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Mittenwalde hat den Höchsten

Brandenburger Superlative: St.-Moritz-Kirche Mittenwalde hat den Höchsten

Gut 350 Menschen finden in der St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde Platz, hoch oben auf der Galerie thront die imposante Orgel. Mindestens eben so beeindruckend ist der Turm der Kirche. Und eine Warnung an alle Kirchenturm-Besteiger: nach der Plattform geht es noch lange, lange weiter.

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Der höchste kirchliche Guck-ins-Land steht in Mittenwalde.

Quelle: Foto: stähle

Mittenwalde. Es ist so windig, dass sich die kleine Tür nach draußen nur schwer öffnen lässt. Noch ein letztes Mal den Kopf einziehen, dann ist das Ziel erreicht. „An klaren Tagen können wir von hier oben den Berliner Fernsehturm sehen“, sagt Christoph Kurz, Pfarrer der St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde (Dahme-Spreewald). Heute bleibt dieser Blick verwehrt, in der Ferne hängen tiefe Wolken. Der Ausblick von Brandenburgs höchstem begehbaren Kirchturm ist dennoch einzigartig: grüne Felder so weit das Auge reicht, Idylle pur in 50 Metern Höhe.

Bevor dieser Ausblick genossen werden kann, ist ein Stück Weg zurückzulegen. 190 Stufen. Man freue sich nicht zu früh, wenn bereits nach 99 Stufen eine vielversprechende Plattform erreicht ist – das ist noch nicht das Ziel! Kurz ausruhen ist möglich und ein erster Vorgeschmack auf das, was ganz oben wartet. Dann geht es vorbei an den drei Kirchenglocken – Stahlgussglocken aus dem Jahr 1956. Sie wurden damals zu Pfingsten in den Dienst genommen – der Überlieferung nach war das Dorf auf den Beinen, als die Glocken vom Bahnhof zur Kirche transportiert wurden, erzählt Christoph Kurz. Von Hand geläutet werden sie schon lange nicht mehr, seit Anfang der 1990er-Jahre. Die Öffnungen im Boden, durch die einst die Seile zum Läuten mit der Hand gespannt waren, sind aber trotzdem noch da – mit Brettern verriegelt, versteht sich.

Der Turm der St.-Moritz-Kirche in Mittenwalde misst stolze 67 Meter. Besteigen kann man ihn immer, wenn die Kirche geöffnet ist: von Ostern bis zum Reformationstag jeden Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr.

Der höchste kirchliche Guck-ins-Land steht in Mittenwalde

Der höchste kirchliche Guck-ins-Land steht in Mittenwalde.

Quelle: Stähle

Aber auch außerhalb dieser Zeit ist das Gotteshaus nicht vollständig geschlossen. „Seit die Sanierung im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde, können Besucher vom Foyer aus einen Blick in das Innere unseres Kirchenschiffs werfen“, erklärt Pfarrer Kurz‘ Frau Monika – eine große Glasfront macht’s möglich. Sie gibt den Blick frei auf das eindrucksvolle Sternrippengewölbe mit einzigartigen Malereien. „Diese Kunstwerke waren viele Jahre verborgen und wurden erst während der Restaurierung entdeckt und nachgezeichnet“, sagt die 56-Jährige.

Ein weiterer Blickfang ist der Flügelaltar aus dem Jahr 1514 – ein Geschenk der dänischen Prinzessin Elisabeth, Ehefrau des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I. „Die Gemälde, die zu sehen sind, wenn der Altar geschlossen ist, entstammen der Cranach-Schule“, sagt Christoph Kurz. Der Mittenwalder Altar ist jedoch meist geöffnet und Besucher können seine Festtagsseite sehen. Die geschlossene Seite kommt am 4. Advent zum Einsatz. Sie zeigt in der Mitte die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria, dass sie durch den heiligen Geist Gottes schwanger werden und ein Kind gebären wird – eben jene Verkündigung, die zum weihnachtlichen Gottesdienst gelesen wird.

Gut 350 Menschen finden in der Kirche Platz, hoch oben auf der Galerie thront die imposante Orgel. Sie wurde 1787 vom Orgelbauer Grüneberg in Brandenburg/Havel im Stil des reinen Rokoko gebaut. Die Orgel hat über 1500 Pfeifen.

Das Dorf Mittenwalde fand erstmals im Jahr 1255 Erwähnung, das Stadtrecht erhielt der Ort 1307. Aus dieser Zeit stammen auch die unteren Bauten der Backstein-Kirche. Die heutige Gestalt des Inneren der Kirche stammt aus der Zeit um 1480. Der Kirchturm wurde vom Berliner Architekten Ernst Jacobsthal entworfen und der Neubau 1877 vollendet.

Als nächsten brandenburgischen Superlativ stellen wir das erste Zoomobjektiv eines Filmprojektors aus Rathenow vor. Alle Beiträge der Serie unter www.MAZ-online.de/superlative

Von Josephine Mühln

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