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Brandenburger zahlen beim Arzt drauf

Milliardengeschäft mit Zusatzleistungen Brandenburger zahlen beim Arzt drauf

Der Markt an kostenpflichtigen medizinischen Zusatzleistungen wird immer größer. Jedem zweiten Brandenburger wurden sie beim Arztbesuch schon angeboten. Experten warnen: Viele Tests und Behandlungen sind unsinnig, manche sogar gefährlich.

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Patienten sind mit dem Zusatzangebot oft überfordert.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Magnetfeldtherapie, Eigenblutbehandlung oder professionelle Zahnreinigung: Der Markt an kostenpflichtigen medizinischen Zusatzleistungen wird immer größer. Jedem zweiten Brandenburger wurden von seinem Arzt bereits Behandlungen oder Untersuchungen angeboten, die er selbst zahlen sollte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Vier von fünf Patienten haben demnach eine sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (Igel) in Anspruch genommen.

Von unsinnig bis riskant

Doch die Lage ist unübersichtlich. Manche Behandlungen gelten unter Experten als unsinnig, bisweilen sogar als riskant. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen“, empfiehlt daher Susanne Hertzer, Chefin der TK Berlin-Brandenburg. „Ihr Arzt sollte gründlich erläutern, welchen Nutzen die Untersuchung oder Behandlung für Sie als Patient hat.“

Igel-Leistungen aus medizinischer Sicht nicht notwendig

Aus medizinischer Sicht seien Igel-Leistungen nicht notwendig, sagt Gregor Matthesius von der Barmer GEK Berlin-Brandenburg. Bei vielen Leistungen sei der Nutzen für die Patienten nicht hinreichend nachgewiesen. „Deshalb übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Igel auch nicht“, sagt er. Er empfiehlt den Patienten, sich nicht drängen zu lassen. „Wir raten Ihnen, sich gründlich zu informieren. Hilfreich ist hier der Igel-Monitor.“

Informieren mit dem Igel-Monitor

Darauf verweist auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen Berlin-Brandenburg. Im Internet und per Smartphone-App listet der Igel-Monitor im Auftrag der Kassen wissenschaftlich untermauerte Einschätzungen zu den Zusatzleistungen auf. Beispiel: Die Lichttherapie gegen Winterdepression wird dort als „tendenziell positiv“, die „Colon-Hydro-Therapie“, eine Art Darmspülung, als negativ bewertet.

Igel generell zu kritisieren, sei falsch, hält Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg, dagegen. „Auch Angebote außerhalb des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen können sinnvoll sein“, betont er.

Experten: Toxoplasmose soll in die Regelversorgung

Manche kostenpflichtigen Angebote sollten nach Ansicht von Experten denn auch von den Kassen finanziert werden. Beispiel Schwangerschaft: Infektionskrankheiten wie Toxoplasmose erkennen werdende Mütter oft nicht, sind aber gefährlich für Babys. Ein Großteil der Schwangeren verzichtet aber laut einer Studie der Uni-Klinik Greifswald auf eine entsprechende Vorsorgeuntersuchung, weil sie kostenpflichtig ist. „Wir fordern, dass diese Untersuchungen in die Regelversorgung der Krankenkassen überführt werden“, fordert Studienleiter Matthias Heckmann.

Von Torsten Gellner

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