleiniger Maßstab für die Qualität“,

Ähnlich kritisch sieht auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Mindestmenge: „Die Logik, bei 50 Operationen darf man, bei 49 nicht, ist nicht nachvollziehbar und dient auch nicht der Sicherung der Versorgung, die zum Beispiel bei 75 .000 Schilddrüsenoperationen auch in der Fläche gesichert werden muss“, sagt DKG-Geschäftsführer Georg Baum.

Von Diana Bade

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