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Brandenburgs Archäologen klagen über Jobabbau

Weniger Stellen Brandenburgs Archäologen klagen über Jobabbau

Sie bewahren die Geschichte Brandenburgs und vervollständigen sie um einzelne Fragmente. Doch nur ein Teil der Archäologen, die im Land tätig sind, arbeitet noch fest beim Denkmalamt. Die Personaldecke werde immer dünner, klagen sie.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Brandenburg/Havel. „Hodika“ hat seine Bewährungsprobe bestanden: Der Nachbau eines mehr als 900 Jahre alten slawischen Einbaums wurde unter fachkundiger Anleitung der mehrfachen Olympiasiegerin Birgit Fischer am Samstag in Brandenburg/Havel zu Wasser gelassen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts war das Kanu im Archäotechnischen Zentrum in Welzow (Spree-Neiße) aus einem zwölf Meter langen Eichenstamm geschnitten worden.

Das Einbaumprojekt war ein Erfolg, doch ansonsten klagen Archäologen in Brandenburg über mangelnde finanzielle Unterstützung durch Land und Kommunen. „Die Personaldecke beim Landesamt für Denkmalpflege wird immer dünner“, sagt Elisabeth Ida Faulstich-Schilling vom Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler (BfK) aus Cottbus. Es werde immer schwieriger, dem Denkmalschutzgesetz gerecht zu werden. Viele Denkmäler seien schon aufgegeben worden.

Viel Personal in Außenstellen gestrichen

In der Vergangenheit sei zu viel Personal in den Außenstellen gestrichen worden, was sich auf lange Sicht auch auf die Bodendenkmalpflege auswirken werde. Aktuell sind nach Angaben des Potsdamer Kulturministeriums 76 Mitarbeiter für das Amt tätig. Wie es vom Amt aus Zossen selbst heißt, waren es vor zehn Jahren noch gut 120. „Der Personalabbau hat aber fast alle Einrichtungen des Landes betroffen“, sagt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. Trotzdem sei das Amt mit der Besetzung arbeitsfähig und könne auf herausragende Experten zurückgreifen.

Kritik äußert Faulstich-Schilling auch an den Kommunen, die in der Regel angehalten seien, das jeweils günstigste Grabungsunternehmen zu beauftragen. „Obwohl es offensichtlich ist, dass bei manchen Stundensätzen keine Wirtschaftlichkeit erzielt werden kann, geschweige denn für die freiberuflich arbeitenden Archäologen Altersvorsorge getroffen werden kann.“

Ministerium verweist auf Notsicherungsfonds

Gegen Faulstich-Schillings Aussage, das Land würde Denkmäler aufgeben, führt Stephan Breiding einen im vergangenen Jahr gegründeten Fonds für „Notsicherungen“ an. Der habe 2015 bei rund einer Viertelmillion Euro gelegen und betrage in diesem sowie voraussichtlich auch in den kommenden Jahren rund eine halbe Million Euro.

Sorgen bereiten Faulstich-Schilling auch die zahlreichen „Sondengänger“, wie sie sagt. Diese Hobbyschatzsucher rissen archäologische Funde aus dem Zusammenhang und machten sie für die Wissenschaft wertlos. Der Sprecher des Denkmalamts, Christof Krauskopf, verweist hingegen auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Hobby-Archäologen und Ehrenamtlichen. „In der Regel werden die Leute von uns geschult und bergen die Funde gemeinsam mit den Fachleuten“, erklärt er. So habe im vergangenen Oktober ein ehrenamtlicher Beauftragter des Amtes bei Lebus den bislang größten Silberschatz Brandenburgs entdeckt – fast 2200 Silbermünzen aus dem 11. Jahrhundert.

„Zufallsfunde sind sehr selten“, erklärt Faulstich-Schilling. Die meisten blieben bei ihrer Zerstörung unerkannt. Nur bei deutlich sichtbaren und nicht zu leugnenden Befunden – wie Menschenknochen – griffen Anwohner zum Hörer und informierten die Behörden.

Von Christian Bark

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