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Brandenburgs Kita-Erzieher arbeiten am Limit

Personalnot Brandenburgs Kita-Erzieher arbeiten am Limit

Erzieher aus Brandenburg kommen zusehends an ihre Grenzen. Vielerorts fehlen junge, gut ausgebildete Fachkräfte. Als Träger von 16 Einrichtungen mit 2000 Kindern im Land fordert die Volkssolidarität jetzt eine weitere Verbesserung des Betreuungsschlüssels.

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Die Brandenburger Volkssolidarität fordert eine Verbesserung der Personalsituation in märkischen Kitas.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Personalnot in den Brandenburger Kitas verschärft sich zusehends. Vielerorts kommen die Kita-Erzieher an ihre Grenzen, hieß es am Dienstag bei einem sozialpolitischen Fachgespräch in Potsdam, zu dem die Brandenburger Volkssolidarität eingeladen hatte.

Zwar habe die Landesregierung Verbesserungen beim Betreuungsschlüssel beschlossen. Doch das sei immer noch zu wenig, sagte Ines Große, Vorstandsvorsitzende der Volkssolidarität Brandenburg am Rande der Veranstaltung. „Wir sind auf einem guten Weg, aber die Frage ist, ob das ausreicht.“

Längere Betreuungszeiten

In der Mark kümmert sich durchschnittlich eine Erzieherin um fünf Kleinkinder unter drei Jahren. Bis 2018 soll es, wie die rot-rote Koalition vereinbart hat, für die Drei- bis Sechsjährigen mehr Personal geben und der Schlüssel dann dort bei 1 zu 11 liegen. Der Volkssolidarität geht das nicht weit genug. Als Träger von 16 Einrichtungen mit 2000 Kindern im Land setzt sich der Sozial- und Wohlfahrtsverband dafür ein, dass künftig eine Erzieherin nur zehn Kinder betreuen muss.

Handlungsbedarf gebe es vor allem deshalb, weil berufstätige Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder immer häufiger auf Kita-Öffnungszeiten über acht Stunden angewiesen seien. In der Kita „Am Sonnensteig“ in Frankfurt (Oder) etwa, die auch zu den Einrichtungen des Trägers Volkssolidarität gehört, würden die Mütter und Väter oftmals weite Strecken von ihrem Wohnort bis zum Arbeitsplatz pendeln. „Sie glauben doch nicht, dass die Eltern es immer schaffen können, ihre Kinder pünktlich abzuholen?“, sagte Kitaleiterin Heike Seidler in Richtung der Politik.

In der Praxis sieht es anders aus

Zwölf Stunden am Tag werden die 140 Kinder in der Einrichtung von 15 Pädagogen betreut, was theoretisch einem Betreuungsschlüssel von 1:9 entspricht. In der Praxis aber, machte Seidler deutlich, arbeiten die Erzieher am Limit. Denn bedingt durch Fortbildungen, Krankheit, Urlaub und andere Ausfälle sei die Erstellung des Dienstplanes „eine Herausforderung.“

Eine Entwicklung, die die Volkssolidarität fast überall beobachtet. Einer internen Erhebung zufolge gab es in elf Kitas des Trägers mit 163 pädagogischen Mitarbeitern an 253 Arbeitstagen im Jahr 2016 mit 21,6 Prozent mehr als ein Fünftel Ausfalltage. Die im Kita-Gesetz beschriebenen Ausfallzeiten bedingt durch Krankheit, Urlaub, Fortbildung, Elternarbeit, Vor- und Nachbetreuungszeiten würden in keinem Fall der Realität entsprechen.

„Die Kollegen sind ausgelaugt“

Ähnliche Erfahrungen hat Simone Haase als Leiterin der Kita Burg in Luckenwalde (Teltow-Fläming) gemacht. Auch sie verzeichnet hohe Ausfallzeiten. „Die Kollegen sind ausgelaugt und betreuen mehr Kinder als sie sollen“, beschreibt sie die Situation. Für die eigentliche Arbeit mit den Kindern und eine individuelle Betreuung gebe es kaum noch Zeit.

Damit verbunden sei das Problem, dass junge, gut ausgebildete Erzieher Mangelware in Brandenburg sind. Seit anderthalb Jahren sucht die Luckenwalder Kita intensiv nach neuem Personal in ihrer Einrichtung mit 320 Kindern – ohne Erfolg. Es gebe kaum qualifizierte Bewerber, die den Anforderungen des Berufsbildes entsprechen. „Viele haben Probleme mit der deutschen Sprache, sind nicht belastbar oder kritikfähig.“ Haase kritisiert zudem, dass Auszubildende in der Regel drei Tage in der Woche in der Berufsschule verbringen, jedoch nur zwei Tage in den Kitas. „Sie können keine Bindung zu den Kindern aufbauen.“

Verbesserungen müsse es auch im Bereich der Kita-Leitung geben, forderte Arite Schumann-Klos, Leiterin der Kita „Grünschnäbel“ in Spremberg (Spree-Neiße). Es könne nicht sein, dass Kita-Leiter wegen Personalmangels als „Springer“ Kollegen in Gruppen vertreten und dadurch zu wenig Zeit für Anleitung und Qualifizierung ihrer Mitarbeiter oder Elterngespräche haben.

Von Diana Bade

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