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Brandenburgs Erzieherinnen arbeiten am Limit

Ernüchternde Kita-Studie Brandenburgs Erzieherinnen arbeiten am Limit

Jedes Jahr nimmt die Bertelsmann-Stiftung das Betreuungsverhältnis in den Kitas unter die Lupe. Brandenburg hat sich leicht verbessert, aber rosig sind die Zustände lange nicht. Die Erzieherinnen in Brandenburg arbeiten am Limit. Selbst der Bildungsminister räumt Defizite ein und die ersten Forderungen kommen auf.

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Alle Hände voll zu tun in den Kitas.

Quelle: Fotolia

Potsdam. Viele Kinder, wenig Zeit: Die Qualität in Brandenburger Kitas hat sich leicht verbessert, liegt aber immer noch deutlich unter dem Bundesschnitt. In der Mark ist eine Erzieherin rechnerisch für 6,3 Krippenkinder (2013 6,6) zuständig. Nur in Sachsen und Sachsen-Anhalt sind die Erzieherinnen noch mehr gefordert, wie aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht.

Bei Kindern über drei Jahren liegt der Personalschlüssel bei 1:11,6. Brandenburg sei somit weit davon entfernt, kindgerechte Betreuungsverhältnisse zu erreichen, so Bertelsmann-Vorstand Jörg Dräger. Bei den Größeren sollte eine Erzieherin für 7,5, in der Krippe höchstens für drei Kinder verantwortlich sein. Im Kita-Alltag mit Urlaub und Krankheit müsse sich eine Erzieherin in der Mark sogar um mehr als acht Kleinkinder kümmern.

In der Realität falle das Betreuungsverhältnis oft noch schlechter aus, weil die Erzieher viel mit Vor- und Nachbereitung zu tun hätten, bestätigt Ulrike Labuhn von der Diakonie, die in der Mark rund 150 evangelische Kitas betreibt. „Für die eigentliche Arbeit mit den Kindern ist oft zu wenig Zeit“, sagt Labuhn.

Bildungsminister Baaske räumt Defizite ein

„Sicherlich ist in der Betreuungsqualität noch manches zu tun“, räumt Bildungsminister Günter Baaske (SPD) ein. Die bessere Personalausstattung im Westen beruhe aber darauf, dass dort deutlich weniger Kinder in die Kita gehen. Zudem berücksichtige die Studie nicht die aktuellen Neueinstellungen von Krippenerziehern. Um den Personalschlüssel von 1:6 auf 1:5,5 zu senken, werden in diesem Jahr 420 zusätzliche Stellen geschaffen. Ab August 2016 soll eine Erzieherin dann nur noch für fünf Kinder zuständig sein. Ab 2017 sollen auch die Erzieherinnen im Kindergarten entlastet werden.

Wie Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will auch Baaske frei werdende Mittel aus der „Herdprämie“ in die Qualität der Einrichtungen investieren. Finanzminister Christian Görke (Linke) hatte hingegen vorgeschlagen, Eltern die Gebühren für das letzte Kita-Jahr zu erlassen und so einer Elterninitiative entgegenzukommen, die für komplette Beitragsfreiheit kämpft.

Die Grünen fordern Kita-Visiten

Die Grünen fordern ein landesweites Qualitätsmonitoring. Ähnlich wie bei der Schulvisitation sollten Kitas zum Beispiel darauf kontrolliert werden, ob sie bei der Sprachförderung gute Arbeit leisten. „Das ist bislang nicht transparent“, sagt die bildungspolitische Sprecherin Marie Luise von Halem. Bertelsmann-Vorstand Dräger fordert sogar bundeseinheitliche Standards.

Deutlicher Ost-West-Unterschied



4,4 Krippenkinder betreut eine Erzieherin im Bundesschnitt, im Kindergartenbereich sind es 9,5.


In den östlichen Ländern liegt der Betreuungsschlüssel im Krippenalter bei 1:6,1, im Westen nur bei 1:3,6. Die Personalschlüssel für Kindergartengruppen sind im Westen mit 1:8,9 ebenfalls besser (Ost 1:12,4).

Bundesweit fordern Erzieher bessere Bedingungen. Im Oktober könnte der Kita-Streik fortgesetzt werden.

Von Marion Kaufmann

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