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Brandenburgs Kirchenschätze in Not

Spendenaktion für Kunst in Dorfkirchen Brandenburgs Kirchenschätze in Not

Außen hui, innen pfui: Betrachtet man die Bausubstanz, scheint es den märkischen Kirchen besser zu gehen. Jetzt bröckelt es aber innen. Die Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ will helfen. Die MAZ hat sich auf Spurensuche begeben und sich in der kleinen Gemeinde Blankensee (Teltow-Fläming) einen vergessenen Schatz zeigen lassen.

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Ein Blick in das Innere der Kirche von Blankensee.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam, Alle Kirchen wurden zumindest notgesichert. Um die Besonderheit des Epitaphgemäldes zur Erinnerung an die 1567 im Kindsbett verstorbene Anna von Schlabrendorf wusste schon Theodor Fontane. Das Bild, so schreibt er in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, sei das „künstlerisch beste und interessanteste“, was die Kirche zu bieten habe.

Heute öffnet kein Literat, sondern Gemeindekirchenratsmitglied Hella Strüber die schwere Tür zur Dorfkirche Blankensee (Teltow-Fläming), um ihrem Besuch einen Blick auf das wertvolle Bild zu ermöglichen. Das Gemälde zum Gedächtnis an Anna von Schlabrendorf, einer Adeligen aus dem 16. Jahrhundert, hängt nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz, sondern lehnt an der Wand, auf den Kirchenbänken, quasi reisefertig. Denn schon bald könnte es in die Restaurationswerkstatt vom Landesamt für Denkmalpflege umziehen, um für eine große Ausstellung im Rahmen des Reformationsjubiläums aufgearbeitet zu werden.

Der Holzwurm hat Spuren hinterlassen

Das Epitaphbild der Anna von Schlabrendorf, Gemahlin des Kuno von Thümen, bewunderte einst schon Fontane

Das Epitaphbild der Anna von Schlabrendorf, Gemahlin des Kuno von Thümen, bewunderte einst schon Fontane.

Quelle: Julian Stähle

Die Reise ist nötig, weil das Kunstwerk an vielen Stellen bröckelt: Der Holzwurm hat seine Spuren hinterlassen, die Bretter klaffen auseinander, der Rahmen muss befestigt, braune Flecke und Verfärbungen aus früheren schlechten Überarbeitungen korrigiert werden, so Landeskonservator Thomas Drachenberg.

Damit das geschieht, ist am Mittwoch in der Potsdamer Staatskanzlei die von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Archäologischen Landesmuseum und dem Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg organisierte diesjährige Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ für das Epitaphgemälde gestartet worden.

 

Etwa 1500 Dorf- und 300 Stadtkirchen gibt es im Land Brandenburg. Viele konnten in den vergangenen Jahrzehnten vor dem Verfall gerettet werden. „Seit 1989 wurde im Land keine einzige Kirche abgerissen“, sagt Drachenberg. Alle Gebäude seien zumindest notgesichert worden.

Hella Strüber kümmert sich um die Kirche von Blankensee

Hella Strüber kümmert sich um die Kirche von Blankensee.

Quelle: Julian Stähle

Betrachtet man die Bausubstanz, scheint es den Kirchen besser zu gehen. Doch auch die Schätze im Inneren sind bedroht. Zwar unterstützt das Land die Sanierung der Kirchen mit jährlich rund 1,5 Millionen Euro im Rahmen des Evangelischen Staatskirchenvertrags. „Doch wir brauchen bürgerschaftliches Engagement“, betont Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD). Denn vor allem durch den großen Einsatz zahlreicher lokaler Kirchenfördervereine konnten viele Gotteshäuser im Land erhalten werden.

„Es gibt noch viel zu tun“

Seit 2009 wird von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und anderen Organisationen für religiöse Kunstwerke und Taufengel gesammelt, die vom Verfall bedroht sind. Bislang sind dabei mehr als 120.000 Euro zusammengekommen. Den märkischen Kirchen geht es wieder besser, doch der Geschäftsführer des Fördervereins Alte Kirchen, Bernd Janowski, warnt: „Die Kunstwerke sind in Not, und es gibt noch viel zu tun.“

Die Kirche ist von außen eher unscheinbar

Die Kirche ist von außen eher unscheinbar.

Quelle: Julian Stähle

Was sich Helfer wie Hella Strüber nicht zweimal sagen lassen. Über viele Jahre hinweg haben sie und andere Ehrenamtler aus dem Gemeindekirchenrat, der evangelischen Gemeinde und aus dem Dorf dafür gesorgt, dass das Gotteshaus nicht von innen und außen verfällt. So haben sie den Restaurator Martin J. Ottmar für kostenlose Arbeiten an vier bedeutenden Kunstwerken gewinnen können. Engagement, das sich lohnt.

Wie seinerzeit Fontane seien Kirchenbesucher heute überrascht, wenn sie die von außen „nichtssagende“ fast 700 Jahre alte Kirche betreten. „Wir sind reich beschenkt durch unsere Kunstwerke, die ganze Kirche atmet Historie“, sagt die pensionierte Lehrerin. Über die Spendenaktion für den größten Kunstschatz der Dorfkirche freut sie sich besonders.

Rechtzeitig restauriert zum Reformationsjubiläum

Bis zum Reformationsjubiläum soll das Kunstwerk wieder in seinem alten Glanz erscheinen und ab September 2017 als Leihgabe in die Ausstellung ins Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte in Potsdam umziehen. Außergewöhnlich sei das Erinnerungsgemälde wegen seines ungewöhnlichen heilsgeschichtlichen Bildinhaltes und der Qualität seiner Ausführungen, erklärt der Landeskonservator. Sofern die Spendenaktion erfolgreich ist, wird die Restaurierung des Gemäldes zwei bis drei Monate dauern.

Einige Kunstwerke konnten bereits in der Vergangenheit mit Hilfe von Spendengeldern gerettet werden. So sammelte der Förderverein Alte Kirchen im Jahr 2015 rund 6500 Euro für die Sicherung des spätmittelalterlichen Altars der Stadtkirche Ruhland (Oberspreewald-Lausitz). Auch mehr als 200 Taufengel im Land konnten mithilfe des Vereins gerettet werden. Hier seien 75.000 Euro zusammengekommen, so Janowski.

Von Diana Bade

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