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Brandenburg Diamanten aus Totenasche bleibt untersagt
Brandenburg Diamanten aus Totenasche bleibt untersagt
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18:46 27.06.2018
Urne mit der Asche eines Toten: Das umstrittene neue Bestattungsgesetz des Landes wurde am Mittwoch im Brandenburger Landtag behandelt. Quelle: dpa
Potsdam

Die Entnahme von Totenasche aus der Urne bleibt in Brandenburg ein Tabu. Mit knapper Mehrheit beschloss am Mittwoch der Landtag einen entsprechenden Änderungsantrag und kippte damit eine Regelung, die in der Novelle zum Bestattungsgesetz der rot-roten Landesregierung vorgesehen war.

Angehörigen von Toten sollte erlaubt werden, sich aus einem Teil der Asche von Toten ein Erinnerungsstück wie einen kleinen Diamanten fertigen zu lassen. Das Gesetz soll endgültig am Freitag beschlossen werden. Die Fraktionen hatten die Abstimmung freigegeben und auf den sonst üblichen Fraktionszwang verzichtet. 40 Abgeordnete stimmten für den Gruppenantrag, 31 dagegen. Sechs Abgeordnete enthielten sich.

Nachdenkliche Debatte im Landtag

Abgeordnete mehrerer Fraktionen betonten in der sehr ernsthaften und nachdenklichen Debatte, im Hinblick auf Respekt und Würde dürften aus toten Menschen keine Dinge gemacht werden. Der SPD-Abgeordnete Sören Kosanke, der den Antrag begründete, sagte, der Körper dürfe nicht zu einem Gegenstand oder einer Sache werden. Das gelte auch für vermeintlich harmlose Erinnerungsstücke. Es sei auch ungewiss, was aus den Erinnerungsstücken werde, warnte der Abgeordnete: „Sie können vererbt, verschenkt, verloren oder gestohlen werden.“

Wunsch nach Novelle kam von den Kommunen

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) meinte, Angehörige würden sich zunehmend solche Erinnerungen an die Verstorbenen wünschen. Der Wunsch nach der Gesetzesänderung sei aus den Städten und Gemeinden gekommen. Denn dort gebe es zunehmend Wünsche insbesondere von älteren Angehörigen, Erinnerungsstücke mit Asche der Toten zu bekommen. Da dies bislang verboten sei, müssten die Angehörigen Umwege in Kauf nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Das Pressen von Diamanten sei die Ausnahme, betonte Schröter: „Es geht eher um Asche in einem Kreuz an einer Halskette.“

Für den Gesetzentwurf setzte sich der Linken-Abgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg ein. „Die Angehörigen finden Wege, mit der Asche so umzugehen, wie sie es vorher mit den Verstorbenen besprochen haben“, sagte Scharfenberg. „Daher ist es richtig, das Bestattungsgesetz den neuen Entwicklungen anzupassen.“

Die SPD-Abgeordnete Klara Geywitz sagte, es dürfe kein exklusives Recht für Trauer geben. In Patchworkfamilien beispielsweise bekomme so die letzte Familie des Toten gewissermaßen ein Recht auf den Leichnam. Der CDU-Abgeordnete Sven Petke warnte vor unwürdiger Geschäftemacherei. „Die Kosten für das Pressen eines Diamanten gehen von 4000 bis 20000 Euro.“ Aus einem Teil eines Menschen werde ein Wertgegenstand gemacht.

Grabstein darf nicht aus Kinderarbeit stammen

Mit 57 Stimmen fand ein Antrag eine Mehrheit, dass eine Bestattung bei Früh-, Fehl- und Totgeburten künftig bereits ab einem Gewicht von 500 Gramm verpflichtend werden soll. Bislang ist dies erst ab 1000 Gramm vorgeschrieben. Dagegen fand ein von CDU-Abgeordneten initiierter Antrag keine Mehrheit, grundsätzlich alle Früh- und Fehlgeburten zu bestatten, keine Mehrheit.

Überraschend angenommen wurde ein Antrag der Grünen, dass künftig auf Brandenburger Friedhöfen nur noch Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die nicht aus Kinderarbeit stammen. Im Innenausschuss hatte dies noch eine Mehrheit abgelehnt, weil diese Regelung kaum überprüfbar sei.

Die evangelische und die katholische Kirche hatten sich vehement gegen eine Ascheentnahme und gegen Gedenkstücke zum Mitnehmen ausgesprochen. Dagegen hatten Bestattungsunternehmen für eine Lockerung der bestehenden Regelungen geworben. Brandenburg wäre das erste Bundesland gewesen, das die Entnahme von Totenasche aus der Urne erlaubt hätte.

Ausgangspunkt der Gesetzesnovelle waren Bemühungen des Stahnsdorfer Südwestkirchhofs zur Förderung des Erhalts denkmalgeschützter Mausoleen dort Bestattungen von Grabpaten zuzulassen.

Von Igor Göldner

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