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Brandenburg Zu wenig Tierärzte für Rind, Schwein und Huhn
Brandenburg Zu wenig Tierärzte für Rind, Schwein und Huhn
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17:13 28.02.2019
Gerade im ländlichen Raum klagen Tierärzte über zu wenig Nachwuchs. In Brandenburg fehlen vor allem Nutztierärzte. Quelle: Peter Geisler
Brandenburg

 In Brandenburg gibt es zu wenige Tierärzte – oder eben nicht. Das hängt ganz davon ab, ob der Patient eine verschnupfte Katze oder ein lahmendes Rind ist. Denn einen Tierärztemangel gebe es vor allem in der Nutztierpraxis, erläutert Burkhard Wendland, Vorsitzender des Landesverbandes praktizierender Tierärzte in Brandenburg. „Es ist schon ein großes Problem“, sagt er. „Ich kenne Kollegen, die suchen händeringend nach Tierärzten.“ Am schwierigsten sei die Lage in berlinfernen Regionen in der Uckermark, der Prignitz oder Elbe-Elster.

Die Gründe für den Nachwuchsmangel in Nutztierpraxen und in der Veterinärmedizin im Allgemeinen sind so vielfältig wie komplex. Für viele Tierliebhaber ist der Beruf des Tierarztes ein Traum. Doch die erste Hürde in den Beruf ist ein strenger Numerus Clausus: Im vergangenen Jahr brauchten angehende Veterinärmediziner aus Brandenburg einen Abi-Schnitt von 1,2 oder besser, um zum Studium zugelassen zu werden.

Schwierige Arbeitsbedingungen für Tierärzte

Am Ende von mindestens elf harten Semestern stehen dann lange Arbeitstage sowie Nacht- und Wochenenddienste bei vergleichsweise geringer Bezahlung. Absolventen in Brandenburg können zum Einstieg mit einem Bruttogehalt von 2000 bis 3000 Euro rechnen. Gemessen an den Strapazen des Studiums sei das den meisten zu wenig, sagt Wendland. In den Städten und den darumliegenden Speckgürtel seien die Arbeits- und Lebensbedingungen aber immer noch attraktiver als in abgeschiedenen ländlichen Regionen.

Ein weiteres Problem: Ein Großteil der Absolventen spezialisiert sich auf Kleintier- oder Pferdemedizin. „Die meisten Studierenden kommen aus Städten und interessieren sich nicht für Schweine oder Geflügel“, erläutert Wendland. „Es gibt kaum Leute, die aus der Landwirtschaft kommen.“ Am gefragtesten sei die Pferdemedizin, obwohl Nutztierpraxen in der Regel bessere Gehälter zahlten.

Nutztierhalter denken ökonomisch

Ein Nutztierarzt im Einsatz im Kuhstall. Quelle: Ute Sommer

Ein Grund dafür könnte es sein, dass Haustier- und Nutztiermedizin oft unterschiedliche Ziele verfolgen. Während Pferdehalter alles dafür geben würden, ihr Tier zu heilen, kommt eine schwere Erkrankung einem Schlachttier als Todesurteil gleich. „In der Nutztierpraxis steht die Ökonomie im Vordergrund“, sagt Wendland. Wenn ein Nutztier krank ist, wird es vielleicht nicht um jeden Preis gesund gepflegt, sondern zum Schlachter gebracht.

Was beide Bereiche gemein haben, sind die harten Arbeitsbedingungen: Eine zusätzliche Belastung für alle Tierärzte ist der verpflichtende Notfall- und Bereitschaftsdienst für alle Selbstständigen. Die ersten Anlaufstellen sind die Tierkliniken. In Brandenburg gibt davon derzeit sechs Stück, von denen zwei für Kleintiere und vier für Großtiere zuständig sind – rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr.

Für die Tierkrankenhäuser bedeutet das Dienst in drei Schichten, in denen zu jeder Zeit genug Ärzte und Assistenten im Haus sein müssen, um eine Not-Operation durchzuführen. Das ist teuer – und nicht in jeder Nacht gibt es einen Notfall. Manche Brandenburger Kliniken überlegten deshalb, ihre Klinikzulassung zurückzugeben, sagt Wendland.

Not- und Bereitschaftsdienst ist Pflicht

Auch Tierarztpraxen sind dazu verpflichtet, abwechselnd den Notdienst zu verrichten. In jedem Landkreis gibt es mindestens eine Kleintier- und eine Pferdepraxis, die alle paar Wochen für jeweils eine Woche Bereitschaftsdienst hat. Der Dienst rotiert und ist für Tierhalter online einsehbar. Die Praxen kümmern sich im Notfall um die Erstversorgung eines Tieres und überweisen es dann, wenn nötig, in eine Klinik.

Burkhard Wendland, Vorsitzender des Landesverbandes praktizierender Tierärzte. Quelle: Gerlinde Irmscher

„Die Versorgung im Notfall ist nicht ganz unproblematisch“, erklärt Andrea Schulze, Geschäftsführerin der Landestierärztekammer. Ein Problem bei den Notdiensten sei die Spezialisierung auf eine bestimmte Tierart. „Wenn sich jemand auf die Behandlung von Pferden spezialisiert hat, wird es für den schwierig, ein Rind zu behandeln“, so Schulze. „Bei Kleintierärzten gibt es überhaupt keinen Mangel.“

Bisher keine Notdienstgebühr

„Bereitschaftsdienst rund um die Uhr ist einfach nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Wendland vom Landesverband praktizierender Tierärzte. Zumal die Gebührenordnung für Tierärzte bisher keine Notdienstgebühr enthalte.

So eine Gebühr sei zwar schon im Gespräch, würde aber eine Änderung der Gebührenordnung samt Zustimmung durch Bundestag und Bundesrat verlangen. Außerdem sei es kaum möglich, den Notdienst kostendeckend anzubieten, ohne dabei die gesetzlichen Arbeitszeiten einzuhalten. Nicht nur Berufseinsteiger schrecke das ab.

Auch die Tierhalter selbst erschweren den Ärzten ihren Arbeitsalltag. „Die Leute sind unverschämt geworden und verlangen mehr von den Kollegen, als sie leisten können“, so Wendland. „Zum Beispiel, wenn nachts um halb zwei mehrere Anrufe kommen, wenn das Meerschweinchen Durchfall hat.“

Es sei auch „nicht ganz ungefährlich“, nachts zu Hausbesuchen in abgelegene Gebiete zu fahren. „Gerade jungen Kolleginnen empfehle ich nicht unbedingt, um 22 Uhr nachts in eine Gegend rauszufahren, die sie nicht kennen“, sagt er. Einer seiner Kollegen sei einmal bei so einem Hausbesuch zusammengeschlagen worden. In der Nutztierpraxis im ländlichen Raum stehen lange Überlandfahrten aber immer wieder auf dem Programm. Die überwiegend weiblichen Absolventen würden dann lieber in der Stadt bleiben.

Von Hannah Rüdiger

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