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Brandenburgs Wissenschaftler wandern aus

Laut Umfrage plant der Großteil eine Karriere anderswo Brandenburgs Wissenschaftler wandern aus

Karriere gemacht wird woanders: Über die Hälfte der Akademiker in Brandenburg treten nach ihrer erfolgreichen Hochschulkarriere die Flucht an und suchen ihr berufliches Heil anderswo. Das hat starke Auswirkungen auf den zukünftigen Arbeitsmarkt. Bereits in ein paar Jahren werden Hunderttausende Arbeitsplätze in der Region nicht besetzt werden können.

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Nach Prognosen werden im Jahr 2015 bereits 273.000 Arbeitsplätze in der Region Berlin-Brandenburg nicht besetzt werden können.

Quelle: Ralf Hirschberger, dpa

Potsdam. Zwei Drittel aller Studenten, die derzeit an einer Brandenburger Hochschule eingeschrieben sind, wollen das Land nach ihrem Abschluss verlassen. Kein anderes Bundesland muss eine so starke Akademikerflucht befürchten, wie aus einer aktuellen Umfrage der Kölner Zeitarbeitsfirma Studitemps und der niederländischen Universität Maastricht hervorgeht.

Diese Entwicklung belaste nicht nur ansässige Unternehmen, auch die Landeskasse leide stark unter der Abwanderung, sagt der Geschäftsführer von Studitemps, Benjamin Roos. „Letztlich ist die Situation gerade in Brandenburg paradox: Man investiert nach Kräften in die akademische Ausbildung junger Menschen, um das daraus resultierende Potenzial an Erwerbspersonen in drastischem Maße an andere Länder zu verlieren“, so Roos.

Laut Statistischem Bundesamt investiert Brandenburg pro Kopf fast 5700 Euro in die Ausbildung seiner Studenten. Lege man diesem Betrag die errechnete Absolventen-Abwanderung von 66 Prozent zugrunde, ergebe sich ein jährlicher Verlust in Höhe von 260 Millionen Euro. Vor allem Berlin profitiert der Umfrage zufolge von den umzugsfreudigen Akademikern. Fast 50 Prozent wollen später in der Hauptstadt arbeiten. Wer sich für einen Verbleib in Brandenburg entscheidet, favorisiert als Arbeitsort Potsdam.

„Migrationsgewinner“ sind der Studie zufolge nur Hamburg, Berlin, Bayern und Baden-Württemberg. Insgesamt befragten die Forscher im September bundesweit 19.000 Studierende. Bereits bei einer ersten Umfrage im Frühjahr erzielte Brandenburg das schlechteste Ergebnis aller Bundesländer. Dem Land ist das Problem bekannt: Nach Prognosen werden im Jahr 2015 bereits 273.000 Arbeitsplätze in der Region Berlin-Brandenburg nicht besetzt werden können, weil es an Fachkräften fehlt.

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Mit einem neu aufgelegten Brandenburg-Stipendium sollen Hochschulabsolventen zum Bleiben animiert werden. Studenten, die ihre Abschlussarbeit in einem Brandenburger Unternehmen schreiben oder als Werkstudent arbeiten wollen, bekommen eine Finanzspritze von rund 500 Euro im Monat – als Eintritt in die Brandenburger Arbeitswelt. Laut Arbeitsministerium sind seit Juni 28 solcher Stipendien vergeben worden, davon 25 an junge Männer. Zudem sind bislang 163 Absolventen mit Landeszuschuss zum Innovationsassistenten ausgebildet worden – das ist eine Zusatzqualifizierung für Akademiker, die ihnen Karrierechancen in heimischen Unternehmen bieten soll.

„Das sind Beiträge, um dem Studentenschwund wenigstens ein klein wenig entgegenzutreten“, sagt Florian Engels, Sprecher von Arbeitsminister Günter Baaske (SPD). Viel entscheidender seien natürlich attraktive Arbeitsplätze und eine gute Bezahlung. „Zumindest beim zweiten Punkt gibt es in Brandenburg sicherlich noch Nachholbedarf“, so Engels.

Berücksichtigen muss man bei der Studie, dass ein Großteil der in Brandenburg Lernenden aus anderen Bundesländern stammt – und damit wohl ein Interesse hat, in seine Heimat zurückzukehren. Von 51 000 Studierenden im Wintersemester 2012/13 haben nur 16 300 auch ihr Abitur in Brandenburg gemacht. Das geht aus einer aktuellen Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Andersherum zieht es viele Märker an fremde Unis: 43 000 Brandenburger studieren in anderen Bundesländern, die meisten in Berlin und Sachsen. Wie viele davon nach dem Abschluss in die Mark zurückkehren, ist laut Ministerium nicht erfasst. Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) sieht jedenfalls – anders als der Arbeitsminister – „keine negativen Auswirkungen für die Zukunftsfähigkeit des Landes“. Mobilität sei „ein Grundmerkmal der Wissenschaft“.

Von Marion Kaufmann

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