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Brandenburger halten nichts von den Giga-Linern

Gigaliner auf märkischen Straßen Brandenburger halten nichts von den Giga-Linern

81 Prozent der Brandenburger sind gegen die Zulassung der umstrittenen 25-Meter-Lkw auf deutschen Straßen. Das zeigt eine MAZ-Umfrage. Damit ist die Ablehnung größer als im Bundesschnitt. Der fünfjährige Feldversuch des Bundes endet in Kürze. In der Mark setzten bisher nur zwei Spediteure die Riesentrucks testweise ein.

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Das Bildk zeigt einen Gigaliner

Quelle: ACV Automobil-Club Verkehr

Potsdam. Bei 81 Prozent der Brandenburger stößt der geplante Einsatz von 25 Meter langen Lastwagen auf deutschen Straßen auf Ablehnung. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage für die „Märkische Allgemeine“ befürworten nur 15 Prozent die Regelzulassung der Riesen-Lkw, die fast sieben Meter länger sind als bisherige Gespanne. Die MAZ-Umfrage zeigt auch, dass mit zunehmendem Alter die Ablehnung wächst. Bei den Befragten, die 60 Jahre und älter sind, sprechen sich 92 Prozent gegen die XXL-Fahrzeuge aus. Unter den 18- bis 29-Jährigen lehnen zwei Drittel die Lang-Lkw ab.

Auch die politische Einstellung spielt eine Rolle. Noch die meisten Befürworter finden sich unter CDU-Wählern. Doch auch bei den Anhängern der Partei sind nur 22 Prozent für die Riesen, mehr als drei Viertel aber dagegen. Vor allem CDU und CSU machen sich seit Jahren im Bund für die XXL-Laster stark, die einige Spediteure und Autokonzerne als großen Fortschritt betrachten. Die größte Ablehnung der „Monster-Trucks“ gibt es mit 96 Prozent unter den Wählern der Grünen. Bei den AfD-Anhängern im Land sind 89 Prozent dagegen, bei den Linken 87 Prozent und bei der SPD 82 Prozent.

Ablehnung ist größer als im Bundesdurchschnitt

Insgesamt ist in Brandenburg mit 81 Prozent die Ablehnung noch größer als im Bundesdurchschnitt. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der „Allianz pro Schiene“ hatte im Sommer ermittelt, dass 72 Prozent der Bundesbürger keine Regelzulassung der Lang-Lkw wollen. Befürchtet werden demnach vor allem ein höheres Unfallrisiko zum Beispiel beim Überholen, ein teurer Umbau der Infrastruktur und mehr umweltschädliche Straßentransporte, weil noch mehr Fracht von der Schiene auf Lkw verlagert werden könnte.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht in dem größeren Ladevolumen dagegen Transport- und Umweltvorteile und will die Regelzulassung sogar europaweit durchsetzen. Der fünfjährige „Feldversuch“ läuft Ende 2016 aus. Nach bisheriger Einschätzung der Regierung und der Befürworter in der Logistikbranche verlief der Test positiv.

Feldversuch mit mäßiger Beteiligung

Allerdings meldeten sich bis Sommer nur 56 Unternehmen mit 145 Lastern an. Kritiker bezweifeln daher, dass der Feldversuch belastbare Ergebnisse zum Beispiel zur Unfallgefahr bringt. In Brandenburg haben lediglich zehn Spediteure, die hier ihren Sitz oder eine Niederlassung haben, Fahrten mit Lang-Lkw bei der Bundesanstalt für Straßenwesen angemeldet. Doch nur zwei Spediteure setzen die 25-Meter-Laster seit einigen Monaten tatsächlich auch ein. Das bestätigte der Sprecher des Infrastrukturministeriums in Potsdam, Steffen Streu. „Bisher hat es keine Unfälle gegeben, an denen Lang-Lkw beteiligt waren“, fügte Streu hinzu. Auch Beschwerden anderer Verkehrsteilnehmer seien „nicht bekannt“.

Bei den beiden Unternehmen handelt es sich um Bosch Siemens Hausgeräte in Nauen (Havelland) und Fiege Logistik in Rangsdorf (Teltow-Fläming). BSH nutzt Lang-Lkw, um Kühlschränke, die aus Osteuropa per Bahn kommen, weiter zu verteilen. Fiege fahre den XXL-Truck im Auftrag des Kunden Nestlè, sagte ein Unternehmens-Sprecher der MAZ.

Brandenburg gab Widerstand auf

Als eines der letzten Bundesländer hat Brandenburg Anfang des Jahres seinen Widerstand gegen Teststrecken für die 25-Meter-Laster aufgegeben. Seit dem 10. Mai sind zwei Drittel des Autobahnnetzes für die Riesen freigegeben. Auch das grün regierte Baden-Württemberg schwenkte nach massivem Druck und Anträgen des Daimler-Konzerns um. Damit gelten nun acht Landesregierungen eher als Befürworter der Riesen, die anderen acht eher als Gegner. Nur in Berlin, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind aber generell keine Tests erlaubt, in den übrigen 13 Bundesländern können XXL-Laster auf freigegebenen Strecken fahren. Teils aber nur im Transitverkehr auf der Autobahn (Sachsen-Anhalt) oder als verlängerter Sattel-Anhänger (NRW).

Von Thomas Wüpper

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