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Brandenburgs Schulen gehen die Lehrer aus

Bildungspolitik Brandenburgs Schulen gehen die Lehrer aus

Bis 2025 gehen gut zwei von drei Lehrern in den Ruhestand. Um das auszugleichen, bedarf es Tausender Neueinstellungen. Doch es gibt nur noch wenige Junglehrer, die sich für einen Job in Brandenburg begeistern können. Die Lehrergewerkschaf fordert, den Staatsdienst attraktiver zu machen.

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Hier ist noch eine zu sehen, bald aber könnten viele Schulen Problem haben, Lehrer zu bekommen.

Quelle: dpa

Potsdam. Für 500 Euro mehr auf dem Gehaltszettel kann man schon mal fahnenflüchtig werden. Junglehrer verdienen in Mecklenburg-Vorpommern vom ersten Tag an mehr als in Brandenburg. Der langjährige Standortvorteil – Stichwort: Verbeamtung – ist Geschichte. Was die Entlohnung von Lehrern betrifft, sei Brandenburg mittlerweile eines der Schlusslichter in Deutschland. Das kritisiert Günther Fuchs, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung Wissenschaft (GEW). Ihn wundert es nicht, dass es immer schwerer wird, den zunehmend gefragten Lehrernachwuchs für einen Arbeitsplatz in der Mark zu begeistern – schon gar nicht in entlegenen Landstrichen wie Prignitz, Uckermark und Lausitz.

„Wir haben die Situation, dass wir nicht konkurrenzfähig sind“

„Wir haben die Situation, dass wir nicht konkurrenzfähig sind“: GEW-Landeschef Günther Fuchs.

Quelle: dpa

11.000 Lehrerstellen müssen bis 2025 neu besetzt werden

Das Problem soll sich noch weiter verschärfen: In den kommenden neun Jahren gehen fast zwei von drei Lehrern in Pension. „Von 18.000 Stellen sind 11.000 neu zu besetzen“, sagt Günther Fuchs. Brandenburg braucht also gute Argumente, und dabei geht es nicht nur ums Geld. „Wir haben die Situation, dass wir nicht konkurrenzfähig sind.“

Ab Montag will Fuchs der rot-roten Landesregierung ins Gewissen reden. Dann beginnen umfassende Verhandlungen über das Wie-weiter im Staatsdienst – mit am Tisch sitzen auch die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Interessengemeinschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Für die GEW geht es um nichts anderes als die „Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit und Attraktivität des öffentlichen Dienstes“.

Die zentralen GEW-Forderungen im Überblick:

1. Geringere Belastung für ältere Lehrer: Die ausgelaufene Altersteilzeitregelung soll wieder eingeführt werden. Zugleich sollen Anreize gesetzt werden, die Lebensarbeitszeit freiwillig zu verlängern.

2. Gesteigerte Attraktivität der Laufbahnen an Schulen: Unabhängig von Schulstufe und Schulform sollen alle Lehrer in die Besoldungsstufe A 13 eingruppiert werden. Bislang gibt es da Unterschiede.

3. Qualifizierung von Seiten- und Quereinsteigern: Ihnen sollen ein Rechtsanspruch auf Qualifizierung und Unterstützungsmaßnahmen garantiert werden, um Laufbahn als Lehrkräfte an Schulen zu ermöglichen.

GEW-Chef Fuchs droht mit Demonstrationen

Entsprechend groß ist die Drohkulisse, die GEW-Chef Fuchs schon vor Verhandlungsbeginn aufbaut. „Wir werden über Demonstrationen nachdenken“, sagt Fuchs in dem besten Wissen, dass das deutsche Beamtenrecht Streiks eigentlich nicht vorsieht.

Aber der Leidensdruck in den Schulen ist offenbar groß. Trotz der eigens bewilligten 230 neuen Stellen sehen sich viele nicht ausreichend für die Herausforderung der Integration von Migranten gewappnet. Der Altersdurchschnitt der Lehrer ist hoch, manch älterer Kollege hat sich in den Dauerkrankenstand verabschiedet. Fuchs erklärt das auch damit, dass die aktuelle Lehrergeneration nicht selten auf 45 Berufsjahre und mehr komme – während der durchschnittliche Westlehrer nach 32 Jahren in den Ruhestand geht. Fuchs fordert flexible Regelungen, um die Arbeitsbelastung für ältere Kollegen zu senken. Wer noch will und kann, soll künftig aber auch länger arbeiten dürfen.

Grüne und Landeselternrat unterstützen GEW-Forderungen

Notgedrungen stellt das Land in diesen Monaten auf Seiten- und Quereinsteiger. Langfristig darf die Qualität darunter nicht leiden, meint Fuchs. „Wir brauchen Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote, etwa in den pädagogischen Disziplinen.“

Das alles kostet Geld. Wenn es nach der Opposition geht, ist es aber gut angelegt. Marie Luise von Halem, bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag: „Brandenburg kann es sich nicht weiter leisten, hier mit niedriger Bezahlung, fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten und unsicheren Bedingungen für Seiten- und Quereinsteiger mit den anderen Bundesländern in den Wettstreit zu treten.“

Zuspruch kommt auch vom Landeselternrat. Sprecher Wolfgang Seelbach fordert etwa, Grund- und Oberschullehrer in die gleiche Besoldungsstufe einzugruppieren.

Innenministerium rechnet mit langwierigen Verhandlungen

Das Innenministerium geht federführend für das Land in die Verhandlungen. Sprecher Ingo Decker rechnet mit „keinen einfachen, aber konstruktiven Gesprächen“. „Eine schnelle Einigung erwarten wir nicht.“ Die GEW dagegen will bis zur Sommerpause einen Erfolg erzielt haben.

Von Bastian Pauly

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