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Brandenburgs Bauern warten auf Ökoprämie

Zahlungsfähigkeit vieler Betriebe in Gefahr Brandenburgs Bauern warten auf Ökoprämie

Seit Monaten verspricht Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) die Auszahlung der Agrarprämien für Umweltmaßnahmen. Aber das Geld ist bei vielen Höfen bis heute nicht angekommen. Jetzt müssen Landwirte deswegen schon Kredite aufnehmen, um Gehälter zahlen zu können.

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Die Ernte ist in vollem Gange, aber die Ökoprämie fließt noch immer nicht.

Quelle: dpa

Rädigke. Die schleppende Auszahlung der Ökoprämie setzt Brandenburgs Bauern zunehmend unter Druck. Der Landesbauernverband und der Arbeitskreis Ökologischer Landbau sprechen von einer „Katastrophe“. Die Zahlungsfähigkeit der betroffenen Betriebe sei inzwischen in Gefahr.

Ökolandwirt Gerald Kaltschmidt aus Preschen (Spree-Neiße) wartet seit Monaten auf etwa 200 000 Euro aus den EU-Mitteln für seinen Betrieb. „Im März war Agrarminister Jörg Vogelsänger bei uns zu Gast und hat uns die Auszahlung für Anfang April versprochen“, erklärt er. Jetzt musste Kaltschmidt einen Kredit aufnehmen, weil das Geld immer noch nicht da ist. „Es kann nicht sein, dass wir uns von der Bank Geld leihen müssen, um unsere Gehälter zu zahlen“, klagt der Landwirt.

Ministerium: Verwaltungen arbeiten mit Hochdruck an Auszahlung

Die Prämie ist ein Ausgleich dafür, dass Bauern auf chemische Unkrautvernichter oder Kunstdünger verzichten. Der Aufwand ist größer, der Ertrag deutlich geringer. Landwirt Kaltschmidt ernte mit seinem Ökoroggen nur 30 Prozent dessen, was ein konventioneller Landwirt vom Feld holt, sagt er.

Aus dem Agrarministerium heißt es, inzwischen seien 19 von rund 40 Millionen Euro Prämien ausgezahlt. Die Agrarverwaltungen würden „mit Hochdruck“ arbeiten. Begründet wird die Verspätung mit einer umgestellten EU-Abrechnung und Softwareproblemen.

Selbst der Bauernpräsident muss warten

Auch Landesbauernpräsident Henrik Wendorff wartet nach eigenen Angaben weiter auf seine Umweltprämie. „Vor dem Hintergrund der ohnehin angespannten Lage tut jeder fehlende Euro doppelt weh“, erklärte er.

Aus dem Landtag kommt heftige Kritik an Minister Vogelsänger (SPD). Die Vorsitzenden mehrerer Fraktionen haben die schleppende Auszahlung von Fördermitteln an Landwirte für deren bereits erbrachte Umweltmaßnahmen kritisiert.

Opposition: Vogelsänger ist „fehl am Platze“

„Bauern und Landwirte haben eine bessere Behandlung verdient“, sagte dazu CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben am Dienstag. Er forderte einen schnellen Zeitplan für die weitere Auszahlung der Mittel. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sagte, ein Minister wie Vogelsänger, der nicht einmal in der Lage sei, EU-Fördergeld auszuzahlen, sei „fehl am Platze“.

Landwirte hatten beklagt, dass viele Betriebe vor der Zahlungsunfähigkeit stünden. SPD-Fraktionschef Mike Bischoff nannte die Kritik berechtigt. Er gehe davon aus, dass man aus der Situation für die Zukunft lerne. Amtskollege Ralf Christoffers vom Koalitionspartner Die Linke sagte, die Auszahlung der Mittel sei „überfällig“ und müsse nun so schnell wie möglich erfolgen.

Erntesaison beginnt

Mit gemischten Gefühlen blickt Bauernpräsident Wendorff auf die nun gestartete Erntesaison. Wegen des trockenen Mais und feuchten Junis erwartet er nur eine unterdurchschnittliche Getreideernte. Dazu kommen niedrige Preise. „Wir stehen unter mächtigem Druck“, sagt er. Die Getreidepreise liegen zwischen 10 bis 15 Prozent unter dem Niveau von 2015. Einzig beim Raps sind die Preise um etwa sechs Prozent gestiegen.

Landwirt Gerald Herzog aus Rädigke (Potsdam-Mittelmark) ist zumindest bei der Wintergerste zuversichtlich. „Wir haben Glück gehabt mit dem Niederschlag nach Pfingsten“, sagte er.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands, erwartet, dass das Preistief des Frühjahrs überwunden ist. Die Preise lägen zwar noch unter Vorjahresniveau, hätten sich aber angesichts gestiegener Exportnachfrage unerwartet stabilisiert, so Rukwied.

Von Torsten Gellner

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