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Brandenburgs Bio-Bauern kriegen die Krise

Boom-Branche stagniert Brandenburgs Bio-Bauern kriegen die Krise

In Sachen Öko-Landwirtschaft läuft einiges schief: Obwohl der Bio-Hunger der Berliner weiter wächst, steckt Brandenburgs Bio-Landwirtschaft in der Krise. Die Anbaufläche geht sogar zurück. Bio-Lobbyisten werfen der Landesregierung eine ignorante Politik vor, die vor allem Großbetrieben nützt. Doch das ist nicht das einzige Problem.

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Ökoweizen findet in Berlin viele Abnehmer. Aber der Nachschub aus Brandenburg fehlt.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Die Nachfrage wächst, aber Nachschub fehlt: Brandenburgs Biobauern können den steigenden Bedarf an Bioprodukten in Berlin nicht mehr bedienen, die einstige Vorreiterregion steckt in der Krise. „Der Markthunger in Berlin ist riesig. Aber die Branche ist wegen der Rahmenbedingungen tief verunsichert“, sagte Michael Wimmer, Chef der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. „Wir haben in der Region echte Rückgänge zu verzeichnen.“

Bioprodukte sind gefragt wie nie

Und das, obwohl vergangenes Jahr der Umsatz mit Bio-Produkten in Deutschland um fünf Prozent gestiegen ist und in der Region 18 neue Bio-Supermärkte öffneten. „Der Markt steckt voller Dynamik, aber leider nicht die Landwirtschaft“, sagte Wimmer.

In ganz Deutschland stagniert der Öko-Landbau. Von 2013 auf 2014 wuchs die Anbaufläche nur um knapp 2700 Hektar. Die letzte umfassende Zählung in Brandenburg zeigte sogar einen Rückgang: Von rund 1,3 Millionen Hektar Landwirtschaftsfläche in der Mark wurden 2013 etwa 137 700 Hektar nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet (siehe Kasten). Das waren zwei Prozent weniger als 2010 und erstmals ein Rückgang.

Die Biokrise hat drei Gründe

Das Brandenburger Landwirtschaftsministerium verweist darauf, dass dafür inzwischen etwa ein Drittel aller Flächen extensiv bewirtschaftet werden, also umwelt- und bodenschonend.

Drei Gründe für die Bio-Anbaukrise macht Öko-Lobbyist Michael Wimmer verantwortlich: stark steigende Bodenpreise, Konkurrenz durch hoch subventionierte Biogasanlagen mit großem Flächenbedarf – und politisches Desinteresse. Die Landespolitik habe die Branche in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt, im Vergleich zu anderen Ländern keine oder nur wenig Förderung geboten.

Potsdam hat Umstellungsprämie verweigert

Drei Jahre lang sei keine Umstellungsprämie für neue Ökobetriebe geflossen. „Damit hat Brandenburg den Vogel abschossen. Das war ein scharfer Rückschlag“, so Wimmer. Über Jahre hinweg sei im Potsdamer Landwirtschaftsministerium in erster Linie Politik für konventionelle Großbetriebe gemacht worden.

Wimmer blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: Brandenburg habe nach Jahren der Knauserei die Flächenprämien für Ökolandbau erhöht. „Das ist ein positives Zeichen. Wir sind gespannt, welche Dynamik das auslösen wird.“ Zuvor habe Brandenburg immer nur niedrige Fördersätze gewährt, obwohl es üppige Zuschüsse vom Bund und von der EU gab.

Auch die Lebensmittelbranche hofft auf neuen Schwung aus Brandenburg, um die Nachfrage decken zu können. „Jetzt zahlen erstmals wieder alle Länder Prämien an Bio-Bauern“, sagte Joyce Moewius, Sprecherin des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Die Landwirte brauchen das Gefühl, dass man sich auf die Förderung verlassen kann.“

Von Torsten Gellner

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