Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Brandenburger fürchten den Brexit

Wirtschaft ist nervös Brandenburger fürchten den Brexit

Am 23. Juni entscheidet sich, ob Großbritannien in der EU bleibt oder „Good bye“ sagt. Wenige Tage vor der Abstimmung wächst auch hierzulande die Nervosität. Schließlich machen Brandenburger Firmen Geschäfte mit der Insel. Der Beratungsbedarf steigt, die Unsicherheit ist groß.

Voriger Artikel
Brandenburgs Schäfer kommen auf den Hund
Nächster Artikel
Lausitz bereitet sich aufs Kohle-Aus vor

Beim Turbinenbauer Rolls-Royce in Dahlewitz (Teltow-Fläming) ist der Brexit Kantinenthema.

Quelle: AFP

Potsdam. Wenige Tage vor der Abstimmung über einen EU-Ausstieg Großbritanniens wächst auch in Brandenburgs Chefetagen die Nervosität. Der Beratungsbedarf steigt: „Wir verzeichnen stärkere Nachfrage einiger Firmenkunden nach Kurssicherungsmaßnahmen“, sagte Andreas Schulz, Vorstandsvorsitzender der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS). „Unter einer allgemeinen Konjunktureintrübung würden wir natürlich alle leiden. Unsicherheit mag die Wirtschaft nicht.“

Brexit ist Kantinenthema

Eine Reihe von märkischen Firmen pflegen Geschäftsbeziehungen zu Großbritannien, wie etwa der Holzwerkstoffproduzent Swiss Kronotex in Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin). Vertriebsleiter Robert Schneider befürchtet steigende Verwaltungskosten, sollte sich die britische Regierung im „Brexit“-Fall von europäischen Produkt- und Zahlungsnormen verabschieden. „Unser Exportanteil beträgt mehr als 70 Prozent. Großbritannien ist ein wichtiger Abnehmer.“

Einer der wichtigsten Arbeitgeber Brandenburgs stammt selbst aus Großbritannien: der in Dahlewitz (Teltow-Fläming) ansässige Turbinenbauer Rolls-Royce. Dort arbeiten Briten und Brandenburger nebeneinander, in der Kantine ist der Brexit Thema. Offiziell will das Unternehmen sich aber an keinen Spekulationen beteiligen. „Jede Unsicherheit ist schlecht für ein Geschäft“, sagte ein Unternehmenssprecher. „Die Entscheidung liegt bei der britischen Bevölkerung.“

Unternehmer warnen vor „großer Gefahr“

Verkehrstechnologien, Elektronik und Nahrungsmittel werden von Brandenburg nach Großbritannien ausgeführt. Aber nicht nur Exportfirmen wären betroffen, auch ihre Zulieferer, erklärte Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg. Der Handel würde erschwert und verteuert, ein Austritt wäre eine „große Gefahr“ für die Zukunft Europas“, so Amsinck. „Die Unternehmen in Berlin und Brandenburg verfolgen deshalb die Diskussion über einen möglichen Austritt mit großer Sorge und hoffen darauf, dass die Briten in der EU bleiben.“

Finanzmärkte reagieren turbulent

An den Finanzmärkten wird die Abstimmung am 23. Juni mit Argwohn beobachtet. Schon jetzt sei das britische Pfund unter Druck, erklärte MBS-Chef Andreas Schulz. „Eine Ablehnung des Brexits könnte für Kurssprünge sorgen“, sagte er. Auch die Aktienmärkte reagieren nervös. Der Deutsche Aktienindex gab am Montag weiter nach.

„Unsere märkische Wirtschaft profitiert von einer großen starken Union mit Großbritannien“, sagte Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Potsdam. „Immerhin unterhalten rund 300 Brandenburger Unternehmen mit einem Exportvolumen von fast 470 Millionen Euro Geschäftsbeziehungen zu britischen Firmen.“

Von Torsten Gellner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg