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Brandenburgs Kids kommen leicht an Alkohol

Studie: Eltern oder Freunde versorgen Jugendliche mit Bier und Hochprozentigem Brandenburgs Kids kommen leicht an Alkohol

Jugendliche versorgen sich einer neuen Studie zufolge vor allem bei ihren Eltern und Freunden mit Alkohol. Das ergab eine Befragung von mehr als 1100 Schülern in Hamburg, Schleswig-Holstein und Brandenburg. Grundsätzlich sei es kein Problem, an Bier oder Wein zu kommen, erklärt fast jeder zweite der 10- bis 16-Jährigen.

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Meist werden Jugendliche über Eltern und Freunde mit Alkohol versorgt.

Quelle: Foto: imago

Potsdam. Bier statt Bionade, Sekt statt Selters: Viele Eltern setzen ihren Kindern offenbar bereitwillig Alkohol vor, wie eine Befragung von mehr als 1150 Schülern aus Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein ergab. Zwei Drittel der Jugendlichen nannten die eigenen Eltern als häufigste Bezugsquelle für Alkohol. An zweiter Stelle stehen Freunde. Supermärkte spielen demnach eine eher untergeordnete Rolle.

„Im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch bekommt die Vorbildfunktion der Eltern einen neuen Stellenwert“, sagte der Leiter der Studie, Reiner Hanewinkel vom Kieler Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung. Das Fazit der Forscher: Kommen Jugendliche allzu leicht an Alkohol, liegt das Risiko für exzessives Komatrinken um 26 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe, die nur schwer an Alkohol kommt.

Das deckt sich mit den Beobachtungen von Andrea Hardeling von der brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen: „Die Verfügbarkeit spielt eine große Rolle für ein späteres Suchtverhalten“, erklärte die Expertin. „Das ist beim Glücksspiel genauso. Dort, wo sich viele Gelegenheiten bieten, nimmt die Zahl der Menschen mit problematischem Spielverhalten zu.“

Eltern müssen sensibler werden, aber Alkohol nicht tabuisieren

Es sei erschreckend, dass Jugendliche in erster Linie über ihre Eltern mit Alkohol versorgt würden. „Eltern unterschätzen die Gefahr. Sie müssen hier sensibler werden “, sagte Hardeling. „Denn je früher der erste Rausch, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer späteren Suchterkrankung.“ Tabuisieren dürfe man Alkohol zu Hause aber nicht. „In begrenztem Maße kann es sinnvoll sein, wenn Eltern ihre Kinder an Alkohol heranführen.“ Diese Einschätzung teilt Carmen Koynowski von der Suchtpräventionsfachstelle Prignitz/Ostprignitz-Ruppin: „Wenn die Eltern bewusst und vernünftig mit dem Thema Alkohol umgehen, übernehmen die Kinder viel davon“, sagte sie.

Zahl der Komatrinker in Brandenburg geht zurück

Die Zahl jugendlicher Komatrinker ist in Brandenburg zuletzt zurückgegangen, das spürt man auch in den Rettungsstellen des Landes: Wurden 2009 noch 583 Jugendliche und junge Erwachsene wegen einer Alkoholvergiftung stationär behandelt, waren es 2013 noch 484. Suchtexpertin Hardeling führt das unter anderem auf das Verbot süßer und hochprozentiger Alkopop-Getränke zurück.

Die Studie im Detail: Grundsätzlich sei es kein Problem an Bier oder Wein zu kommen, erklärte fast jeder zweite der befragten 10- bis 16-Jährigen. Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen mit Alkoholerfahrung gaben an, sie bekämen ihre Getränke von den Eltern, die Hälfte nannte Freunde als häufigste Bezugsquelle. Nur 11 Prozent erklärten, sie kauften Bier oder Wein im Supermarkt.

Täglich landen 65 Jugendliche im Krankenhaus – mit Alkoholvergiftung

Für die Langzeitstudie, die die DAK-Gesundheit in Auftrag gab, befragten die Forscher die Schüler dreimal innerhalb von zweieinhalb Jahren. Bei Studienbeginn im Jahr 2008 hatten alle Befragten in ihrem Leben noch nie fünf oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit getrunken. Diese Menge gilt Suchtexperten als Kriterium für das sogenannte Komatrinken. Am Ende der Studie im Jahr 2011 erklärten gut 43 Prozent der Schüler, sie hätten wenigstens einmal fünf Gläser Bier, Wein oder andere Alkoholika hintereinander getrunken. „Unsere Untersuchung zeigt, dass die leichte Verfügbarkeit ein Risikofaktor für das Rauschtrinken ist“, erklärte Studienleiter Hanewinkel.

Die DAK-Gesundheit und das Kieler Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung betreiben seit sechs Jahren eine Aufklärungskampagne gegen den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen unter dem Motto „bunt statt blau - Kunst gegen Komasaufen“. „Tag für Tag landen bundesweit 65 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus“, sagte der Suchtexperte der Krankenkasse, Ralf Kremer.

Nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der jugendlichen Komatrinker auch bundesweit deutlich gesunken. Demnach wurden im Jahr 2013 fast 23 300 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren wegen akuten Alkoholmissbrauchs stationär in einem Krankenhaus behandelt. Das waren 12,8 Prozent weniger als 2012. Wein und Bier dürfen Jugendliche ab 16 Jahren kaufen, Spirituosen ab 18. Suchtexperten fordern eine stärkere Beschränkung des Verkaufs und höhere Preise.

Von Torsten Gellner

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