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Brandenburgs Firmen träumen von Kuba

Wirtschaft Brandenburgs Firmen träumen von Kuba

Viele neue Handelspartner stehen inzwischen Schlange in Kuba und würden gern investieren. Auch einige Unternehmen in Brandenburg träumen davon. Ende Oktober wird sich die Potsdamer IHK erstmals auf der wichtigsten Messe Kubas in Havanna präsentieren. Die Hürden für Investitionen sind hoch.

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IHK-Präsidentin Beate Fernengel mit Kuba-Experten Bert Wibel (r.) und Mathias Schultze (M.).

Potsdam. Die Karibik-Insel Kuba öffnet sich immer stärker der Marktwirtschaft. Brandenburgische Unternehmen wollen von den neuen wirtschaftlichen Möglichkeit profitieren. „Die brauchen in Kuba fast alles“, sagt der Unternehmer Mathias Schultze. Er ist Chef der Firma Wind Energy Investments in Gransee (Oberhavel) und hat bereits verschiedene Projekte in Kuba am Laufen. Die Präsenz deutscher Firmen auf Kuba sei allerdings bisher noch wenig ausgeprägt. Schultze, der seit 21 Jahren den kubanischen Markt kennt, geht davon aus, dass sich dies ändern wird. Man dürfe nur nicht zu spät kommen, sagt er.

15 Firmen mit Geschäftsbeziehungen zu Kuba

Noch herrscht in Brandenburgs Wirtschaft Zurückhaltung. Momentan haben 15 Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit Kuba. Das Interesse sei deutlich gestiegen, sagt Bert Wibel, Berater für Entwicklungszusammenarbeit bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam. Das würden die zahlreichen Anfragen gerade von Mittelständlern zeigen, die mehr über den Kuba-Markt wissen wollen und sich einen Sprung auf die Insel vorstellen können. Theoretisch sei Kuba ein riesiger Markt. Es gebe einen großen Nachholebedarf nicht nur auf dem Energiesektor, sondern auch bei Straßenbau, Gesundheitswirtschaft und Agrartechnologien, sagt Wibel.

Hürden für Investitionen sind hoch

Allerdings sind die Hürden, im sozialistischen Karibikstaat zu investieren, groß. Zwar hatte Staats- und Parteichef Raul Castro nach der Annäherung zu Washington grundsätzlich eine Öffnung des Landes angeordnet, doch dieser Wandel vollzieht sich nur langsam. Der Staat ist weiter streng zentralistisch gelenkt. Für jede einzelne Investition ist eine grundsätzliche Genehmigung nötig. So wählen nicht Unternehmen die lokalen Angestellten aus, sondern die staatliche Arbeitsagentur.

Immense Geld- und Devisenknappheit

Aus Sicht des brandenburgischen Unternehmers Schultze ist eines der größten Probleme auf der 11 Millionen Einwohner zählenden Insel die immense Geld- und Devisenknappheit, die wiederum die Kaufkraft begrenzt. Das Wirtschaftswachstum im vorigen Jahr sei um 0,9 Prozent gesunken. „Da lassen sich nicht alle Wünsche erfüllen.“ Zugleich weiß die kubanische Wirtschaft, dass viele neue Handelspartner auf der ganzen Welt inzwischen Schlange stehen und gern investieren würden. Fast wöchentlich geben sich Wirtschaftsdelegationen, auch aus Deutschland, die Klinke in die Hand. Dementsprechend selbstbewusst würden Kubaner in den Gesprächen oftmals auftreten, so Schultze, nach dem Motto: Bietet uns etwas an. Wichtigster Partner Kubas ist Venezuela, gefolgt von der EU, Mexiko und Kanada.

Ungewöhnliche Zahlungsmodalitäten

Ausgesprochen gewöhnungsbedürftig für deutsche Firmen sind die kubanischen Zahlungsmodalitäten. Wer Produkte anbietet, muss ein zweijähriges sogenanntes Zahlungsziel akzeptieren. Das heißt: Erst nach 370 Tagen wird das Geld überwiesen. „Das muss jedes Unternehmen wissen“, so Schultze. Dann allerdings erfolge die Zahlung des Geldes zuverlässig. Darauf müssten sich Firmen und Förderbanken, auch in Brandenburg, einstellen.

Um Firmen einen Eindruck von den wirtschaftlichen Möglichkeiten zu geben, wird sich die Potsdamer IHK Ende Oktober erstmals mit einer kleinen Unternehmergruppe auf der wichtigsten Messe Kubas in Havanna präsentieren, der Feria Internacional de Havanna. Geplant ist, sich am deutschen Gemeinschaftsstand zu beteiligen. Im vorigen Jahr waren 50 deutsche Firmen im eigenen Pavillon auf der Messe vertreten.

Zum Teil noch Kontakte aus DDR-Zeiten

Eine Reihe von Firmen aus den neuen Bundesländern nutzen ihre Erfahrungen und Kontakte aus der Zeit vor 1990. Die Präsidentin der IHK Potsdam, Beate Fernengel, ist sich sicher, dass Ostdeutsche den besseren Draht zu Kuba haben. „Für uns war Kuba Freundesland. Wir sind mit der Mentalität der Kubaner vertraut“, sagt die Ostdeutsche Fernengel, die im Herbst mit märkischen Unternehmern nach Kuba gereist war. Ihr Eindruck: „Dort herrscht eine große Aufbruchstimmung.“ Das erinnere an die Zeit nach dem Ende der DDR vor 27 Jahren. Fernengel hofft, dass Kuba einige Fehler, die im Zuge der deutschen Vereinigung gemacht wurden, vermieden werden.

Hoher Bildungsstandard in Kuba

Wer auf Kuba Geschäfte machen will, brauche einen langen Atem, sagt der Potsdamer Unternehmer Stephan Goericke, der mit seinem International Software Quality Institute (iSQI) junge kubanische Fachkräfte qualifiziert. Er bietet Zertifizierungskurse an, die als Gütesiegel für internationale Projekte gelte. Er sieht großes Potenzial in dem kleinen Land. „Der Bildungsstandard auf Kuba ist hoch“, sagt er. Der Alphabetisierungsgrad liege bei annähernd 100 Prozent. Und die Hochschullandschaft sei groß. Vor allem die geografische Nähe zu den USA mache das Land so attraktiv, wenn es sich weiter öffne.

Goericke hat die Erfahrung gemacht: Im Land der Bürokratie klappt nicht immer alles sofort. Das komme ihm aus DDR-Zeiten bekannt vor. Davon dürfe man sich aber nicht unterkriegen lassen, sagt Goericke.

Von Igor Göldner

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