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Brandenburgs Firmen träumen von Kuba

Wirtschaft Brandenburgs Firmen träumen von Kuba

Nur 15 Unternehmen aus Brandenburg unterhalten derzeit Geschäftsbeziehungen nach Kuba. Das könnte sich bald ändern, denn das Interesse für Investitionen in dem Karibikstaat ist groß – aber auch die Skepsis.

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Die kubanische Flagge weht in Havanna.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Annäherung zwischen den USA und Kuba stimmt brandenburgische Unternehmen hoffnungsvoll.

Infoveranstaltung der IHK

„Brennend interessiert“ zeigt sich etwa der Ingenieur und Projektentwickler Bodo Ruhle aus Linthe (Potsdam-Mittelmark). Er hat sich auf den Aufbau von Hygienefirmen spezialisiert. „Schon aufgrund der Altersstruktur und wegen der vielen jungen Familien dort“ sei Kuba für solche Firmen ein möglicher Markt. „Ich hoffe, dass ich über die IHK Kontakte dorthin aufbauen kann“, sagt er. Er ist einer von vielen Interessenten, die wegen des möglichen neuen Marktes am Dienstag an einer Informationsveranstaltung der Industrie- und Handelskammer Potsdam teilgenommen haben.

Kuba will erneuerbare Energien ausbauen

Investitionsmöglichkeiten gäbe es auf der modernisierungsbedürftigen Karibikinsel genug. Der kubanische Botschafter René Mujica Cantelar erklärt den anwesenden Unternehmern in der Potsdamer IHK, dass Kuba bis 2030 fast ein Viertel seines Energiebedarfs durch erneuerbare Energien decken wolle. Ein Fest für märkische Windanlagenbauer? Nicht ganz, schränkt Mathias Schultze, Geschäftsführer der Wind Energy Investments GmbH in Gransee ein, „Es hängt viel an den finanziellen Ressourcen“, sagt Schultze, der schon seit 20 Jahren den kubanischen Markt erkundet. Neue Anlagen könne sich der Staat nicht leisten, bisherige Investorenmodelle waren für die Europäer und damit auch für Brandenburger nicht besonders interessant. „Das kann sich jetzt ändern“, sagt Schultze.

Anlaufstelle für ausländische Firmen und Sonderwirtschaftszonen

Nicht nur der Besuch von US-Präsident Barrack Obama auf Kuba stimmt Schultze optimistisch. Vor allem hatte der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bereits Anfang Januar bei seinem Kubabesuch in einem „Memorandum of Understanding“ den kubanischen Politikern die Zusage abgerungen, eine Anlaufstelle für ausländische Unternehmen zu schaffen. Außerdem will der Karibikstaat jetzt auch neue Sonderwirtschaftszonen einrichten. Schon Gabriels Besuch hatte im Zeichen der Wirtschaftsförderung gestanden. Rund 60 deutsche Unternehmer hatten den Minister in die Karibik begleitet.

Neue Finanzierungsmodelle möglich

Dieser Besuch habe die Pforten für neue Finanzierungsmodelle etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geöffnet, meint Schultze. Außerdem habe Deutschland seine Blockadepolitik wegen der Menschenrechte aufgegeben. „Mögliche konkrete Projekte können jetzt vielleicht über Entwicklungshilfe finanziert werden“, so der Granseer Projektentwickler. „In fünf Jahren können wir durchaus weiter sein“, sagt Schultze.

Cottbuser Firma hat schon Fuß in der Tür

Die Arcus Bauplanungsgesellschaft in Cottbus hat dank des Engagements von Thyssen auf Kuba dagegen praktisch schon einen Fuß in der Tür. Thyssen will eine Chemieanlage auf der Insel errichten. „Ich denke in absehbarer Zeit ist Kuba für uns schon interessant“, sagt der bei der Planungsgesellschaft beschäftigte Diplom-Ingenieur Dieter Werner. Er hält die Verbindungen, die es aus DDR-Zeit auch in Brandenburg noch gibt, durchaus für bedeutend: „Wir sind sicherlich mit der Mentalität der Kubaner vertraut“, sagt er.

Firmen brauchen Rechtssicherheit

Es reiche aber nicht. „Wir brauchen Rechtssicherheit“, betont Werner. Deshalb habe er dem Botschafter auch die Frage gestellt: Wo will Kuba hin? Liebäugeln der Insel mit dem sozialistischen Venezuela sei zum Beispiel nicht unbedingt ein Anreiz für hiesige Unternehmen. Trotzdem solle man den Markt nicht allein den US-Amerikanern überlassen.

Kuba-Exporte: Bisher schlappe 3,5 Millionen Euro

Gigantisch wird der Markt auf Kuba für Brandenburg wohl nicht werden. Laut Jens Ullmann, dem Fachbereichsleiter Internationales bei der IHK Potsdam, beliefen sich 2015 die Berlin-Brandenburger Exporte nach Kuba auf schlappe 3,5 Millionen Euro. „Wir haben umgekehrt Waren im Wert von einer Million Euro aus Kuba importiert.“ Nur 15 Brandenburger Unternehmen unterhielten derzeit dort Geschäftsbeziehungen.

ZAB dämpft die Hoffnungen

Alexander Gallrein, Sprecher der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) mahnt zu Realismus. Er sieht vor allem im noch bestehenden US-Embargo ein Risiko. „Auf großer Breite sehen wir derzeit die Entwicklungschancen nicht.“ Die lägen für Brandenburg derzeit eher in China. Nicht umsonst sei ZAB-Geschäftsführer Steffen Kammradt gerade wieder für Gespräche dorthin gereist.

Skepsis auch beim Bundeswirtschaftsministerium

Auch im Bundeswirtschaftsministerium ist man skeptisch. „Insgesamt ist es noch eine ziemlich geschlossene Wirtschaft“, sagt Sprecher Andreas Andretsch über Kuba. „Die Infrastruktur fehlt.“ Das betreffe nicht nur materielle-technische Voraussetzungen, sondern vor allem auch Stellen in der Verwaltung, die Unternehmen bei Rechtsfragen helfen könnten. „Eine Frage für viele Unternehmer ist sicher die Frage nach dem US-Embargo“, sagt Andretsch. „Die Rechtslage ist hier häufig nicht klar, im Zweifel drohen Geldstrafen oder sogar der Ausschluss vom US-Markt.“

ie deutsch-kubanischen Wirtschaftsbeziehung seien zwar gut, bewegten sich aber „seit langem auf einem niedrigen Niveau“. Das Gesamtvolumen von 293 Millionen Euro im Jahr 2015 fällt im Vergleich zu den fast 163 Milliarden Euro mit dem Partner China tatsächlich nicht einmal unter die Rubrik „Peanuts“.

Von Rüdiger Braun

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