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Brandenburgs Bauern stinkt der Gülle-Euro

Umweltverbände fordern Fleischverzicht Brandenburgs Bauern stinkt der Gülle-Euro

Diese Idee stinkt den Bauern: Umweltverbände fordern Fleischverzicht und eine Dünge-Abgabe, den sogenannten Gülle-Euro. Laut der Naturschutzorganisation WWF leidet Deutschland unter einer „massiven Überdüngung“, unter anderem wegen der gestiegenen Fleischproduktion. Die MAZ hat mit dem Erfinder der Gülle-Abgabe gesprochen.

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Viele Landwirte halten die Idee eines Gülle-Euro für Mist.

Quelle: dpa

Potsdam. Diese Idee stinkt Brandenburgs Bauern: Umweltverbände fordern einen Fleischverzicht und die Einführung einer Dünge-Abgabe, den sogenannten Gülle-Euro. Laut der Naturschutzorganisation WWF leidet Deutschland unter einer „massiven Überdüngung“, die unter anderem durch die gestiegene Fleischproduktion hervorgerufen werde. Zu viel Gülle auf den Feldern übersättigt die Böden mit Nährstoffen und verschlechtert die Wasserqualität.

„Gülle, Mist und Jauche sind wertvolle organische Dünger, die wir für eine sinnvolle Kreislaufwirtschaft brauchen – übrigens auch im ökologischen Landbau“, hält Brandenburgs Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung dagegen. Der Vorschlag zeuge davon, dass die Initiatoren keine Ahnung von Landwirtschaft hätten.

Bauer Jung will auf sein Rindfleisch nicht verzichten

Als Protestant halte er ohnehin nicht viel von Fasten, sagte er mit Blick auf die Forderung des WWF, die Deutschen sollten ihren Fleischkonsum einschränken. „Wenn die Veganer ihren genmanipulierten Soja-Burger fressen, genieße ich lieber ein Stück deutsches Rindfleisch aus Weidehaltung“, sagte der Landwirt aus Lennewitz (Prignitz).

Martin Hofstetter, Referent bei der Umweltorganisation Greenpeace, ist der Erfinder des Gülle-Euro. Er sagte der MAZ: „Das Hauptproblem ist die intensive Tierhaltung. Ackerbauern düngen ihre Felder relativ bedarfsgerecht.“ Tierhalter wüssten oft gar nicht wohin mit ihrer Gülle.

1,7 Milliarden Euro Erlös erwartet

Bei etwa 17 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche würde sich der Erlös der Abgabe auf etwa 1,7 Milliarden Euro summieren – wenn alle einen Euro pro Kilogramm Stickstoff-Überschuss zahlen müssten. Den Erlös könnte man in die Förderung der nachhaltigeren Landwirtschaft stecken, oder aber, um kleineren Bauern bei der Modernisierung ihrer Anlagen zu helfen: „Kleinere Betriebe haben oft nicht die fachgerechte Technik, um die Gülle direkt in den Boden zu injizieren“, so Hofstetter.

Fleisch würde teurer

Mit einer Abgabe auf zu viel ausgebrachten Dünger würde sich der Preis für ein Kilo Rindfleisch um knapp sieben Prozent und Schweinefleisch um etwa 2,5 Prozent verteuern, sagte Hofstetter.

„Das wäre ein irrsinniger bürokratischer Aufwand mit geringem Nutzen“, sagte Holger Brantsch, Sprecher des Landesbauernverbands zu der Abgabenforderung. Brandenburg habe im Vergleich zu anderen Bundesländern ohnehin eine geringere Nutztierdichte, sei also von dem Gülleproblem nicht so stark betroffen.

Hoher Fleischkonsum

Der Fleischverbrauch in Deutschland beträgt pro Kopf und Jahr 88,3 Kilogramm. Zieht man den Knochenanteil ab, verzehrt jeder Bürger in Deutschland 60,3 Kilo Fleisch. Der Pro-Kopf-Verbrauch übersteigt den weltweiten Durchschnitt um das Doppelte. Kürzlich hatte sich Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit deutlichen Worten zur gestiegenen Fleischproduktion zu Dumpingpreisen geäußert: „Wir produzieren Fleisch für den Export und die Scheiße bleibt hier.“

Von Torsten Gellner

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